3 Fragen an die neue Vize-Vorsitzende des Standortkomitees: Bairbre Hickie, General Manager Schweiz Takeda
Der Wettbewerb zwischen den internationalen Pharmastandorten nimmt stetig zu. Wodurch hebt sich der Standort Schweiz Ihrer Ansicht nach am stärksten von der Konkurrenz ab?
Verlässlichkeit und Planbarkeit durch stabile Rahmenbedingungen sind für mich die wichtigsten Faktoren – vor allem dank der vom direktdemokratischen System der Schweiz geprägten institutionellen Stabilität und der starken Rolle der Gemeinden und Kantone in enger Abstimmung mit der Bundesebene. Diese gut etablierte und pragmatisch orientierte Verwaltungsstruktur fördert den Wettbewerb, nicht zuletzt in Bezug auf den Standort und dürfte eine der Stärken der Schweiz sein – auch wenn wir darauf achten müssen, dass dies punkto Geschwindigkeit nicht zu einem Nachteil wird.
Die Schweiz profitiert zudem von einem Talent-Ökosystem, das sich durch seine Dichte und Qualität auszeichnet – von erstklassigen Universitäten, Berufslehren und einer Arbeitnehmerschaft, die starke Schweizer Fähigkeiten mit internationalem Know-how verbindet und in funktionsübergreifenden Settings hervorragende Leistungen erbringt –, wenngleich dieser Vorteil nicht garantiert ist und unter Druck geraten könnte, z. B. im Rahmen der CH-EU-Beziehungen.
Die Meistbegünstigungsdebatte zeigt zudem, dass die Schweiz im globalen Standortwettbewerb keine Insel ist. Ich bin aber überzeugt, dass die hohe Planungssicherheit in der Schweiz einen enormen Mehrwert schafft – vor allem für die Pharmabranche, sei es in der Forschung und Entwicklung, in der Produktion oder im kommerziellen Betrieb. Nachhaltige und zukunftsfähige Investitionen in der Schweiz – sowohl in die Menschen als auch in den technologischen Fortschritt – sichern auch künftig robuste Lieferketten zum Wohle der Patientinnen und Patienten, und das nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit.
In welchem Bereich sehen Sie das grösste ungenutzte Potenzial des Schweizer Pharma-Ökosystems?
Meiner Meinung nach gibt es trotz einer soliden Basis durchaus noch viel Potenzial. Dieses sehe ich insbesondere in Form eines stärkeren Narrativs und der entsprechenden Strategien, um die Schweiz als Life Science Hub weiter zu etablieren. Ziel sollte es sein, alle wichtigen Stakeholder konsequent auf die Schweiz als zuverlässigen globalen Versorgungs- und Innovationsstandort auszurichten. Dies und die richtigen Investitionsentscheide – basierend auf Rahmenbedingungen, die unnötige Bürokratie abbauen und die europäische und globale Interaktion sowie Fortschritte in der Digitalisierung fördern – stärken das Standort-Ökosystem der Schweiz und sind das logische Gegenstück zu einem Heimmarkt, in dem der Patientenzugang an erster Stelle steht.
Speziell bei der Digitalisierung halte ich es für wichtig, die Kompetenzen zu erweitern, um die Anforderungen der nächsten Generation zu erfüllen. Dazu gehört neben dem systematischen Upskilling für KI-gestützte Tätigkeiten in der Produktion und im Handel auch die umfassende Digitalisierung des Schweizer Gesundheitssystems. Für Industrie, Forschung, Wissenschaft und Behörden besteht eine echte Möglichkeit, diese Herausforderung noch stärker gemeinsam anzugehen – eventuell auch im Sinne einer agilen Zusammenarbeit, die den Fokus auf Pilotprojekte legt.
Welche weiteren Schwerpunkte möchten Sie in Ihrer neuen Rolle als Vize-Vorsitzende des Standortkomiteessetzen?
Letztlich ist es mein Ziel, auf den oben genannten Stärken aufzubauen, was in der heutigen globalen Wirtschafts- und Politiklandschaft alles andere als einfach ist, und gleichzeitig auch die genannten Chancen gezielt zu adressieren. Mit einer Kombination aus Geschwindigkeit, Einfachheit und Planbarkeit kann uns das gelingen – und genau das erwarte ich von den Rahmenbedingungen der Schweiz für unsere Branche.
Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit dem Vorsitzenden sowie allen Mitgliedern des Standortkomitees und bin überzeugt, dass wir eine noch stärkere «Footprint-First»-Agenda für die Pharmaindustrie in der Schweiz vorantreiben können – eng an die Marktgegebenheiten gekoppelt und immer mit Blick auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten im Heimmarkt, einschliesslich eines raschen Zugangs zu Innovationen.
Interpharma ist der Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen der Schweiz und wurde 1933 als Verein mit Sitz in Basel gegründet.
Interpharma informiert die Öffentlichkeit über die Belange, welche für die forschende Pharmaindustrie in der Schweiz von Bedeutung sind sowie über den Pharmamarkt Schweiz, das Gesundheitswesen und die biomedizinische Forschung.
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