Akzeptanz von Tierversuchen für den medizinischen Fortschritt

2. Oktober 2014

Die Haltung der Schweizer Stimmberechtigten zu Tierversuchen ist differenziert. Zwar lehnt eine Mehrheit Tierversuche zu Forschungszwecken eher ab, doch werden Tierversuche von 58% der Stimmberechtigten akzeptiert, wenn sie unerlässlich sind, um den medizinischen Fortschritt voranzutreiben. Gar 70% Zustimmung haben Tierversuche für die Entwicklung von Medikamenten gegen Krankheiten wie Alzheimer oder Krebs. Das Schweizer Tierschutzgesetz erhält gute Noten. Handlungsbedarf sehen die Stimmbürger bei der Förderung von Alternativmethoden.

Im Auftrag von Interpharma hat das Forschungsinstitut gfs.bern eine repräsentative Befragung zur Haltung der Schweizer Stimmberechtigten zu Tierversuchen durchgeführt. Allgemein werden Tierversuche eher skeptisch beurteilt. Die Zustimmung steigt jedoch, wenn unnötiges Leiden der Tiere verhindert werden kann und sie dem medizinischen Fortschritt dienen. So lehnen 53% der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger Tierversuche generell eher ab. 58% akzeptieren diese aber, wenn sie nötig sind, um die medizinische Forschung voranzutreiben. Nur rund 34% lehnen Tierversuche rundweg ab. Wenn Tierversuche dazu dienen, neue Medikamente gegen Krankheiten wie Alzheimer oder Krebs zu entwickeln, befürworten sogar 70% der Befragten Tierversuche. Zur Verhinderung von Tierleiden halten 79% Tierversuche für angebracht und zur Erfüllung von gesetzlichen Vorgaben sind es 71%.

Schweizer Tierschutz ist vorbildlich
Das Schweizer Tierschutzgesetz wird von einer Mehrheit der Stimmberechtigten als «eher streng» beurteilt (55%) und trägt zur Akzeptanz von Tierversuchen in der Schweiz bei. 91% ziehen es vor, Tierversuche unter strengen Auflagen in der Schweiz zuzulassen, anstatt diese ins weniger restriktive Ausland zu verlagern. Dieses hohe Vertrauen in die Schweizer Gesetzgebung hat mit dem Inkrafttreten des umfassend revidierten Tierschutzgesetzes im Jahr 2008 und den dazugehörigen Verordnungen zu tun.

Alternativmethoden fördern
Klaren Handlungsbedarf sehen die Stimmberechtigten hingegen bei der Suche nach alternativen Lösungen, um die Zahl der Tierversuche zu senken oder diese zu ersetzen. 83% der Stimmberechtigten sind der Meinung, dass es ein koordiniertes Forschungsprogramm braucht, um Alternativmethoden zu Tierversuchen zu erforschen. Darüber, dass sich der Bund zum Beispiel zurzeit mit der Planung eines nationalen Forschungsprogramms zur Förderung der Forschung nach Alternativmethoden beschäftigt, sind nur wenige informiert. Nur 30% geben an, in letzter Zeit etwas Generelles über die Reduktion von Tierversuchen gehört zu haben.

Hohe Glaubwürdigkeit von Tierschutzorganisationen und Ärzten
Tierschutzorganisationen geniessen in der Bevölkerung mit 71% die höchste Glaubwürdigkeit, dicht gefolgt von den Ärztinnen und Ärzten mit 68%, den Konsumentenorganisationen mit 65% sowie den Forscherinnen und Forschern mit 62%. Deutlich schlechtere Werte erzielen hingegen die Pharmaindustrie und die Medien mit jeweils 34%. Damit geniesst die Pharmaindustrie in dieser Frage ähnlich wenig Vertrauen wie extreme Tierschutzorganisationen. Beide werden als Akteur mit einer Extremposition wahrgenommen, was der Glaubwürdigkeit schadet.

Kontakt
Thomas Cueni, Generalsekretär Interpharma
Mobile 079 322 58 17 / thomas.cueni@interpharma.ch

Sara Käch, Leiterin Kommunikation Interpharma
Mobile 079 208 16 33 / sara.kaech@interpharma.ch

Publikationen

Studie Akzeptanz Tierversuche 2014

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