Initiativen der Pharmaindustrie

In vielen Ländern fehlt es an der dringend benötigten Infrastruktur. Es gibt keine oder nur schlechte Strassen, Transportmittel, Elektrizität oder Wasserversorgung, die zum Funktionieren einer effektiven Gesundheitsversorgung benötigt werden. Das blockiert nicht nur Patientinnen und Patienten und Ärztinnen und Ärzte, sondern auch die Versorgung mit Medikamenten. Spitäler werden wegen Stromausfällen in ihrem Betrieb gehindert. Medikamente, die hätten gekühlt werden müssen, können nicht mehr gebraucht werden. Deshalb benötigen auch die Beschaffungs-, Lagerungs- und Verteilungssysteme besondere Aufmerksamkeit.

Wichtige Beiträge der Pharmaindustrie

Die forschenden pharmazeutischen Unternehmen tragen auf verschiedenen Wegen zur Verbesserung der globalen Gesundheit bei. Einerseits leisten sie einen Beitrag durch ihre Forschung und Entwicklung, die sie allein oder in Partnerschaften durchführen. Andererseits sind viele Pharmaunternehmen in zahlreiche Access-Programme involviert und setzen sich ein mit Spenden, Schenkungen, Aufbau von Kapazitäten, Wissens- und Technologietransfer, Ausbildungen und Training, günstigen Preissystemen, freiwilligen Lizenzierungen oder dem Verzicht auf Forderungen. Zudem leisten die forschenden Pharmaunternehmen einen Beitrag durch ihre Betriebsführung, indem sie die Prinzipien der guten Herstellungspraxis und ethische Standards achten und die Herstellung von qualitativ hochwertigen, sicheren und wirksamen Medikamenten und Impfstoffen garantieren und die rechtlichen Bedingungen befolgen.

Apell der Pharmaindustrie an Regierungen

Um jedoch denjenigen zu helfen, die den Zugang zu medizinischen Leistungen dringend brauchen, sind starke und leistungsfähige Gesundheitssysteme zentral. Die Industrie appelliert deshalb an die Regierungen in Ländern mit niederem und mittlerem Einkommen, Unterstützung zu bieten für die Entwicklung des jeweiligen nationalen Privatsektors und einladende Rahmenbedingungen für globale Partnerfirmen zu schaffen. Zugleich ruft sie Länder mit hohem Einkommen auf, ihre Finanzhilfe für die Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern als Plattform für die wirtschaftliche Entwicklung zu erhöhen.

Multi-Stakeholder Initiativen und Public Private Partnerships

Nach Ansicht der Pharmaindustrie sind speziell in jenen Ländern, wo grosse Armut herrscht, Multi-Stakeholder Initiativen oder Public Private Partnership (PPP) ein effizienter und effektiver Weg, um die Gesundheit der Bevölkerung und den Zugang zu hochwertiger Medizin zu verbessern. Bei Public Private Partnerships arbeiten staatliche Institutionen oder nichtstaatliche Organisationen und Stiftungen mit akademischen Forschungsgruppen und forschenden Pharmaunternehmen zusammen. Sie teilen sich die Kosten und Risiken, aber auch die Nutzungsrechte an so entstandenen Medikamenten. Beispiele dafür sind die globale Allianz zur Medikamentenentwicklung gegen Tuberkulose („Global Alliance for TB Drug Development”), “Medicines for Malaria Venture” (MMV), das globale Programm “PATH Malaria Vaccine Initiative” (MVI) oder die Initiative “Drugs for Neglected Diseases Initiative”.

Zahlreiche forschende Pharmaunternehmen sind zudem in Projekte involviert, um Medikamente und Impfungen für die zehn von der WHO priorisierten Krankheiten in den Entwicklungsländern herzustellen. Zu diesen sogenannten “Diseases of the developing world” (DDW) gehören Tuberkulose, Malaria, die afrikanische Schlafkrankheit, Leishmaniose, Denguefieber, Onchozerkiasis (Flussblindheit), die Chagas-Krankheit, Schistosomiasis (Bilharziose), Lepra und Lymphatische Filariosen.