19. Februar 2026
Medienmitteilung – KVV-Revision: Neueinschätzung statt Umsetzung mit Hochdruck
Seit der Verabschiedung des Kostendämpfungspakets 2 haben sich die internationalen Rahmenbedingungen grundlegend verändert – insbesondere durch die neue US-Preispolitik, die direkte Auswirkungen auf die Verfügbarkeit innovativer Medikamente in der Schweiz haben wird. Der Zugang zu neuen Therapien ist bereits heute eingeschränkt, was das Risiko weiterer Verzögerungen oder Nicht-Einführungen erhöht. Vor diesem Hintergrund erachten wir den Start der Vernehmlassung der KVV-Revision zum jetzigen Zeitpunkt ohne vollumfänglichen Einbezug der finalen Schlussfolgerungen der Arbeitsgruppe Life-Science-Standort Schweiz als weder prozedural hilfreich noch sachlich gerechtfertigt.
Im Frühling 2025 hat das Parlament das Kostendämpfungspaket 2 (KP2) verabschiedet. Seither hat sich die Ausgangslage für die Umsetzung einzelner Massnahmen grundlegend verändert. Dies insbesondere im Hinblick auf Kostenfolgemodelle und den Zugang zu neuen Medikamenten ab dem Zeitpunkt der Zulassung. Auch wenn Kostendämpfungsmassnahmen legitim sind, müssen sie gerade im aktuellen Kontext verhältnismässig und für den Patientenzugang zumutbar sein. Mit dem nun vorliegenden Vernehmlassungsentwurf verpasst der Bundesrat die Chance, den neuen geopolitischen Gegebenheiten Rechnung zu tragen. Im Gegenteil: Der Entwurf blendet die jüngsten Entwicklungen aus, was im schlimmsten Fall zulasten der Patientinnen und Patienten in der Schweiz geht. Nun gilt es, gemeinsam auf eine Verordnung hinzuarbeiten, die bestmögliche Rahmenbedingungen schafft, um der Schweizer Bevölkerung langfristig den Zugang zu innovativen und lebenswichtigen Medikamenten zu gewährleisten.
Neue US-Preispolitik verschärft die Situation
Die USA haben mit der sogenannten «Most Favored Nation»-Regelung ein Referenzpreissystem eingeführt, das kaufkraftbereinigte Schweizer Nettopreise berücksichtigt. Für Pharmaunternehmen entsteht dadurch ein erhebliches Dilemma: Werden innovative Medikamente frühzeitig in kleinen Märkten mit bereits tiefen Preisen – wie der Schweiz – eingeführt, hat dies direkte Auswirkungen auf die Preisgestaltung im wichtigsten Absatzmarkt, den USA. Damit verbunden ist das Risiko, dass neue innovative Therapien den Schweizer Patientinnen und Patienten nicht oder nur sehr verzögert zur Verfügung stehen.
René Buholzer, Geschäftsführer Interpharma:
«Angesichts der veränderten internationalen Lage und der bestehenden Versorgungsprobleme lehnen wir eine KVV-Revision ohne Berücksichtigung der veränderten Rahmenbedingungen ab. Jetzt braucht es eine sorgfältige Neueinschätzung, wie sie in der Arbeitsgruppe Life Science Standort aktuell vorgenommen wird. Eine Umsetzung mit Hochdruck zulasten einer weiteren Verschlechterung des Zugangs für Patienten und Patientinnen lehnen wir ab.»
Zugang zu Innovationen bereits heute eingeschränkt
Unabhängig von den Veränderungen in den USA hat sich der Zugang zu innovativen Medikamenten in der Schweiz in den letzten Jahren bereits kontinuierlich verschlechtert. Neue Therapien erreichen Patientinnen und Patienten zunehmend später – oder gar nicht mehr. 2024 waren lediglich 47 Prozent der von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) neu zugelassenen innovativen Arzneimittel in der Schweiz voll verfügbar.
Widerspruch zur Stärkung des Life-Science-Standorts
Zu Beginn des Jahres hat die vom Bundesrat eingesetzte Arbeitsgruppe «Life-Science-Standort Schweiz» ihre Arbeit aufgenommen. Ihr Ziel ist es, die Rahmenbedingungen für Forschung, Entwicklung und Produktion in der Schweiz nachhaltig zu verbessern. In Kenntnis der intensiven Arbeit der Arbeitsgruppe fordert Interpharma, dass die finalen Ergebnisse dieses Gremiums vollumfänglich in die Vernehmlassung einfliessen müssen. Nur so kann sichergestellt werden, dass gemeinsam die besten Ergebnisse für Patientinnen und Patienten, den Wirtschaftsstrandort und die Industrie getroffen werden.