Medienmitteilung – Die Generikadurchdringung in der Schweiz schreitet weiter voran: Neue innovative Medikamente wachsen nur unterdurchschnittlich
Der Medikamentensektor in der Schweiz erzielte 2025 einen Umsatz von 8.1 Milliarden Franken zu Fabrikabgabepreisen (+5.0 %). Sinkende Medikamentenpreise sind hauptverantwortlich dafür, dass das von der steigenden Nachfrage getriebene Wachstum im Jahr 2025 um -2.4 % gedämpft wurde. Neue innovative Medikamente legten nur unterdurchschnittlich zu (+4.6 %), während Generika und Biosimilars 2025 erneut stark gewachsen sind.
2025 wurden in der Schweiz Medikamente zu Fabrikabgabepreisen im Wert von 8.1 Milliarden Franken verkauft – knapp 7.1 Milliarden gingen zu Lasten der Krankenkassen. IQVIA erhebt monatlich die Daten bei Pharmaunternehmen, Grossisten, Ärztelieferanten und Versandapotheken. Gemäss der Erhebung ist der Schweizer Medikamentenbereich 2025 zu Fabrikabgabepreisen um +5.0 % gewachsen – leicht mehr als im Vorjahr. Die demografische Entwicklung und der damit zusammenhängende steigende Bedarf an medizinischen Leistungen sind weiterhin Haupttreiber der Mengenausweitung. Die institutionalisierten Preissenkungen des Bundes vermochten das Wachstum des Gesamtsektors um -2.4 % zu dämpfen.
Generika und Biosimilars erneut mit starkem Umsatzwachstum
Der Generika-Umsatz knackte 2025 mit 1.12 Milliarden Franken zum zweiten Mal in Folge die Milliarden-Grenze. Bereits im vergangenen Jahr hatten die Massnahmen des Bundes im Bereich der Verordnung über die Krankenversicherung (KVV) zu einem massiven Zuwachs des Generika-Anteils geführt. Dieses Wachstum setzte sich 2025 fort, wenn auch weniger markant (+6.4 %). Deutlich stärker ist der Umsatz der Biosimilars gewachsen. Ebenfalls getrieben von den Massnahmen im Zusammenhang mit der KVV-Revision legte dieser um +13.7 % zu. Damit liegt die Generikadurchdringung bei 68%. Bei den Biosimilars liegt die Durchdringung bei 58%.
Das überdurchschnittliche Wachstum bei Generika und Biosimilars ging insbesondere auf Kosten der Originale (chemisch hergestellte Produkte, -1.2 % resp. Biologika, -7.8 %) und zeigt eindrücklich, dass die Massnahmen des Bundes im Rahmen der KVV-/KLV-Revision greifen. Damit leistet die Pharmabranche einen weiteren beachtlichen Beitrag zur Dämpfung der Kosten, neben den jährlich wiederkehrenden Einsparungen von 1.6 Milliarden Franken im Rahmen der dreijährlichen Preisüberprüfungen. Diese Entwicklung dürfte sich auch in Zukunft fortsetzen.
Innovationen mit unterdurchschnittlichem Wachstum
Neue und innovative Therapien sind im kassenzulässigen Markt nur unterdurchschnittlich gewachsen (+4.6%). Patentabläufe, befristete Aufnahmen auf die Spezialitätenliste, neu eingereichte Indikationen und bestimmte Auflagen durch das BAG dämpfen das Wachstum des Medikamentensektors. Für Patientinnen und Patienten sind das jedoch keine guten Nachrichten. Denn der einseitige Fokus auf die Kosten gefährdet zunehmend die Versorgung mit Medikamenten. Dabei profitieren die Patientinnen und Patienten in der Schweiz gleich doppelt von innovativen Medikamenten. Einerseits retten innovative Medikamente Leben und steigern die Lebensqualität. Andererseits entlasten sie das Gesundheitswesen, indem sie Kosten für deutlich teurere Eingriffe und Pflegeaufenthalte vorbeugen.
