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Globaler Standortwettbewerb

Internationale Pharmaunternehmen investieren zunehmend anderswo. Was bedeutet es für eine einzelne Schweizer Region, wenn eine Pharma-Grossinvestition ausbleibt?

12%

beträgt der Anteil der seit 2022 in Europa angekündigten Pharma-Investitionen, die auf die Schweiz entfallen. Zum Vergleich: 2016–2021 waren es noch 29 Prozent.

Quelle:

BAK Economics, Juli 2026

Das Wichtigste in Kürze

Seit 2022 ist der Anteil der Schweiz an den in Europa angekündigten Pharma-Investitionen von 29 auf 12 Prozent gesunken.

Eine typisierte Grossinvestition von 1.5 Milliarden Franken in eine Pharma-Produktionsstätte zeigt, was einer Region entgehen kann: 829 Millionen Franken regionales Auftrags-volumen bereits während der Bauphase.

Nach einer typisierten Inbetriebnahme entstehen über mehrere Jahrzehnte jährlich rund 627 Millionen Franken Wertschöpfung und 1569 Vollzeitstellen in einer Region.

Eine einzelne Ansiedlung einer Pharma-Produktionsstätte dieser Grössenordnung hebt das BIP der Standortregion um 0.3 Prozentpunkte pro Jahr bis 2040.

Die Schweiz verliert an Boden

Die Schweiz zählt seit Jahrzehnten zu den weltweit führenden Pharma- und Biotech-Standorten. Doch international rücken die USA und China zunehmend in den Fokus globaler Investitionsentscheide. Eine im Rahmen der Studie durchgeführte KI-gestützte Auswertung der publizierten Investitionsankündigungen von 72 international tätigen Pharma- und Biotechunternehmen zeigt: Auch innerhalb Europas verlagert sich die Dynamik bereits von der Schweiz weg.

Zwischen 2016 und 2021 entfielen noch 29 Prozent der in Europa angekündigten Pharma-Investitionen auf die Schweiz. Seit 2022 sind es nur noch 12 Prozent.

Wachstum der angekündigten Investitionen

+0%

Schweiz

+0%

Übriges Europa

+0%

USA

+0%

China

Wer zieht an der Schweiz vorbei?

Die Schweiz hat in den letzten Jahren an Boden verloren, aber gegenüber wem und woran liegt das?

Investitionskompass

Europa

Schweiz

Investitionsvolumen seit 2022, in Mrd. USD

Dänemark

10.6

Deutschland

8.2

Schweiz

4.3

Irland

3.8

Frankreich

3.8

Anteil der Schweiz an Investitionen in Europa

Anteil am Investitionsvolumen

2016-2021

29%

x

ab 2022

12%

Anteil an allen Projekten

2016-2021

15%

x

ab 2022

18%

Weniger Volumen, aber nicht viel weniger Projekte: Der Schweiz entgehen vor allem die grössten Einzelinvestitionen.

Was ausbleibende Investitionen für eine Region bedeuten

Ausbleibende Investitionen sind aus Sicht der Standorte entgangene Chancen. Wie stark eine Region von einer einzelnen Pharma-Grossinvestition profitieren kann, lässt sich mit blossen Anteilswerten jedoch nicht zeigen. BAK Economics hat deshalb ein realitätsnahes Referenzszenario modelliert und dessen regionalwirtschaftliche Effekte mit dem eigenen Wirkungsmodell quantifiziert.

Das Szenario: der Neubau einer modernen Anlage zur Herstellung biologischer Wirkstoffe, mit einem Investitionsvolumen von 1.5 Milliarden Franken, angesiedelt in einer ländlich geprägten Region eines mittelgrossen Kantons. Diese Modellrechnung ist unabhängig von der oben gezeigten Auswertung der Investitionsankündigungen: Sie beruht nicht auf einem konkreten, identifizierten Projekt, sondern auf einer Szenarioanalyse.

Investitionsvolumen

Bauzeit

Mitarbeitende nach Inbetriebnahme (550 Vollzeitstellen)

Es handelt sich um eine Szenarioanalyse eines reinen Produktionsstandorts für biologische Wirkstoffe, ohne Forschungs-, Hauptsitz- oder Vertriebsfunktionen. Gerade an einem eher peripheren Standort entfalten Investitionen dieser Grössenordnung eine regionalwirtschaftliche Wirkung, die weit über das investierende Unternehmen hinausreicht.

Vom Spatenstich zum laufenden Betrieb

Eine Pharma-Grossinvestition wirkt in zwei Phasen: ein einmaliger, aber kräftiger Impuls während der Bauzeit, gefolgt von einem kleineren, dafür dauerhaften Effekt im laufenden Betrieb. Der Wirkungsrechner zeigt beide Phasen und macht sichtbar, wie aus der Investition regionale Aufträge, Wertschöpfung und Arbeitsplätze entstehen.

Wirkungsrechner

Bauphase (einmalig)

Betrieb (jährlich)

Investition

CHF 1.5 Mrd.

Regionale Aufträge

CHF 829 Mio.

Wertschöpfung

CHF 574 Mio.

Arbeitsplätze

714 Vollzeitstellen

Regionaler Wachstumsimpuls: 4.4%

Wertschöpfung

Direkt am Standort

CHF 468 Mio.

x1.34

Region gesamt

CHF 628 Mio.

