Zugang zu Medikamenten und geistiges Eigentum: Indien

Die internationale Diskussion fokussiert sich zurzeit auf die Auswirkungen von Bestimmungen zum Schutz des geistigen Eigentums im indischen Recht und auf die Versorgung der mittellosen Bevölkerung mit lebenswichtigen Medikamenten. Es ist festzustellen, dass trotz der Präsenz der weltweit grössten Generikaindustrie in Indien ein grosser Anteil der indischen Bevölkerung derzeit keinen Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten hat, obschon diese Medikamente nicht durch Patente geschützt sind und in Indien produziert werden können und auch produziert werden. Die indischen Generikafirmen machen einen Grossteil ihres Umsatzes und Gewinn mit dem Export in westliche Länder.

Dringend nötiger Zugang

Indien ist ein Land, das einem Grossteil der eigenen Bevölkerung keinen Zugang zur elementaren Grundversorgung gewährt. In Indien sterben jährlich 300‘000 Menschen an Tuberkulose. Einer medikamentösen Behandlung der Tuberkulose-Patienten stehen weder Schutzinstrumente des geistigen Eigentums im Weg noch hohe Kosten für das Medikament zur Bekämpfung der Tuberkulose. Indien hat beispielsweise auch eine der weltweit höchsten Prävalenzraten von HIV/Aids (geschätzte 5.7 Millionen Menschen), aber nur sieben Prozent der Patienten erhalten wirksame Medikamente.

Um die Situation der Patientinnen und Patienten zu verbessern, ist eine Vielzahl von Massnahmen nötig. Das Beibehalten tiefer Schutzniveaus im Bereich des geistigen Eigentums, die Verweigerung der indischen Behörden Patente zu erteilen, die systematische Verzögerung der Rechtsprozesse und die eklatante Verletzung von internationalen Verträgen über das geistige Eigentum wird an diesem gesundheitspolitischen Missstand in Indien nichts ändern, jedoch das Wachstumspotenzial der forschungsbasierten Pharmaindustrie in Indien unterminieren.

Gemeinsam Lösung finden

Die Schweizer Pharmaunternehmen haben umfangreiche Programme aufgebaut, welche armen Bevölkerungsschichten den Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten gewähren. So wird in Indien bei gewissen Medikamenten bis zu 95 Prozent der Patientenpopulation kostenlos Zugang gewährt.

Es ist jedoch nicht vertretbar, dass der rasch wachsende wohlhabende Teil der indischen Bevölkerung in den Genuss von Medikamenten kommt, die durch Zwangslizenzen auf das Niveau der Herstellungskosten gedrückt wurden. Für die medizinische Versorgung der sehr heterogenen Bevölkerungen müssen in Zusammenarbeit mit den Landesbehörden Lösungen erarbeitet werden, die es erlauben, die Versorgungsmärkte getrennt zu behalten.

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© Barbara Jung