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NEUE ARZNEIMITTEL FÜR DIE SCHWEIZ

40 neue Wirkstoffe hat Swissmedic 2025 zugelassen, dazu 109 Indikationserweiterungen* für bereits bekannte Medikamente. Der Innovationsreport zeigt, wo die Schweizer Pharmaforschung heute steht und was das für Patientinnen und Patienten bedeutet.

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der 40 neuen Wirkstoffe, welche in der Schweiz 2025 von Swissmedic zugelassen wurden, sind Krebsmedikamente.

*Indikationserweiterung: Eine Indikationserweiterung ist eine Ausdehnung des Anwendungsgebiets eines Arzneimittels, d.h. das Arzneimittel wird von den Arzneimittelbehörden für die Behandlung weiterer Erkrankungen zugelassen. Ein prominentes Beispiel hierfür sind die GLP-1-Rezeptoragonisten (wie Semaglutid): Ursprünglich exklusiv für die Regulierung von Typ-2-Diabetes zugelassen, erhielten sie nach dem Nachweis einer bedeutenden Gewichtsreduktion in klinischen Studien die offizielle Zulassungserweiterung für die Therapie von starkem Übergewicht (Adipositas).

Das Wichtigste in Kürze

Swissmedic hat im Jahr 2025 insgesamt 40 neue Wirkstoffe zugelassen. Davon sind elf, also mehr als ein Viertel, Krebsmedikamente.

Zusätzlich zu den Neuzulassungen gab es 109 Indikationserweiterungen. Damit werden bewährte Medikamente für mehr Patientinnen und Patienten oder neue Anwendungsgebiete zugelassen.

23 der 40 neuen Wirkstoffe richten sich gegen eine seltene Krankheit. Für viele Betroffene ist es die erste wirksame Behandlung überhaupt.

Nur bei 4% der neuen Medikamente wurde die gesetzliche 60-Tage-Frist für den Vergütungsentscheid eingehalten. Im Median dauert es 219 Tage, bis ein Medikament bei den Menschen ankommt*.

*Berechnungen von Interpharma (2025) mit Datenbasis:
BAG, Spezialitätenliste (2025); Swissmedic Journals (2025);
Swissmedic (2025).

Der lange Weg von der Idee zur Therapie

Damit neue Medikamente entstehen, investiert die Pharmaindustrie kontinuierlich in Forschung und Entwicklung. Von der ersten Idee bis zur Marktreife vergehen im Schnitt zwölf Jahre und nur eine von über einer Million untersuchten Substanzen schafft es überhaupt bis zur Zulassung. Wer eine Zulassung erreicht, hat einen der forschungsintensivsten Prozesse der Wirtschaft durchlaufen: 2023 investierte die Pharmaindustrie im Schnitt 18.3% ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung*, deutlich mehr als andere innovative Branchen.

*Europäische Kommission, The 2023 EU industrial R&D investment Scoreboard (2024).

12 Jahre

dauert die Entwicklung eines Medikaments von der Forschung bis zur Marktreife

USD 2.6 Mrd.

kostet die Entwicklung eines einzigen Wirkstoffs im Schnitt

1 von über 1 Mio.

untersuchten Substanzen schafft es bis zur Zulassung

Onkologie bleibt der wichtigste Forschungsschwerpunkt

Krebsmedikamente machen mit elf von 40 neu zugelassenen Wirkstoffen den grössten Anteil der Erstzulassungen aus, gefolgt von Hormon- und Stoffwechselstörungen sowie Neurologie und Psychiatrie. Das ist kein Zufall: Krebserkrankungen gehören weiterhin zu den häufigsten Todesursachen und der rasche Wissenszuwachs in der Tumorforschung ermöglicht laufend neue, oft hochspezialisierte Therapieansätze.

