Newsletter

Abonnieren Sie unseren Newsletter, um informiert zu bleiben.

Newsletter Overlay
Anrede
* Pflichtfelder
Policy
Info

Ansprechpartner

Placeholder

Georg Därendinger

Leiter Kommunikation

+41 79 590 98 77

23.07.2026

Beitrag von: Georg Därendinger

3 Fragen an Adrian Cuadra Leon, General Manager von UCB ALPS (Austria & Switzerland)

Sie beschäftigen sich beruflich unter anderem mit seltenen Krankheiten. Gerade in diesem Bereich ist der rasche Zugang zu innovativen Therapien extrem wichtig. Welche Rolle spielt Ihrer Meinung nach der Patientenzugang für die Attraktivität des Pharmastandorts Schweiz?

Die Schweiz hat sich durch wissenschaftliche Exzellenz, ein hoch entwickeltes Gesundheitssystem und eine Innovationskultur einen ausgezeichneten Ruf erworben. Doch das eigentliche Alleinstellungsmerkmal ist heutzutage nicht allein die Fähigkeit, neue Therapien zu entwickeln, sondern auch die Tatsache, dass Patientinnen und Patienten schnell und vorhersehbar davon profitieren können. Wenn innovative Arzneimittel effizient bei den Patientinnen und Patienten ankommen, stärkt das die Position der Schweiz als Land, in dem Innovation voll und ganz zur Geltung kommt. Das hat auch Einfluss auf wichtige Entscheidungen von Unternehmen: wo investiert werden soll, wo klinische Studien durchgeführt und wo neue Therapien über verschiedene Therapiebereiche hinweg skaliert werden sollen.

Wenn der Zugang hingegen langsamer oder weniger vorhersehbar wird, besteht die Gefahr, dass sich Innovation allmählich in Länder verlagert, die agiler sind. Im heutigen globalen Umfeld ist das kein theoretisches Risiko; Länder konkurrieren immer schärfer darum, für Forschung, Entwicklung und Produkteinführungen attraktiv zu sein.

Die Schweiz besitzt nach wie vor alle Stärken, um an der Spitze zu bleiben, aber um diese Führungsposition behaupten zu können, müssen der wissenschaftliche Fortschritt und die Rahmenbedingungen für den Zugang aufeinander abgestimmt werden, um sicherzustellen, dass Bewertungs-, Preisbildungs- und Erstattungsprozesse mit dem Tempo und der Komplexität moderner Innovationen mithalten können.

Der Patientenzugang ist Teil der Nachhaltigkeitsziele von UCB und ein entscheidender Faktor für die Attraktivität eines Landes als Pharma- und Innovationsstandort. Dabei geht es um mehr als die Leistungsfähigkeit des Gesundheitswesens, weil er widerspiegelt, wie effektiv ein System den wissenschaftlichen Fortschritt in konkrete Ergebnisse für Patientinnen und Patienten in allen Krankheitsbereichen – von weit verbreiteten bis hin zu seltenen Erkrankungen – umsetzen kann. Nicht alle Patientinnen, Patienten und Bevölkerungsgruppen leiden in gleicher Weise an Krankheiten oder geniessen den gleichen Zugang zu medizinischer Versorgung. Indem wir unser Verständnis der Patientinnen und Patienten durch umfangreichere Daten und Erkenntnisse kontinuierlich vertiefen, können wir unsere Forschung und Entwicklung bis hin zum Vertrieb von Arzneimitteln und die Versorgung mit Medikamenten besser steuern. So bemühen wir uns darum, Zugangsbarrieren wie z. B. mangelnde Bekanntheit, Verfügbarkeit, Bezahlbarkeit, Zugänglichkeit und Akzeptanz zu beseitigen, damit Patientinnen und Patienten, die von neuen Arzneimitteln profitieren könnten, auch Zugang zu diesen erhalten.

Sie waren in Ihrem Berufsleben in verschiedenen europäischen Märkten tätig. Für wie attraktiv halten Sie mit Ihrer internationalen Erfahrung den Standort Schweiz für innovative Pharmaunternehmen?

