Zugang zu innovativen Medikamenten: Die Schweiz stagniert weiterhin hinter Deutschland
Der Zugang zu innovativen Medikamenten hat sich in der Schweiz über die vergangen 10 Jahre insgesamt verschlechtert. Seit 2018 ist der volle Zugang über die Spezialitätenliste so von 64 auf 50 Prozentpunkte zurückgegangen. 2025 haben Patientinnen und Patienten in der Schweiz weiterhin nur zu etwa halb so vielen neuen, innovativen Medikamenten Zugang wie in Deutschland. Der nicht-gleichberechtigte Zugang über Einzelfallvergütungen hat sich über den gleichen Zeitraum hingegen von 15% auf 27% nahezu verdoppelt. Dies zeigen die neuen Resultate des am 19. Mai 2026 publizierten EFPIA Patient W.A.I.T. Indicators.
Der EFPIA Patients W.A.I.T. Indicator wird jährlich von IQVIA im Auftrag von EFPIA erhoben und vergleicht den Zugang zu neuen, innovativen Medikamenten in Europa. Er zeigt auf, wie viele der in den vergangenen vier Jahren von der EMA zugelassenen Medikamente in den einzelnen europäischen Ländern tatsächlich verfügbar sind. Für den W.A.I.T. Indicator 2025 wurde der Zugang zu 168 innovativen Medikamenten untersucht, die zwischen 2021 und 2024 von der EMA zugelassen wurden.

Gemäss dem W.A.I.T. Indicator waren im Jahr 2025 rund 50% aller zwischen 2021 und 2024 von der EMA zugelassenen innovativen Medikamente auch in der Schweiz voll über die Spezialitätenliste verfügbar. Weitere 27% waren über Einzelfallvergütungen unter KVV Art. 71a-d eingeschränkt zugänglich – knapp ein Viertel der innovativen Medikamente erreichen die Schweiz hingegen gar nicht. Einzelfallvergütungen unter Art. 71a-d sind jedoch nur für Ausnahmefälle angedacht und darum kein Ersatz für den gleichberechtigten Zugang über die Spezialitätenliste.
Mit vollem Zugang zu rund der Hälfte aller untersuchten Medikamente hat sich die Schweiz im Vergleich zum Vorjahr zwar um drei Prozentpunkte verbessert. Dennoch bleibt die Situation unbefriedigend: Weiterhin haben Patientinnen und Patienten in Deutschland Zugang zu beinahe doppelt so vielen innovativen Medikamenten.
Ein Blick in die weitere Vergangenheit zeigt: Der Zugang zu innovativen Medikamenten hat sich in der Schweiz über die vergangen 10 Jahre insgesamt verschlechtert. Seit 2018 ist der volle Zugang über die Spezialitätenliste so von 64 auf 50 Prozent zurückgegangen. Der Zugang über eine Einzelfallvergütung im Rahmen von Art. 71a-d hat sich über den gleichen Zeitraum hingegen von 15% auf 27% nahezu verdoppelt.

Es ist davon auszugehen, dass sich die diesjährige, minimale Verbesserung des vollen Zugangs über die Spezialitätenliste in den kommenden Jahren nicht fortsetzen dürfte. Die globalen Rahmenbedingungen haben sich seit dem Untersuchungszeitraum 2021-2024 grundlegend verändert. Die von der US-Regierung eingeführten Most-Favored-Nation-Regime gestalten die globale Lancierung innovativer Medikamente und damit auch den Zugang nachhaltig um. Konkrete Auswirkungen werden wahrscheinlich im W.A.I.T. Indicator 2026 (Untersuchungszeitraum 2022-2025) erstmals zu sehen sein.
Vor diesem Grund ist es aktuell umso wichtiger, auf sämtliche politische Massnahmen zu verzichten, die den Zugang zu innovativen Medikamenten weiter einschränken. Stattdessen braucht es eine Modernisierung des Preisbildungssystems und eine konsequente Umsetzung des Zugangs ab Tag-0.
EFPIA Patients W.A.I.T. Indicator 2025 Survey
Der EFPIA W.A.I.T. Indicator beschränkt sich auf neue aktive Substanzen. Neue Indikationen werden jedoch nicht berücksichtigt. Aus diesem Grund ist die tatsächliche Aussagekraft des W.A.I.T. Indicators nur beschränkt.