Erstzulassungen nach Anwendungsgebiet 2025 (total 40)

11 6 5 4 3 3 3 2 2 1
  • Krebserkrankungen, einschliesslich Blutkrebs

  • Hormon- und Stoffwechselstörungen

  • Neurologie und Psychiatrie

  • Hauterkrankungen

  • Diagnostika

  • Herz- und Nierenerkrankungen

  • Störungen des Blutes und der Blutgerinnung

  • Infektiologie und Impfstoffe

  • Magen-Darm-Erkrankungen

  • Lungenkrankheiten

Abbildung: Erstzulassungen nach Anwendungsgebiet.

Quelle: Swissmedic (2026). Zulassung von Humanarzneimitteln mit neuem Wirkstoff und Indikationserweiterungen. Jahresbericht 2025.

Mehr Medikamente, weniger Todesfälle

Die Zahl neu zugelassener Wirkstoffe hat seit 2020 deutlich zugenommen und erreichte 2022 mit 47 einen Höchststand. 2025 ist die Zahl mit 40 Zulassungen leicht rückläufig, liegt aber weiterhin klar über dem Niveau von 2019. Am Beispiel der Onkologie zeigt sich, was diese Zulassungen bewirken: 1997 gab es in der Schweiz 69 zugelassene Krebsmedikamente, 2021 waren es bereits 392. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Krebstodesfälle um 28% gesunken.

Zulassungen neuer Wirkstoffe in der Schweiz

Jahr

Total

2019

29

2020

42

2021

45

2022

47

2023

41

2024

46

2025

40

Zahlen-Vergleich

zugelassene Krebsmedikamente im Jahr 1997

zugelassene Krebsmedikamente im Jahr 2021

weniger Krebstodesfälle zwischen 1997 und 2021

Innovation, die im Alltag ankommt

Was diese Zahlen für den Alltag von Patientinnen und Patienten bedeuten, zeigen drei Beispiele aus dem Innovationsreport.

Behandschuhte Hände verabreichen einem Kleinkind eine Impfung in den Oberarm.

Das Respiratorische-Synzytial-Virus (RSV)

Zwischen 2016 und 2021 führten Infektionen mit RSV zu jährlich zwischen 3 000 und 6 000 Hospitalisationen – hauptsächlich bei Kleinkindern und älteren Personen. Seit 2024 hat Swissmedic drei Aktivimpfstoffe gegen RSV für Erwachsene und eine Impfung für Säuglinge zugelassen. Erste Berichte zeigen, dass die Anzahl Kinder mit Spitalaufenthalt aufgrund einer RSV-Infektion seither zurückgegangen ist.

Behandschuhte Hände halten CT-Aufnahmen der Lunge, im Hintergrund ein älterer Patient im Sprechzimmer.

Lungenkrebs

Lange galt die Diagnose Lungenkrebs als fast sicheres Todesurteil, insbesondere weil er meist erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt wurde. Dank moderner Diagnostik erfolgt die Erkennung heute deutlich früher. Zudem kommt anstelle der «Einheits-Chemotherapie» eine Kombination aus Immun- und Chemotherapie zum Einsatz. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate konnte dank diesen Neuerungen auf 32% gesteigert werden.

Behandschuhte Hände untersuchen behutsam die Fingergelenke einer Patientin.

Rheumatoide Arthritis

Rheumatoide Arthritis ist eine verbreitete, chronische Entzündungserkrankung, die vor allem Gelenke betrifft. In der Behandlung spielen heute Biologika-Wirkstoffe, die aus lebenden Zellen oder Organismen hergestellt werden, eine wichtige Rolle. Dank dieser Therapie erreichen heute bis zu 70% aller Betroffenen nach nur einem Jahr eine Remission. Das bedeutet, dass die Krankheit dann so gut unter Kontrolle ist, dass sie im Alltag kaum noch spürbar ist.

