Die Bevölkerung ist bereit, mehr für innovative Medikamente zu bezahlen.
Für einen breiteren und rascheren Zugang zu innovativen Medikamenten würden Schweizerinnen und Schweizer höhere Prämien akzeptieren. Eine weitere Verschlechterung des Zugangs lehnt die Bevölkerung deutlich ab.
33 Franken
pro Monat beträgt die Zahlungsbereitschaft für einen breiteren Zugang zu innovativen Medikamenten.
Das Wichtigste in Kürze
Monatlich 33 Franken mehr würden die Befragten bezahlen, um Zugang zu gleich vielen innovativen Medikamenten wie in Deutschland zu erhalten (Swiss Economics, 2026). Aktuell sind in der Schweiz nur rund die Hälfte der neuen, innovativen Medikamente im Vergleich zu Deutschland verfügbar.
Verschlechterungen werden deutlich stärker gewichtet als Verbesserungen. Für eine Verschlechterung der Verfügbarkeit innovativer Medikamente erwarten die Befragten eine 1.7-mal höhere Entschädigung, als sie für eine entsprechende Verbesserung zu zahlen bereit wären (Swiss Economics, 2026).
219 Tage vergehen im Schnitt zwischen der Zulassung und der Kostenübernahme durch die Krankenkassen für ein innovatives Medikament (Swissmedic, Spezialitätenliste [SL], Gesuche mit Vorbescheid zur Gutheissung von Swissmedic; Berechnungen von Interpharma, 2025). Damit wird die gesetzlich vorgesehene Frist von 60 Tagen deutlich überschritten (Art. 31b KLV).
Nur noch 50% aller verfügbaren neuen, innovativen Arzneimittel werden heute regulär von den Schweizer Krankenkassen über die Grundversicherung vergütet. 2018 waren es noch 64% (IQVIA, 2026).
*Die Franchise ist der Fixbeitrag, der pro Jahr an die Behandlungskosten gezahlt werden muss. Der Betrag muss mindestens 300 Franken betragen und kann auf bis zu 2’500 Franken erhöht werden.
Unterschiede in der Bevölkerung
Die Zahlungsbereitschaft für einen breiten und raschen Zugang zu innovativen Medikamenten fällt in allen untersuchten Bevölkerungsgruppen signifikant positiv aus.
Franchise*
Personen, die heute die tiefste Mindestfranchise von 300 Franken wählen, zeigen die höchste Zahlungsbereitschaft: 46 Franken pro Monat für eine erweiterte Verfügbarkeit.
Bildung
Befragte ohne Hochschulabschluss zeigen mit 43 Franken pro Monat eine höhere Zahlungsbereitschaft für eine Ausweitung der Verfügbarkeit innovativer Arzneimittel als Befragte mit einem Hochschulabschluss (26 Franken pro Monat).
Sprachregion
Nach Sprachregion zeigen sich keine wesentlichen Unterschiede in der Zahlungsbereitschaft für innovative Medikamente.
Alter
Für einen sofortigen Zugang zu innovativen Medikamenten weisen die 60- bis 79-Jährigen mit 30 Franken pro Monat die höchste Zahlungsbereitschaft auf. Bei den 18- bis 59-Jährigen liegt die Zahlungsbereitschaft für einen sofortigen Zugang bei 14 bis 15 Franken pro Monat.
Wie wurde gemessen?
Swiss Economics hat untersucht, wie viel den Schweizer Versicherten ein rascher und breiter Zugang zu innovativen Medikamenten wert ist. Dazu wurden 1’318 Personen aus der ganzen Schweiz befragt. Die Teilnehmenden mussten wiederholt zwischen verschiedenen Versicherungsmodellen wählen, die sich beim Zugang zu innovativen Medikamenten, der Zeit bis zur Vergütung über die Grundversicherung sowie der Höhe der Krankenkassenprämien unterschieden. Aus diesen Entscheidungen wurde berechnet, welchen finanziellen Wert die Bevölkerung einem raschen und breiten Zugang zu innovativen Medikamenten beimisst.
Wie würden Sie sich entscheiden?
Testen Sie selbst eine Entscheidungssituation aus der Befragung, so wie sie den Teilnehmenden vorgelegt wurde.