Als jemand, der in mehreren europäischen Märkten gearbeitet hat, kann ich sagen, dass die Schweiz ein attraktiver Standort für innovative Pharmaunternehmen bleibt, sich aber in einem immer dynamischeren und anspruchsvolleren globalen Umfeld zunehmend behaupten muss. Die Schweiz verfügt über eine eigene, unabhängige Zulassungsbehörde, was qualitativ hochwertige und wissenschaftlich fundierte Bewertungen der Medikamente ermöglicht. In Kombination mit einem starken und gut finanzierten Gesundheitssystem ist das eine sehr solide Grundlage für Innovationen.

Eine weitere wichtige Stärke ist die Qualität der Zusammenarbeit zwischen Stakeholdern, Industrie, Wissenschaft, Gesundheitsdienstleistern und Behörden. Dieser partnerschaftliche Geist war in der Vergangenheit ein wichtiger Faktor für Innovation und Vertrauen und gehört bis heute zu den entscheidenden Vorteilen der Schweiz. Gleichzeitig müssen wir wachsam bleiben, da die Schweiz in Bezug auf den Patientenzugang zu innovativen Therapien im internationalen Vergleich im Laufe der letzen Jahre Platzierungen eingebüsst hat. Das hängt häufig damit zusammen, dass das Schweizer System zwar gründlich ist, es dadurch aber auch zu einem verzögerten Zugang führen und bei der Definition geeigneter Patientenpopulationen bisweilen restriktiver sein kann.

In einem globalen Umfeld, in dem andere Länder zügig und ehrgeizig vorangehen, um Investitionen anzuziehen und den Zugang zu beschleunigen, wird dies zu einem entscheidenden Faktor.
Heutzutage kommt es bei der Wettbewerbsfähigkeit nicht allein auf wissenschaftliche Exzellenz an, sondern auch darauf, wie schnell die Patientinnen und Patienten in der Praxis von Innovationen profitieren können.
Die Schweiz ist nach wie vor gut aufgestellt, aber um ihre Attraktivität zu behaupten, muss sichergestellt werden, dass die Zusammenarbeit weiterhin im Mittelpunkt steht und das System sich weiterentwickelt, insbesondere was den zeitlichen Rahmen beim Zugang, die regulatorische Effizienz, die Anerkennung von Innovation und die Entscheidungsflexibilität betrifft.

Die Life-Sciences-Branche trägt massgeblich zum Wirtschaftswachstum in der Schweiz bei. UCB zum Beispiel hat seit 1996 über 750 Millionen Franken in seinen Standort Bulle (im Kanton Fribourg) investiert. Laut einer Studie, die 2024 von BAK Economics durchgeführt wurde, sind Life Sciences ein wichtiger Wirtschaftszweig in Fribourg. So erwirtschaftete die Life-Sciences-Branche 2023 eine Wertschöpfung von über 1,5 Milliarden Franken und ist damit die produktivste Branche des Kantons. Im Oktober 2025 hat UCB angekündigt, am Standort Bulle weitere Investitionen von über 100 Millionen Franken für eine neue Produktionsanlage für chemische Wirkstoffe zu tätigen. Bis 2029/2030 will UCB zusätzlich zu den bereits über 800 Mitarbeitenden rund 80 neue Arbeitsplätze in der Schweiz schaffen. Das Beispiel von UCB belegt die Attraktivität der Schweiz für Innovation und Investitionen. Um diese Dynamik aufrechtzuerhalten, bedarf es jedoch einer Politik, die mit der Wissenschaft und dem globalen Wettbewerb Schritt halten kann.

