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02.10.2026

Beitrag von: Georg Därendinger

Bundesrat verpasst Chance zur Stärkung der Patientensicherheit

Der Bundesrat sieht im bestehenden Schweizer System zur Verifizierung von Arzneimitteln (SMVS) einen ausreichenden Schutz vor gefälschten Arzneimitteln und hält deshalb an der freiwilligen Nutzung des Systems fest. Für Interpharma verpasst der Bundesrat mit diesem Entscheid eine Chance, die Patientensicherheit in der Schweiz effektiv zu verbessern. Ohne Obligatorium kann die Wirksamkeit des Systems nicht gewährleistet werden, womit mittelfristig sogar das Fortbestehen des Systems gefährdet sein könnte.

Gefälschte Arzneimittel können eine ernstzunehmende Gefahr für Patientinnen und Patienten in der Schweiz darstellen. Um zu verhindern, dass Fälschungen in die legale Lieferkette gelangen, müssen Arzneimittelpackungen eindeutig identifiziert und digital überprüft werden können. Zu diesem Zweck wurde im Auftrag des Parlaments die SMVS aufgebaut, von der Industrie finanziert und an das europäische Verifikationssystem EMVS angeschlossen. Die Industrie hat rund zehn Millionen Franken in die Schaffung dieser Infrastruktur investiert. Bereits heute sind zahlreiche Unternehmen angeschlossen und mehr als 200 Millionen Arzneimittelpackungen mit individuellen Erkennungsmerkmalen versehen.

Das ist zwar eine gute Grundlage – reicht für einen wirksamen Schutz von Patientinnen und Patienten jedoch nicht aus. Damit das System seine Schutzwirkung entfalten kann, muss jede Packung entlang der gesamten Lieferkette überprüft werden. Das ist nur dann möglich, wenn alle relevanten Akteure sich am System beteiligen. Fehlen auch nur einige Akteure, entstehen Lücken, durch die potenziell schädliche Produkte unentdeckt in Umlauf gelangen können. Die Argumentation des Bundesrats, dass das bestehende System auch ohne Obligatorium Patientinnen und Patienten effektiv vor gefälschten Arzneimitteln schützt, ist für Interpharma dementsprechend nicht nachvollziehbar. Ohne Obligatorium könnten für einige Akteure in Zukunft zudem die Anreize fehlen, sich weiterhin am System zu beteiligen. Ziehen sich diese Akteure in der Folge aus dem System zurück, droht dieses zu kollabieren. Nur eine verpflichtende Nutzung des bestehenden Systems vermag es, Lücken zu schliessen und Patientinnen und Patienten in der Schweiz effektiv zu schützen.

Von besonderer Bedeutung ist zudem, dass die SMVS Teil des europäischen Verifikationssystems EMVS ist. Dadurch profitiert die Schweiz von einer etablierten internationalen Infrastruktur zur Bekämpfung von Arzneimittelfälschungen. Mit der Erosion des Systems geht auch die Anbindung an das europäische System verloren. Ohne Obligatorium sind deshalb einerseits die bereits getätigten Investitionen und andererseits auch die wertvolle internationale Kooperation im Bereich der Arzneimittelsicherheit gefährdet. Der erneute Aufbau eines ähnlichen Systems wäre zudem aufwändig und könnte ohne internationale Harmonisierung nicht von der Industrie getragen werden.