Arzneimittelvergütung: Ansätze für eine gesamtheitliche Modernisierung der Preisfestsetzung
Die Versorgung mit innovativen Medikamenten ist in der Schweiz zunehmend gefährdet. Grund dafür sind veraltete Verfahren zur Preisfestsetzung und Vergütung. Markus Ziegler zeigt im Life Science Recht-Beitrag einen gesamtheitlichen Lösungsansatz auf.
Abstract
Das Preisfestsetzungs- und Vergütungsverfahren für neue Arzneimittel in der Schweiz stösst zunehmend an seine Grenzen. Trotz gesetzlicher Vorgabe von 60 Tagen dauert der Prozess bis zur Vergütung durchschnittlich über 180 Tage. Diese Verzögerung beeinträchtigt den zeitnahen Zugang zu innovativen Therapien, mindert die Versorgungsqualität des Gesundheitswesens und schwächt die Attraktivität des Forschungs- und Wirtschaftsstandorts Schweiz. Der Beitrag schlägt eine umfassende und integrale Reform vor, die vier Elemente vereint: eine provisorische Vergütung ab Swissmedic-Zulassung, die Optimierung des therapeutischen Vergleichs (TQV), eine strukturierte Nutzenbewertung sowie die Einführung von Kostenfolgemodellen. Diese Massnahmen sind als kohärentes Gesamtpaket konzipiert, das rasch und rechtskonform umsetzbar ist. Die Auswahl der Vergleichstherapie soll anhand klarer Kriterien durch ein unabhängiges Expertengremium erfolgen. Die Nutzenbewertung berücksichtigt medizinische, ökonomische und gesellschaftliche Aspekte und dient als Grundlage für die Preisbildung. Kostenfolgemodelle sichern die finanzielle Nachhaltigkeit und dürfen dabei Innovationsanreize nicht gefährden. Die Reform orientiert sich an internationalen Best Practices und zielt darauf ab, die Schweiz als attraktiven Markt für medizinische Innovationen zu erhalten.