Medikamente: Festpreise, Bezug, Innovation

2013 einigte sich der Bundesrat mit der Pharmabranche auf eine Medikamentenpreissenkung von insgesamt 720 Millionen Franken. Zwar galten für Mehrheiten der Stimmberechtigten auch in dieser Zeit Medikamentenpreise als zu hoch, im Trend reduzierte sich der Anteil aber deutlich. Bis 2012 hielten jeweils mindestens vier Fünftel die Preise für zu hoch. Danach vertraten nur noch rund zwei Drittel diese Meinung. Diese gefühlte Entspannung scheint sich seither langsam aufzulösen. Obwohl die neuerliche Senkung der Medikamentenpreise 2017 / 2018 von rund 325 Millionen Franken deutlich über den vom Bundesamt für Gesundheit erwarteten 180 Millionen für die Jahre 2017–2019 liegen, erzielte dies offenbar keinen Effekt auf die pauschal negative Wahrnehmung der verordneten Preise.

Im Kontext einer kritischen Preisdiskussion ist auch erklärbar, dass 67 Prozent die Aussage unterstützen, dass Krankenkassen Medikamente für Bagatellen nicht mehr bezahlen sollen. Dieser Anteil ist zwar im Vergleich zum Vorjahr unverändert, hat sich aber gegenüber 2010 (32%) mehr als verdoppelt.

Der Mechanismus zur Festsetzung der Preise über Höchstpreise ist mehrheitlich akzeptiert, wenn man ihn gegen die Idee verhandelter Preise stellt. Im langfristigen Trend erhält der Vorschlag, dass Krankenkassen die Preise verhandeln dürfen, immer weniger Unterstützung.

Anlaufstelle für den Medikamentenerwerb sind klar die Apotheken (98%, –1). Erstmals seit 2015 könnte sich eine Mehrheit (55%, +11) vorstellen, Medikamente in Drogerien zu kaufen. Stetig abnehmend ist die Akzeptanz von Ärztinnen und Ärzten als Bezugsquelle. 2019 kommt das noch für 60 Prozent (–7) in Frage. So erstaunt es auch nicht, dass drei Viertel (75%, +18) befürchten, dass Ärztinnen und Ärzte zu teure Medikamente verkaufen, wenn sie daran verdienen.

Sobald der Preis im Kontext der Behandlung diskutiert wird, relativieren sich kritische Urteile. Wenn der Arzt entscheidet, soll er für 51% (–2) in jedem Fall das am meisten geeignete Medikament verschreiben dürfen. Für 32% (+4) soll er zwischen Eignung und Kosten abwägen. Nur 16% (–2) denken, dass er vor allem darauf achten soll, ein nicht zu teures Medikament zu verschreiben. Dieser Anteil derjenigen, die für eine strikte Preisorientierung bei der Verschreibung votieren, war seit 2010 nie so tief.

Der in diesem Kontext ebenfalls diskutierte Festbetrag erhält immer weniger Unterstützung. Die Befürchtung, dass durch einen erzwungenen Medikamentenwechsel die Therapietreue leidet, hat im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugenommen (67%, +18). Die Stimmberechtigten haben die Befürchtung, dass sie durch Festbeträge bei Medikamenten für bestimmte Krankheiten (68%) respektive mit gleichem Wirkstoff (66%) nicht mehr die beste Therapie erhalten. Ausserdem glaubt nur noch eine Minderheit an erhoffte Kostensenkungen (40%, –13), welche das Hauptargument für die Einführung des Systems sind. Die Zustimmung zu dem Argument ist zum zweiten Mal in Folge klar gesunken. Stabil mahnen die Befragten an, dass das günstigste nicht immer das geeignetste Medikament sei (87%, –1). Ausserdem sind sie der Meinung, dass Preissenkungen bei Generika überfällig sind.

Neben dem Zugang zu Medikamenten und neuen Therapien wird insbesondere der Wert von Innovation der pharmazeutischen Forschung klar mehrheitlich attestiert. Das gilt für den Beitrag zur Qualität des Gesundheitswesens (93%, –3), die Beschleunigung der Heilung (90%, –1), die Lebensqualität (88%, –7) und das längere gesunde Leben (85%, –1). Alle Elemente gehören zum Common Sense und sind Ausdruck der Akzeptanz der Rolle der Forschung. Gegenüber dem Vorjahr sind ausserdem 15 Prozentpunkte mehr (71%) der Ansicht, dass der Einsatz neuer Medikamente hilft, die Kosten für Spital und Arzt zu senken.

In hohem Mass gilt dies auch für den Beitrag der Krebsforschung: 93% teilen die Ansicht, dass dank dieser Forschung immer mehr Krebsarten wirkungsvoll bekämpft werden können. 96% wollen, dass die Medikamente aus der Krebsforschung allen unabhängig vom Einkommen zur Verfügung stehen sollen. Nur 16% denken, dass es sich hierbei um eine unnötige Verteuerung des Gesundheitswesens handelt.

Die Akzeptanz der Medikamentenforschung zeigt sich schliesslich bei der Frage der von den Stimmberechtigten selbst gewünschten Kostenverteilung. Der Wunsch nach mehr Geldern nimmt am deutlichsten bei der Medikamentenforschung zu. 41 Prozent (+21) wünschen sich, dass «eher mehr» Mittel dafür verteilt werden sollten (vgl. Kapitel 2.4). Diese Forschung ist langfristig ausgelegt. Insbesondere die jüngeren Befragten und damit die Nettozahler bei den Prämien wünschen sich signifikant stärker, dass mehr Gelder für diese Forschung investiert werden sollen.

Haltung zu Medikamentenpreisen
Grafik 11: Haltung zu Medikamentenpreisen
© gfs.bern, Gesundheitsmonitor 2019
Haltung zu Verhandlung Medikamentenpreise
Grafik 12: Haltung zu Verhandlung Medikamentenpreise
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Meinung Festbetrag
Grafik 13: Meinung Festbetrag
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Aussagen zur pharmazeutischen Forschung
Grafik 14: Aussagen zur pharmazeutischen Forschung
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Ansichten zur Krebsforschung
Grafik 15: Ansichten zur Krebsforschung
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