Medikamentenfälschungen

Medikamentenfälschungen stellen eine ernste Gefahr für die Gesundheit dar. Bei gefälschten Medikamenten geht es zusätzlich um die Sicherheit und, im schlimmsten Fall, um das Überleben von Patienten. Bei gefälschten Luxusgütern wie Uhren, Taschen oder Kleidern entsteht wirtschaftlicher Schaden für die Unternehmen und Frust für die Konsumentinnen und Konsumenten, die einen hohen Preis für die vermeintlichen Markenprodukte bezahlt haben. In allen Fällen verletzen Fälschungen die Rechte an geistigem Eigentum – wie Patentrecht, Markenschutz, Urheberrecht, Datenschutz.

Nicht nur Lifestyle-Medikamente sind von Fälschungen betroffen

Fälschungen von Medikamenten betreffen nicht mehr nur so genannte Lifestyle-Produkte (z.B. Potenzförderer, Muskelaufbaupräparate, Schlankheitsmittel etc.), sondern auch Krebsmedikamente, Medikamente zur Behandlung von Herz-Kreislaufbeschwerden, Antibiotika, Schmerz- sowie Verhütungsmittel und andere rezeptpflichtige Medikamente.

Fälschungen können den richtigen Wirkstoff enthalten, jedoch in zu hoher oder zu niedriger Dosierung oder in verunreinigter Form. Gefährlich werden kann es aber auch, wenn von den erwarteten Wirkstoffen nicht die geringste Spur vorhanden ist. In vielen Fällen enthalten gefälschte Arzneimittel beispielsweise gemahlenen Backstein oder Mehl, in seltenen Fällen auch Giftstoffe wie Insektizide oder Rattengift. Weltweit sind laut Weltgesundheitsorganisation WHO zehn Prozent der Arzneimittel gefälscht, in Entwicklungsländern bis zu 30 Prozent.

Medikamente übers Internet zu beziehen, ist gefährlich

In den Industriestaaten ist der Verkauf von Arzneimitteln über das Internet das wichtigste Einfallstor für gefälschte Medikamente. Medikamente, die illegal über das Internet verkauft werden, können gemäss WHO in über 50 Prozent der Fälle gefälscht sein.

Die Eidgenössische Zollverwaltung hat im letzten Jahr 1’060 Sendungen mit illegal importierten Medikamenten sichergestellt. Die Gesamtzahl liegt damit gemäss dem Schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic leicht höher als im Vorjahr (2016: 1’028). Am häufigsten werden nach wie vor Potenzmittel illegal importiert, gefolgt von Arzneimitteln mit Abhängigkeitspotenzial (Psychopharmaka, Schlaf- und Beruhigungsmittel). Gemäss Swissmedic wurde erneut eine grosse Zahl von medizinisch wichtigen, rezeptpflichtigen Arzneimitteln (zum Beispiel verschreibungspflichtige Antibiotika oder das sehr starke Schmerzmittel Tramadol) beschlagnahmt. Mehrere Sendungen aus Grossbritannien und Polen enthielten zudem Melanotan. Diese Substanz soll angeblich die Haut bräunen, hat aber vor allem grippale Nebenwirkungen und kann das Immunsystem und das Herzkreislauf-System schädigen. Die meisten illegalen Sendungen stammten wie schon im Vorjahr aus Indien, gefolgt von Singapur und Deutschland. Zugenommen haben die Sendungen aus Osteuropa, darunter die illegalen Importe aus Polen um 40 Prozent.

Bewährte Distributionskette gewährleistet Sicherheit

Das strenge Zulassungsverfahren für Arzneimittel, das Bewilligungsverfahren für die Herstellung und den Vertrieb sowie die bewährte Distributionskette gewährleistet die Medikamentensicherheit in der Schweiz am Besten. Das Ziel aller Anstrengungen ist, dass Patienten das verordnete Medikament zum richtigen Zeitpunkt, in einwandfreiem Zustand und mit korrekter Patienteninformation erhalten. Beim Bezug von Medikamenten aus offiziellen Quellen wie Apotheken, Drogerien und Arztpraxen besteht in der Schweiz keine Gefahr, Medikamentenfälschungen zu erhalten.

Kampf gegen Medikamentenfälschungen

Die Pharmaunternehmen arbeiten untereinander und mit den Zollbehörden eng zusammen und verwenden offene und verdeckte, Fälschungen erschwerende Kennzeichen. Dabei werden unter anderem Hologramme, farbändernde Tinte oder irisierende Oberflächen eingesetzt. Zudem setzen Pharmafirmen vermehrt auf Rückverfolgungstechnologien wie Seriennummern, kombiniert mit einer 2-D-Daten-Matrix. Mit ihr sollen die Voraussetzungen geschaffen werden für eine lückenlose Verfolgung der Arzneimittel und für eine Authentizitätsprüfung jeder einzelnen Packung. Konkret prüft der Apotheker bei jedem Medikament einen Identifikationscode, bevor er das Medikament an den Patienten weitergibt.

Um die Sicherheit in der regulären Lieferkette noch weiter zu erhöhen, werden derzeit EU-weit zusätzliche Sicherheitsmassnahmen vorbereitet. So müssen ab Februar 2019 die Packungen verschreibungspflichtiger Arzneimittel mit einem Erstöffnungsschutz (bspw. Siegel) versehen sein. Weiter müssen die Medikamente durch einen Scan in der Apotheke resp. bei der Abgabe auf Echtheit geprüft werden. Konkret prüft der Apotheker bei jedem Medikament einen Identifikationscode, bevor er das Medikament an den Patienten weitergibt. Medikamente erhalten dafür packungsindividuelle Seriennummern, die in einer geschützten Datenbank hinterlegt sind. Das System schlägt Alarm, wenn in einer Apotheke eine Packung mit unbekannter Nummer gefunden wird, oder eine Packung mit einer Nummer, die bereits schon einmal vor der Abgabe an den Patienten gescannt wurde.

Die Pharmaindustrie in der Schweiz verpflichtet sich dafür zu sorgen, dass auch in der Schweiz auf den Packungen der Arzneimittel Sicherheitsmerkmale aufgedruckt sind, welche dem internationalen Sicherheitsstandard entsprechen und welche die Identifizierung des Produkts am Abgabepunkt erlauben.

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