Blogserie Bedeutungsstudie – Teil 3: Wachstumsmotor Pharmaindustrie
Die Pharmaindustrie war im letzten Jahrzehnt der wichtigste Wachstumsmotor der Schweizer Wirtschaft. Gleichzeitig trägt die Pharmaindustrie als einziger Akteur im Gesundheitswesen systematisch zu regelmässigen Einsparungen von über 1.2 Milliarden Franken seit 2012 bei.
Solides Wachstum
Die Pharmaindustrie war im letzten Jahrzehnt der wichtigste Wachstumsmotor der Schweizer Wirtschaft. Im Zeitraum 2010 bis 2020 war die Pharmabranche im Jahresdurchschnitt für 0.58 Prozentpunkte des Schweizer Wirtschaftswachstums (1.51% pro Jahr) verantwortlich, d.h. rund 38% des Wirtschaftswachstums gingen auf das Konto der Pharmaindustrie. Damit war die Branche auch die Industriebranche, die mit Abstand am meisten zum Wachstum beitragen konnte. Den zweitgrössten Beitrag zum BIP-Wachstum steuerte der Finanzsektor mit rund 0.28 Prozentpunkten bei. An dritter Stelle folgt der Handel (Gross- und Detailhandel, Garagengewerbe) mit +0.24 Prozentpunkten. Zwar kommen Finanzsektor und Handel gemeinsam auf einen Anteil von 25% der Gesamtwirtschaft und sind damit gemessen an der Wirtschaftsleistung gemeinsam mehr als viermal so gross wie die Pharmaindustrie. Und dennoch war ihr gemeinsamer Beitrag zum BIP-Wachstum nicht so hoch wie derjenige der Pharmaindustrie. Das zeigt, wie ausserordentlich die Performance der Pharmaindustrie war und wie wichtig sie als Wachstumslokomotive der Schweizer Volkswirtschaft ist.

(Quelle: BAK Economics, BFS)
Lesehilfe: Die Grösse der Blasen zeigt an, wie stark einzelne Branchen zum Wachstum der gesamten Schweizer Wirtschaft beigetragen haben. Der Wachstumsbeitrag ergibt sich aus der Kombination der Grösse einer Branche (Anteil an der Gesamtwirtschaft) im Ausgangszeitpunkt und ihrem Wachstum. Zur aktuellen Einordnung ist in der Darstellung auf der horizontalen Achse der aktuelle Anteil an der Wirtschaft abgetragen (und nicht der im Ausgangszeitpunkt, welcher der Berechnung des Wachstumsbeitrags zugrunde liegt).
Auch international Spitze
In Bezug auf das Wertschöpfungswachstum liegt die Schweizer Pharmaindustrie auch im internationalen Vergleich in der Spitzengruppe, bestehend aus Indien, China, Dänemark, Irland und der Schweiz. Diese Länder konnten allesamt zwischen 2009 und 2019 ein reales Wertschöpfungswachstum der Pharmaindustrie von über 10% pro Jahr erreichen. In den anderen europäischen Ländern war die Wachstumsdynamik wesentlich geringer. In den USA und im Vereinigten Königreich ging die reale Wirtschaftsleistung der Pharmaindustrie im Zeitraum 2009 bis 2019 sogar zurück.

(Quelle: BAK Economics)
Starker Preisdruck zeigt sich in rückläufigem Branchendeflator
Seit 2010 konnte das nominale, wertmässige Wertschöpfungswachstum der Pharmaindustrie nicht mit der realen Entwicklung Schritt halten. Zwischen 2010 und 2020 fiel das nominale Wachstum mit durchschnittlich 4.5% pro Jahr deutlich weniger stark aus als der reale Wertschöpfungsanstieg (+10.7% p.a.). Der Hauptgrund hierfür ist der hohe Kostendruck im Gesundheitssystem, der intensive globale Wettbewerb sowie die Margenverluste aufgrund der Frankenstärke im letzten Jahrzehnt. Der Wertschöpfungsdeflator wies in der Pharmaindustrie seit 2010 im Durchschnitt einen jährlichen Rückgang um 6.2% auf:

(Quelle: BAK Economics, BFS)
Lesehilfe: Die Abbildung zeigt, wie das Wachstum der nominalen Bruttowertschöpfung (breite Säule) aus der Kombination (gestapelte Säulen) der Veränderung von realer Wertschöpfung und Preisen (Deflator) zustande gekommen ist. Zwischen 2010 und 2020 stieg die reale Wertschöpfung um 10.7% pro Jahr, der Deflator sank jährlich um 6.1% pro Jahr. Im Ergebnis (+10.7%+(-6.2%) = 4.5%) kam es zu einer durchschnittlichen Steigerung der nominalen Bruttowertschöpfung um 4.5% pro Jahr.
Eine Erklärung für den Rückgang ist, dass die Medikamentenpreise in der Schweiz in den vergangenen 10 Jahren im Durchschnitt durch die Preisüberprüfungen des BAG gesunken sind. So senkte das BAG im Jahr 2021 die Preise von mehr als 300 Arzneimitteln um durchschnittlich -10%.
Diese dreijährlichen Preisüberprüfungen des BAG bringen damit jährlich wiederkehrende Einsparungen von ca. 1.2 Milliarden Franken seit 2012. Der Preisindex für Medikamente des Bundesamtes für Statistik mittlerweile 40% tiefer als bei der Einführung des Krankenversicherungsgesetzes 1996.
Während die Schweizer Pharmaindustrie im letzten Jahrzehnt also ein absolut überdurchschnittliches wirtschaftliches Wachstum ausweisen kann, sind die Medikamentenpreise in der Relation zur Entwicklung der Gesundheitskosten seit 2010 unterdurchschnittlich gewachsen, obwohl viele innovative Medikamente auf den Markt gekommen sind. Die Pharmaindustrie trägt damit als einzige Akteurin im Gesundheitswesen systematisch zu regelmässigen und umfangreichen Einsparungen bei.
Dieser Beitrag ist Teil einer mehrteiligen Blogserie über die volkswirtschaftliche Bedeutung der Pharmaindustrie für die Schweizer Wirtschaft. Erfahren Sie mehr dazu in der Studie von BAK Economics.