Der Zugang hinkt hinterher

Wenn aus 60 Tagen 219 werden

Das Gesetz (KLV, Artikel 31b) ist eindeutig: Innert 60 Tagen nach der Zulassung muss das Bundesamt für Gesundheit über die Vergütung eines neuen Medikaments entscheiden. In der Praxis dauerte es 2025 im Median 219 Tage, mehr als das Dreifache. Nur 4% aller Entscheide fielen fristgerecht.

Quelle: Berechnungen von Interpharma (2025) mit Datenbasis: BAG, Spezialitätenliste (2025); Swissmedic Journals (2025); Swissmedic (2025).

60

Tage

219

Tage

Gesetzliche Frist bis zur Vergütung

Dauer in der Praxis bis zur Vergütung

Der Zugang hinkt hinterher

Die Schweiz fällt beim Zugang zu innovativen Medikamenten zurück

Für Patientinnen und Patienten in der Schweiz wird der Zugang zu innovativen Medikamenten immer schwieriger. Im Jahr 2018 waren rund 64% der in Europa neu zugelassenen innovativen Medikamente in der Schweiz verfügbar. 2025 sank dieser Anteil auf nur noch 50%, während er in Deutschland 93% betrug. Die Schweiz verliert damit zunehmend den Anschluss.

Mehr dazu in der Interpharma-Publikation «Panorama Gesundheit».

Quelle: EFPIA Patients W.A.I.T. Indicator Surveys 2018–2025.

100% 80% 60% 40% 20% 0%

Deutschland

86%

Schweiz

64%

2018

Anteil der zugelassenen innovativen Medikamente auf dem Markt

Der Zugang hinkt hinterher

Die Schweiz fällt beim Zugang zu innovativen Medikamenten zurück

Für Patientinnen und Patienten in der Schweiz wird der Zugang zu innovativen Medikamenten immer schwieriger. Im Jahr 2018 waren rund 64% der in Europa neu zugelassenen innovativen Medikamente in der Schweiz verfügbar. 2025 sank dieser Anteil auf nur noch 50%, während er in Deutschland 93% betrug. Die Schweiz verliert damit zunehmend den Anschluss.

Mehr dazu in der Interpharma-Publikation «Panorama Gesundheit».

Quelle: EFPIA Patients W.A.I.T. Indicator Surveys 2018–2025.

100% 80% 60% 40% 20% 0%

Deutschland

93%

Schweiz

50%

2025

Anteil der zugelassenen innovativen Medikamente auf dem Markt

Der Zugang hinkt hinterher

Verzögerungen führen zu einem wachsenden Stau an Zulassungsanträgen

Jedes verzögert vergütete Medikament reiht sich in eine wachsende Warteschlange ein. 2014 warteten 62 zugelassene Medikamente auf die Aufnahme in die Spezialitätenliste, 2025 waren es bereits 383.

Mehr dazu in der Interpharma-Publikation «Panorama Gesundheit».

Quelle: SL, Swissmedic. Berechnungen von Interpharma. Neue aktive Substanzen und neue Indikationen 2014–2025, mit Vorbescheid zur Gutheissung von Swissmedic (N=452).

400 350 300 250 200 150 100 50 0

62

2014

383

2025

Anzahl Medikamente, die noch auf die Vergütung warten

Zusätzlicher Druck

Mit der Einführung von Referenzpreismodellen (MFN) koppelt die US-Administration die US-Medikamentenpreise an die durchschnittlichen, kaufkraftbereinigten Nettopreise verschiedener Vergleichsländer – darunter die Schweiz. Da die Preise in den USA deutlich höher sind als in der Schweiz, drohen die Schweizer Preise diejenigen in den USA nach unten zu drücken. Um Einbussen auf dem weltweit grössten Markt zu verhindern, könnten Hersteller ihre Produkte nur noch verzögert oder gar nicht auf den Schweizer Markt bringen. Dies gefährdet den zeitnahen Zugang der Schweizer Patientinnen und Patienten zu innovativen Therapien.