Arbeitsplätze

Direkt am Standort

550 Vollzeitstellen

x2.85

Region gesamt

1569 Vollzeitstellen

Einkommen

Direkt am Standort

CHF 66 Mio.

x2.54

Region gesamt

CHF 168 Mio.

Anteil an regionaler Wertschöpfung: 4.8%

Anteil an regionaler Beschäftigung: 2.0%

Verschiedene Branchen profitieren

Während der Bauphase profitiert das regionale Baugewerbe am stärksten – Erschliessung, Rohbau und Gebäudehülle werden überwiegend regional vergeben. Im laufenden Betrieb verschiebt sich das Bild: Facility Management, regulatorische Beratung, IT- und Engineering-Support sowie die laufende Beschaffung von Verbrauchsmaterialien prägen die Wirkung auf andere regionale Unternehmen.

Top 3 der Branchen, in denen Wertschöpfung ankommt

Bauphase

Betrieb

Bau- und Immobilienwesen

CHF 305 Mio.

421 Vollzeitstellen

Business Services

CHF 159 Mio.

163 Vollzeitstellen

Industrie

CHF 69 Mio.

86 Vollzeitstellen

Bau- und Immobilienwesen

CHF 25 Mio.

182 Vollzeitstellen

Business Services

CHF 55 Mio.

389 Vollzeitstellen

Industrie

CHF 49 Mio.

244 Vollzeitstellen

Die Rahmenbedingungen im Auge behalten

Für die Wirtschaftspolitik ergibt sich daraus in erster Linie ein Auftrag zur Wachsamkeit gegenüber jenen Rahmenbedingungen, die über Standortentscheide mitbestimmen und beeinflussbar sind. Die Schweiz bleibt im internationalen Vergleich ein Spitzenstandort für die Pharmaindustrie. Diese Spitzenposition ist jedoch nicht mehr in allen Teilbereichen unangefochten.

Methodische Hinweise

Die ausgewiesenen Grössenordnungen sind als plausible, methodisch nachvollziehbare Schätzungen zu verstehen, nicht als punktgenaue Prognosen für ein konkretes Projekt. Das Szenario bildet einen typisierten, an realen Referenzprojekten orientierten Fall ab, nicht einen konkreten Standort oder ein konkretes Unternehmen.

Auch die weiter oben gezeigte Auswertung der Investitionsankündigungen (Abschnitte «Die Schweiz verliert an Boden» und «Investitionskompass») hat Limitationen: Sie beruht auf einer KI-gestützten Auswertung publizierter Ankündigungen, nicht auf tatsächlich realisierten Investitionen. Realisierungsquoten liegen erfahrungsgemäss bei 60 bis 80 Prozent. Zudem ist ein Media-Release-Bias möglich: Grosse Projekte könnten in den Medienmitteilungen überrepräsentiert, Investitionen chinesischer Unternehmen tendenziell unterrepräsentiert sein. Diese KI-Auswertung und die Szenarioanalyse zur regionalwirtschaftlichen Wirkung sind methodisch voneinander unabhängig.

Häufige Fragen

Wie hoch ist der Anteil der Schweiz an den Pharma-Investitionen in Europa?

Zwischen 2016 und 2021 entfielen 29 Prozent der in Europa angekündigten Pharma-Investitionen auf die Schweiz. Seit 2022 sind es noch 12 Prozent.

Warum verlagert sich die Investitionsdynamik von der Schweiz weg?

International rücken vor allem die USA und China in den Fokus globaler Pharma-Investitionsentscheide. Die USA aufgrund technologischer und politischer Entwicklungen, China aufgrund regulatorischer Reformen. Innerhalb Europas gewinnt gleichzeitig das übrige Umfeld an Dynamik, während die Schweiz weitgehend stillsteht.

Was zeigt die Szenarioanalyse von BAK Economics?

Die Studie modelliert ein realitätsnahes Referenzszenario: eine Investition von 1.5 Milliarden Franken in einen Produktionsstandort für biologische Wirkstoffe in einer ländlichen Schweizer Region. Sie macht sichtbar, welche Wertschöpfungs-, Beschäftigungs- und Einkommenseffekte einer Region entgehen können, wenn eine solche Investition nicht in der Schweiz realisiert wird.

Wie viele Arbeitsplätze schafft eine Pharma-Grossinvestition in einer Region?

Im Referenzszenario entstehen während der Bauphase durchschnittlich 714 Vollzeitstellen pro Jahr. Nach Inbetriebnahme sind es dauerhaft 1569 Vollzeitstellen pro Jahr, davon 550 direkt am Standort und die übrigen bei regionalen Zulieferern und Dienstleistern.

Wie ordnet Interpharma die sinkenden Investitionsvolumen politisch ein?

Interpharma fordert die Politik dazu auf, die Rahmenbedingungen, die Standortentscheide mitbestimmen, im Blick zu halten. Eine sinkende Standortattraktivität führt nicht automatisch zur Abwanderung bestehender Unternehmen, verringert aber das künftige Wachstumspotenzial der Branche und damit auch die Chancen der Regionen, die davon profitieren.

BAK Studie Titelbild

Globaler Standortwettbewerb

Regionalwirtschaftliche Wirkung von Investitionen internationaler Pharmaunternehmen in der Schweiz.

BAK Economics im Auftrag von Interpharma

Juli 2026 | PDF

Quelle:

BAK Economics, Juli 2026