Es besteht die Gefahr, dass die Schweiz zunehmend an Schwung verliert, wenn sie sich nicht im selben Tempo anpasst wie die globale Innovationslandschaft. Andere Länder ergreifen bereits ambitionierte Massnahmen, um Innovationen nicht nur als Kostenfaktor, sondern als wesentlichen Faktor für Gesundheitsergebnisse und die Nachhaltigkeit des Gesundheitssystems zu werten.
Für die Schweiz ist es dringend notwendig, unsere Rahmenbedingungen weiterzuentwickeln, damit Innovationen nicht nur danach beurteilt werden, wie sie sich auf das Budget auswirken, sondern auch danach, welchen Nutzen sie den Patientinnen und Patienten, der Gesellschaft und dem Gesundheitssystem bieten. Mit mutigen Entscheidungen hat die Schweiz die Chance, ihre Position als globalen Benchmark zu festigen, indem sie wissenschaftliche Exzellenz mit einem klaren Bekenntnis zu einem sinnvollen Nutzen für Patientinnen und Patienten verbindet.

Die Entwicklung neuer Therapien, insbesondere in Bereichen wie der Neurologie und seltenen Erkrankungen, erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren. Welche Rolle spielt die Politik bei dieser Zusammenarbeit und wie wollen Sie diese als Mitglied von Interpharma weiter stärken?

Innovationen in Bereichen wie Neurologie, Immunologie und seltenen Krankheiten sind naturgemäss hochkomplex. Sie erfordern eine enge Abstimmung zwischen den verschiedenen Akteuren: Industrie, Wissenschaft, medizinische Fachkräfte, Aufsichtsbehörden, Kostenträger und Menschen, die mit diesen Erkrankungen leben. Die Politik spielt eine entscheidende Rolle für das reibungslose Funktionieren dieses Ökosystems.

Sie kann mehr als nur regulieren, sondern auch die Voraussetzungen für Vertrauen, Zusammenarbeit und Tempo schaffen. Sie bestimmt, wie wir Evidenz generieren, Daten nutzen, forschen und letztendlich auch, wie schnell Patientinnen und Patienten von Innovationen profitieren können. In diesem Sinne ist die Politik ein strategischer Wegbereiter für den Fortschritt.

Die Schweiz besitzt in dieser Hinsicht ein starkes Fundament. Es gibt eine lange Tradition des konstruktiven Dialogs und der Partnerschaft zwischen den verschiedenen Akteuren, die qualitativ hochwertige Forschung und Innovation begünstigt hat. Doch da sich die Wissenschaft weiterentwickelt und zunehmend personalisiert, datenbasiert und komplex wird, müssen sich auch die politischen Rahmenbedingungen weiterentwickeln.

Mit Blick auf die Zukunft gibt es drei Bereiche, in denen die Politik die Zusammenarbeit weiter stärken kann:

Als Interpharma-Mitglied sehe ich unsere Rolle in dieser Entwicklung als die eines aktiven, verantwortungsvollen Partners. Das bedeutet, einen offenen, lösungsorientierten Dialog zu führen, Evidenz ebenso einzubringen wie eine internationale Perspektive und auf das gemeinsame Ziel hinzuarbeiten, die Schweiz zu einem Ort zu machen, an dem Innovationen nicht nur entwickelt, sondern effektiv in bessere Ergebnisse für die Menschen umgesetzt werden.

Wir bei UCB setzen uns dafür ein, dass Innovationen die Menschen erreichen, die sie am dringendsten benötigen. Im Rahmen der engen Zusammenarbeit mit Behörden, Gesundheitsdienstleistern, Patientenorganisationen und Kostenträgern arbeiten wir tagtäglich daran, den Zugang zu innovativen Medikamenten zu beschleunigen und zu einem nachhaltigen Gesundheitssystem beizutragen. Dieses Engagement spiegelt unsere grundsätzliche Überzeugung wider, dass wissenschaftliche Innovation erst dann ihren vollen Nutzen entfaltet, wenn sie zu besseren Ergebnissen für die Menschen führt.

Kurzum: Wenn wir einer gemeinsamen Vision folgen, wird die Schweiz ihre führende Rolle weiter behaupten können, nicht allein durch wissenschaftliche Exzellenz, sondern auch durch ihr Talent, zusammenzuarbeiten, sich anzupassen und den Patientinnen und Patienten und der Gesellschaft einen sinnvollen Nutzen zu bieten.

Ansprechpartner

Placeholder

Georg Därendinger

Leiter Kommunikation