Was es jetzt braucht

Die Pipelines der Pharmaindustrie verschieben sich zunehmend in Richtung komplexer Biologika, Zell- und Gentherapien sowie RNA-basierter Wirkstoffe. In den kommenden Jahren ist mit einer Vielzahl innovativer, oft personalisierter Therapien zu rechnen. Beim Zugang zu neuen, innovativen Medikamenten hinkt die Schweiz anderen Ländern jedoch zunehmend hinterher. Das veraltete Preisfestsetzungssystem sorgt dafür, dass sich nach der Zulassung durch Swissmedic die Vergütung von neuen, innovativen Therapien zunehmend verzögert. Damit Schweizer Patientinnen und Patienten vom medizinischen Fortschritt profitieren können, braucht es deshalb dringend eine Modernisierung des Preisfestsetzungssystems.

Häufige Fragen

Wie viele neue Wirkstoffe hat die Schweiz 2025 zugelassen?

Im Jahr 2025 hat Swissmedic 40 neue Wirkstoffe für die Schweiz zugelassen. Zudem wurden 109 Indikationserweiterungen für bereits bekannte Medikamente bewilligt. Elf der neu zugelassenen Wirkstoffe zielen auf Krebs ab, den wichtigsten Forschungsschwerpunkt der innovativen Pharmaindustrie.

Was ist eine Indikationserweiterung?

Eine Indikationserweiterung ist eine Ausdehnung des Anwendungsgebiets eines Arzneimittels, d.h. das Arzneimittel wird von den Arzneimittelbehörden für die Behandlung weiterer Erkrankungen zugelassen. Ein prominentes Beispiel hierfür sind die GLP-1-Rezeptoragonisten (wie Semaglutid): Ursprünglich exklusiv für die Regulierung von Typ-2-Diabetes zugelassen, erhielten sie nach dem Nachweis einer bedeutenden Gewichtsreduktion in klinischen Studien die offizielle Zulassungserweiterung für die Therapie von starkem Übergewicht (Adipositas).

Wie lange dauert die Entwicklung eines neuen Medikaments?

Von der ersten Idee bis zur Marktreife vergehen im Schnitt zwölf Jahre. Die Entwicklung kostet rund 2.6 Milliarden US-Dollar pro Wirkstoff und nur eine von über einer Million untersuchten Substanzen schafft es überhaupt bis zur Zulassung.

Warum dauert es in der Schweiz oft länger, bis neue Medikamente bei Patientinnen und Patienten ankommen?

Eine Zulassung durch Swissmedic bedeutet noch keinen Zugang. Erst die Vergütung durch die obligatorische Krankenversicherung macht ein Medikament flächendeckend verfügbar. Die gesetzliche Frist von 60 Tagen für den Vergütungsentscheid wurde 2025 nur bei 4% der neu zugelassenen Medikamente eingehalten, im Median dauerte es 219 Tage.

Was sind Orphan Drugs?

Orphan Drugs sind Medikamente gegen seltene Krankheiten. 2025 wirkten 23 der 40 neu zugelassenen Wirkstoffe gegen eine seltene Erkrankung, für viele Betroffene oft die erste wirksame Behandlung überhaupt.

Was fordert Interpharma, um den Zugang zu Innovationen in der Schweiz zu verbessern?

Interpharma, der Verband der forschenden Pharmaunternehmen in der Schweiz, fordert eine Modernisierung des Preisfestsetzungssystems: einen kaufkraftbereinigten Auslandpreisvergleich sowie die Möglichkeit für Hersteller, den Preis direkt ab Marktzulassung selbst festzulegen.

Innovationsreport 2025

Innovationsreport 2025

Der Innovationsreport 2025 zeigt die neuesten Arzneimittelzulassungen in der Schweiz, aktuelle Forschungsschwerpunkte und den konkreten Nutzen innovativer Therapien für Patientinnen und Patienten sowie das Gesundheitssystem.

Interpharma
2025 | PDF, 12 Seiten.