Medikamentenpreise sinken zum 29. Mal in Folge
Die seit 2012 jährlich verfügten Preissenkungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) greifen und haben das Wachstum des Pharmamarktes im vergangenen Jahr um -2.4 % reduziert. Damit überkompensieren die Preissenkungen sämtliche Kosten, die von Neueinführungen & Zulassungserweiterungen verursacht worden sind. Hauptverantwortlich für das Wachstum des Gesamtmarkts um +5 % ist vor allem der erhöhte Absatz von Produkten, die bereits vor 2025 auf den Markt gekommen sind.
Im Rahmen der letztjährigen Überprüfung hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Preise von knapp 300 Arzneimitteln um durchschnittlich 12 % gesenkt und die Behörde wird weitere Preissenkungen verfügen. Gemäss Landesindex der Konsumentenpreise ist der Preisindex der Medikamente zudem zum 29. Mal in Folge gesunken, zuletzt um -1 % im Jahr 2025. Dies zeigt, dass die Überprüfungen durch das BAG greifen und das Preisniveau der Medikamente in der Schweiz kontinuierlich sinkt.
Dr. René Buholzer, Geschäftsführer Interpharma – Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen der Schweiz, sagt:
«Schweizer Medikamentenpreise sind Referenzpreise in den USA geworden. Um den Zugang zu innovativen Medikamenten zu gewährleisten, braucht es eine Modernisierung des Preisbildungssystems und ein Verzicht auf weitere reine Kostensenkungs-Massnahmen. Aktuell gibt jeder Schweizer monatlich 37 Fr. für innovative Medikamente aus. Das ist dreimal weniger als für Alkohol und Tabak.»
Ernst Niemack, Geschäftsführer vips – Vereinigung Pharmafirmen in der Schweiz, führt aus:
«Das neue US-Referenzpreissystem Generous, das am 10. November 2025 in Kraft gesetzt wurde, hat dramatische Konsequenzen für unser Land. Innovationen und neue Medikamente kommen ohne Gegenmassnahmen nicht mehr oder stark verzögert auf den Schweizer Markt, da diese sonst den Preis im allerwichtigsten Absatzmarkt – den USA – drücken würden. Dies birgt nicht nur Gefahren für Patientinnen und Patienten, die dringend angewiesen sind auf ihre lebensnotwendigen Therapien, sondern schwächt auch den Wirtschafts- und Pharmastandort Schweiz.»
Kontakte
Georg Därendinger, Leiter Kommunikation Interpharma, Verband der forschenden Pharmaunternehmen der Schweiz 079 590 98 77
Liliane Scherer, Leiterin Kommunikation & Public Relations vips, Vereinigung Pharmafirmen in der Schweiz 076 779 57 22
Beilage: IQVIA, Entwicklungen im Pharmasektor 2025
Infobox: Generika und Biosimilars
Generika sind identische Kopien von patentabgelaufenen Originalpräparaten, basierend auf synthetischen Wirkstoffen. Sie bestehen aus einfachen Molekülen.
Biosimilars werden aus lebenden Zellen hergestellt, die nicht exakt kopiert werden können. Daher ist ein Biosimilar niemals identisch mit dem Originalprodukt, sondern höchstens ähnlich. Die Entwicklung und Herstellung von Biosimilars ist deutlich komplexer als bei Generika. Daher betragen allein die Entwicklungskosten für ein Biosimilar das 100-Fache eines Generikums.
Interpharma ist der Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen der Schweiz und wurde 1933 als Verein mit Sitz in Basel gegründet.
Interpharma informiert die Öffentlichkeit über die Belange, welche für die forschende Pharmaindustrie in der Schweiz von Bedeutung sind sowie über den Pharmamarkt Schweiz, das Gesundheitswesen und die biomedizinische Forschung.
Jahresbericht
Informationen zu unseren Kennzahlen und Aktivitäten im Geschäftsjahr 2024