Damit Patienten in der Schweiz schneller von medizinischen Innovationen profitieren können, braucht es einen wettbewerbsfähigen Schweizer Standort, der Innovationen anzieht, angemessen bewertet und honoriert.
Der rasche Zugang zu innovativen Therapien und medizinischen Leistungen ist für die Qualität der Gesundheitsversorgung von zentraler Bedeutung. Nur so können Patientinnen und Patienten vom medizinischen Fortschritt profitieren. Die Krebssterblichkeit in der Schweiz konnte auch dank innovativer Medikamente deutlich gesenkt werden: Heute sterben 20% weniger Menschen an Krebs als noch im Jahre 2010 (Quelle: Bundesamt für Statistik). Die Heilungsrate von Hepatitis C hat sich zwischen 1999 bis heute mehr als verdoppelt, von 41% bei der ersten Generation von Medikamenten auf über 95% bei der vierten Generation. Diese und viele weitere Errungenschaften in der Medizin zeigen sich auch in der Lebenserwartung der Schweizerinnen und Schweizer. Die Schweiz weist mit über 85 Jahren bei Frauen und über 81 Jahren bei Männern eine der höchsten Lebenserwartungen weltweit auf. Dank besserer Gesundheitsversorgung, neuen und innovativen Arzneimitteln, verbesserter Hygiene sowie einer hohen Lebensqualität leben wir nicht nur länger, sondern auch gesünder.
Umfassende Anstrengungen nötig
Seit 2016 kommt es vermehrt zu Verzögerungen bei der Aufnahme von innovativen Medikamenten in die Kassenpflicht. Das heisst, Patientinnen und Patienten warten immer länger auf den vollen und gleichberechtigten Zugang, obschon diese Medikamente und Therapien zugelassen sind. Dieser negative Trend verstärkte sich in letzter Zeit noch. Die gesetzliche Frist von 60 Tagen (KLV Art. 31b) wird jedes Jahr um ein Vielfaches überschritten und nur noch selten eingehalten. Zudem rutscht die Schweiz beim Zugang zu neuen innovativen Arzneimitteln immer weiter ab: Im Vergleich zu Deutschland stehen in der Schweiz nur rund die Hälfte der neuen innovativen Therapien vollständig zur Verfügung. Die Schweiz rangiert bei der breiten und rechtsgleichen Vergütung über die Spezialitätenliste nur noch knapp vor Bulgarien. Darunter leiden die Patientinnen und Patienten, denn viele von ihnen können nicht so lange warten.
Es benötigt deshalb umfassende Anstrengungen, um das Vergütungsverfahren in der Schweiz wieder international konkurrenzfähig zu machen. Die Pharmaindustrie hat konkrete und umsetzbare Vorschläge zur Modernisierung des veralteten Preisbildungssystems vorgelegt und macht sich stark für einen raschen und gleichberechtigten Zugang für Patientinnen und Patienten zu neuen Medikamenten. Mit der Umsetzung des rückvergüteten Innovationszugangs sollen Schweizer Patientinnen und Patienten ab dem Tag der Swissmedic-Zulassung Zugang zu neuen Therapien haben. Es ist wichtig, dieses System unbürokratisch und attraktiv umzusetzen.
Bevölkerungsmeinung
Die Bevölkerung wünscht sich einen solidarischen und fairen Zugang, ist aber offen für effizienzorientierte Steuerung. Rationierung hingegen lehnt sie klar ab. Der Bevölkerung ist es weiterhin ein zentrales Anliegen, allen Versicherten einen möglichst umfassenden Zugang zu medizinischen Leistungen zu gewährleisten – es soll keine Zweiklassen-Medizin geben. Gleichzeitig nimmt das Kostenbewusstsein zu, wodurch beispielsweise auch Modelle an Akzeptanz gewinnen, die einen stärkeren Fokus auf die Abdeckung hoher Risiken legen. Die Bevölkerung wünscht sich eine ausgewogene Regulierung durch Markt und Staat sowie eine gemeinsame Steuerungsverantwortung von Bund und Kantonen.
Diese Erkenntnisse gehen aus dem Gesundheitsmonitor hervor, eine Studie im Auftrag von Interpharma und durchgeführt vom Forschungsinstitut gfs.bern. Diese Studie liefert wichtige Einblicke in die Haltung der Schweizer Bevölkerung zum Gesundheitssystem und zu der Rolle, welche die Schweizer Pharmaindustrie darin spielt. Er bildet eine aufschlussreiche Schnittstelle zwischen der Öffentlichkeit und der Pharmabranche und greift regelmässig die Sorgen, Erwartungen und Meinungen zu einem der komplexesten, innenpolitischen Themen auf: dem Schweizer Gesundheitswesen.