Ihre heutige Grundversicherung |
Option A |
Option B |
|
|---|---|---|---|
|
Verfügbarkeit Anteil der von der Grundversicherung übernommenen innovativen Arzneimittel |
50% |
90% |
30% |
|
Verzögerung zwischen Zulassung eines innovativen Arzneimittels und der regulären Vergütung durch die Grundversicherung |
7 Monate |
0 Monate |
24 Monate |
|
Mindestfranchise Mindestwert der jährlichen Franchise in der Grundversicherung |
CHF 300 |
CHF 400 |
CHF 600 |
|
Prämienänderung Veränderung Ihrer monatlichen Prämie im Vergleich zum Status quo |
CHF 0 (keine Veränderung) |
CHF +40 |
CHF -40 |
|
Ich wähle → |
Status quo | Option A | Option B |
Sie bleiben beim Status quo.
Der Status quo entspricht der heutigen Grundversicherung. Die Ergebnisse zeigen, dass alternative Versicherungsmodelle nicht automatisch bevorzugt werden. Verbesserungen beim Zugang zu innovativen Medikamenten werden von den Befragten gegen die damit verbundenen Kosten abgewogen.
Sie entscheiden sich für einen raschen und breiten Zugang.
Mit Option A würden 90% statt 50% der innovativen Medikamente über die Grundversicherung vergütet. Zudem wären neue Medikamente sofort und nicht erst nach mehreren Monaten zugänglich. Dafür würden Sie 40 Franken mehr pro Monat bezahlen und eine etwas höhere Mindestfranchise in Kauf nehmen.
Sie bevorzugen tiefere Prämien.
Mit Option B bezahlen Sie 40 Franken weniger pro Monat. Gleichzeitig hätten Patientinnen und Patienten nur noch Zugang zu 30% statt 50% der innovativen Medikamente und die Wartezeit bis zum Vergütungsentscheid würde auf 24 Monate steigen. Zudem erhöht sich die Mindestfranchise auf 600 Franken.
Vereinfachte, einmalige Entscheidungssituation gemäss der durchgeführten Umfrage. Ihre Auswahl wird nicht erhoben oder gespeichert. Quelle: Swiss Economics
Die Beträge in den Alltag übersetzt
Was bedeuten «Franken pro Monat» im Alltag? Ein Vergleich mit einigen Cappuccini macht die Beträge anschaulich.
In Cappuccini gerechnet
Rund sechs Cappuccini pro Monat
Rund 73 Cappuccini pro Jahr
Erweiterte Verfügbarkeit heisst: Der Anteil der von der Grundversicherung vergüteten innovativen Arzneimittel steigt von heute 50% auf 90%. Die Wartezeit bis zur Vergütung bleibt unverändert.
So viel ist den Versicherten die erweiterte Verfügbarkeit wert: 33 Franken pro Monat, das entspricht rund sechs Cappuccini.
So viel ist den Versicherten die erweiterte Verfügbarkeit wert: 394 Franken pro Jahr, das entspricht rund 73 Cappuccini.
Quelle: durchschnittlicher Cappuccino-Preis von 5.37 Franken (CafetierSuisse, 2025), Zahlungsbereitschaften (Swiss Economics, 2026).
Rund drei Cappuccini pro Monat
Rund 39 Cappuccini pro Jahr
Sofortiger Zugang heisst: Innovative Arzneimittel werden sofort ab der Zulassung von der Krankenkasse vergütet, statt nach der heutigen Wartezeit von rund sieben Monaten. Die Anzahl der bezahlten innovativen Medikamente durch die Krankenkasse bleibt unverändert.
So viel ist den Versicherten die sofortige Vergütung wert: 17 Franken pro Monat, das entspricht rund drei Cappuccini.
So viel ist den Versicherten die sofortige Vergütung wert: 209 Franken pro Jahr, das entspricht rund 39 Cappuccini.
Quelle: durchschnittlicher Cappuccino-Preis von 5.37 Franken (CafetierSuisse, 2025), Zahlungsbereitschaften (Swiss Economics, 2026).
Rund neun Cappuccini pro Monat
Rund 112 Cappuccini pro Jahr
Vollzugang heisst: 90% der innovativen Arzneimittel werden von der Grundversicherung vergütet, und zwar sofort ab Zulassung.
So viel ist den Versicherten der Vollzugang wert: 50 Franken pro Monat, das entspricht rund neun Cappuccini.
So viel ist den Versicherten der Vollzugang wert: 600 Franken pro Jahr, das entspricht rund 112 Cappuccini.
Quelle: durchschnittlicher Cappuccino-Preis von 5.37 Franken (CafetierSuisse, 2025), Zahlungsbereitschaften (Swiss Economics, 2026).
Rund 23 Cappuccini pro Monat
Rund 273 Cappuccini pro Jahr
Verschlechterung heisst: Nur noch 30% der innovativen Arzneimittel werden von der Grundversicherung vergütet, mit einer Wartezeit von 24 Monaten.
