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21. Mai 2021

Serie Gesundheitsdatenökosystem Teil 1: Mit Massnahmen in sechs Bereichen zum Gesundheitsdatenökosystem

Die Schweiz braucht dringend ein vernetztes Gesundheitsdatenökosystem. Davon profitieren in erster Linie die Patienten, aber auch die Forschung, Wirtschaft und letztlich die ganze Gesellschaft. Gefordert sind nun alle, und auch die forschende Pharmaindustrie wird einen wichtigen Beitrag leisten. Dabei sind Massnahmen in sechs Handlungsfeldern wichtig, die wir in einer Blogserie näher beleuchten werden.

Wie wichtig die Digitalisierung des Gesundheitssystems ist, hat sich in der aktuellen Krise verdeutlicht. Dänemark hat eines der fortschrittlichsten Gesundheitsdatenökosysteme. Schon im März konnten die Dänen ihre Gesundheitsdaten auf eine App laden und hatten damit einen digitalen Corona-Pass, mit dem sie Museen besuchen, Fussballspiele live mitverfolgen und in Bars trinken durften.

Israel konnte aufgrund ihres integrierten Systems enorm wertvolle Daten Forschern zur Verfügung stellen, die nun damit die nächsten Generationen von Impfstoffen noch effektiver gegen Mutationen machen können.

Und die Schweiz? Hier wurden wichtige Informationen per Fax verschickt, und die Plattform meineimpfung.ch musste wegen technischer Mängel eingestellt werden.

Ein vernetztes Datenökosystem ist der Schlüssel für ein nachhaltiges Gesundheitswesen. Patienten profitieren dadurch von personalisierten Therapien und medizinischen Angeboten, die während der gesamten Behandlungszeit auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten werden. Forscher haben neue Möglichkeiten, mit anonymisierten Daten Krankheiten tiefer zu ergründen und innovative Lösungen zu testen. Und letztlich ermöglichen Gesundheitsdaten, die öffentliche Gesundheit so zu gestalten, dass sie transparent, effizient und nachhaltig ist.

Während andere Länder das erkannt haben, hinkt die Schweiz hinterher. Im digital health index der Bertelsmann Stiftung rangieren wir abgeschlagen auf dem 14. Platz, 17 Länder haben sich die Experten angeschaut. Die Analysten von BAK economics (Lesen sie dazu den Blog von Interpharma) haben dargelegt, dass es wie im Gesundheitswesen auch in der forschenden Pharmaindustrie zu einer Transformation kommt. Investitionen in Digitalisierung werden immer wichtiger– aber diese Investitionen werden nicht in der Schweiz getätigt. Unser Forschungs- und Pharmastandort verliert dadurch in jenem Bereich an Wettbewerbsfähigkeit, der die Zukunft prägen wird.

Ein Masterplan und Massnahmen sind dringend nötig

Um das zu ändern, braucht es dringend einen umfassenden Masterplan und Massnahmen. Die Politik ist dabei genauso gefordert wie alle anderen Akteure des Gesundheitssystems. Auch Interpharma wird seinen Beitrag leisten und hat hierzu sechs Handlungsfelder identifiziert, die den Weg hin zu einem vernetzten Gesundheitsdatenökosystem weisen.

  • Erstens braucht es eine integrierte Infrastruktur. Daten müssen in dieser einheitlich erfasst, sicher verschlüsselt, und teilbar sein. Länder wie Israel, Finnland oder Dänemark machen vor, wie das aussehen könnte.
  • Als zweites braucht es gemeinsame technische und ethische Standards, wie diese Daten erfasst und strukturiert werden sollen. Nur so sind sie in der Infrastruktur nutzbar.
  • Drittens, und das ist einer der wichtigsten Punkte: Es braucht Vertrauen und Akzeptanz in das System. Wir profitieren alle von den Daten darin, aber das bedingt eben, dass wir die Daten bereitstellen. Professor Elgar Fleisch von der ETH Zürich bringt es auf den Punkt: «Datenspenden ist das neue Blutspenden.» Damit sich diese Einsicht durchsetzt, braucht es einen breiten Dialog undes braucht ein Bewusstsein darüber, was das System uns bringt, warum wir dringend handeln müssen, und was jeder Einzelne tun kann.
  • Viertens müssen wir regulatorische Rahmenbedingungen schaffen, so dass das System genutzt werden kann. Es müssen rechtliche Hürden abgebaut, aber auch neue Anreize gesetzt werden.
  • Fünftens müssen wir in die Aus- und Weiterbildung von digitalen Kompetenzen investieren. Der Umgang mit Daten wird in Zukunft in sämtlichen Berufsfeldern des Gesundheitswesens eine Rolle spielen. Darauf müssen wir die heutigen und künftigen Fachkräfte vorbereiten.
  • Sechstens ist klar: Ohne nachhaltige Finanzierung wird dieses System nicht funktionieren.

Diese sechs Handlungsfelder werden wir in den kommenden Tagen mit einer Blogserie näher beleuchten.

Die forschende Pharmaindustrie ist schon heute ein proaktiver Partner in diesem Bereich. Sie stellt ihr Knowhow und Netzwerk zur Verfügung, nimmt am Dialog teil, bildet Fachkräfte aus und investiert stark in Innovation. Die Schweiz ist in der Digitalisierung des Gesundheitswesens ins Hintertreffen geraten. Wir haben aber immer noch die Chance, jetzt mit dem Aufbau eines Gesundheitsdatenökosystems unser Gesundheitswesen auf ein nachhaltiges Fundament zu stellen und künftig weiterhin ein attraktiver Forschungsstandort zu sein. Packen wir es an!

Samuel Lanz

Mitglied der Geschäftsleitung / Leiter Kommunikation

+41 79 766 38 86

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Interpharma ist der Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen der Schweiz und wurde 1933 als Verein mit Sitz in Basel gegründet.

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