So viel Prämiensenkung fordern die Versicherten als Ausgleich, falls sich der Zugang weiter verschlechtert: 122 Franken pro Monat, das entspricht rund 23 Cappuccini.
So viel Prämiensenkung fordern die Versicherten als Ausgleich, falls sich der Zugang weiter verschlechtert: 1'464 Franken pro Jahr, das entspricht rund 273 Cappuccini.
Quelle: durchschnittlicher Cappuccino-Preis von 5.37 Franken (CafetierSuisse, 2025), Zahlungsbereitschaften (Swiss Economics, 2026).
Die aktuelle Entwicklung läuft den Erwartungen der Bevölkerung entgegen
Der Anteil der regulär vergüteten neuen, innovativen Arzneimittel ist seit 2018 von 64% auf 50% zurückgegangen (IQVIA, 2026). Gleichzeitig dauert es heute im Durchschnitt 219 Tage* von der Zulassung durch Swissmedic bis zur Vergütung durch die Krankenkasse. Gesetzlich vorgesehen sind 60 Tage (Art. 31b KLV).
Diese Entwicklung verläuft in eine Richtung, die von der Schweizer Bevölkerung gemäss dieser Studie am stärksten abgelehnt wird.
* Quellen: Swissmedic, Spezialitätenliste [SL], Gesuche mit Vorbescheid zur Gutheissung von Swissmedic; Berechnungen von Interpharma, 2025.
Häufige Fragen
Was ist ein Discrete-Choice-Experiment?
Ein Discrete-Choice-Experiment ist eine wissenschaftliche Befragungsmethode, bei der Teilnehmende wiederholt zwischen realistischen Alternativen wählen. Aus diesen Entscheidungen lässt sich errechnen, welchen monetären Wert die Befragten einzelnen Merkmalen beimessen, hier dem Zugang zu innovativen Arzneimitteln.
Wie hoch ist die Zahlungsbereitschaft der Schweizer Bevölkerung für einen besseren Zugang zu innovativen Medikamenten?
Für eine breitere Verfügbarkeit innovativer Arzneimittel, also 90% statt 50% regulär vergütete Arzneimittel durch die Krankenkasse, sind die Befragten im Durchschnitt bereit, 33 Franken pro Monat mehr an Krankenkassenprämien zu bezahlen. Für einen Vollzugang, der zusätzlich die sofortige Vergütung nach der Zulassung von Swissmedic umfasst, sind es rund 50 Franken pro Monat.
Wie lange dauert es heute, bis ein neu zugelassenes Arzneimittel vergütet wird?
Im Jahr 2025 lag die durchschnittliche Wartezeit zwischen der Zulassung durch Swissmedic und der Aufnahme in die Spezialitätenliste bei 219 Tagen (SL/Swissmedic; Berechnungen Interpharma, 2026). Die gesetzlich vorgesehene Frist beträgt 60 Tage (Art. 31b KLV).
Warum ist der Zugang zu innovativen Arzneimitteln in der Schweiz eingeschränkt?
Verzögerungen entstehen vor allem bei den Preisverhandlungen zwischen dem Bundesamt für Gesundheit und den Herstellern. Zudem sind heute nur rund 50 Prozent der zwischen 2021 und 2024 von der EMA zugelassenen innovativen Arzneimittel in der Schweiz regulär über die Grundversicherung verfügbar, 2018 waren es noch 64 Prozent (IQVIA, 2026).
Wie unterscheidet sich der Zugang zwischen der Schweiz und Deutschland?
In Deutschland werden neue, innovative Arzneimittel unmittelbar nach der Zulassung zu einem vom Hersteller festgelegten Preis vergütet, während die Preisregulierung erst nachträglich erfolgt. Rund 90% der zwischen 2021 und 2024 zugelassenen neuen, innovativen Arzneimittel sind dort regulär verfügbar, deutlich mehr als in der Schweiz (IQVIA, 2026).
Wer hat die Studie durchgeführt und wie repräsentativ ist sie?
Die Studie wurde von Swiss Economics im Auftrag von Interpharma durchgeführt. Sie basiert auf einer Befragung von 1’318 Personen in der Schweiz im Juli 2026, die in den zentralen Merkmalen Alter, Geschlecht, Prämienniveau und Einkommen der Schweizer Wohnbevölkerung entspricht.
Zahlungsbereitschaft für den Zugang zu innovativen Arzneimitteln
Was ist der Bevölkerung ein breiter und rascher Zugang zu innovativen Arzneimitteln wert? Diese Studie liefert erstmals repräsentative Zahlen für die Schweiz.
Swiss Economics im Auftrag von Interpharma, September 2026 | PDF, 56 Seiten.