Eigene Gesundheitskosten und Franchisen

Der Trend bei den Franchisemodellen zeigt eine aktuelle Neuentwicklung. Waren noch im Jahr 2017 58 Prozent der Stimmberechtigten der Ansicht, die maximale Franchise, die man als Versicherter bezahlt, solle erhöht werden, weil man sich dann als Versicherte oder Versicherter kostenbewusster verhalte, so sind ganz in der Logik der aktuellen Entwicklung heute nur noch 46 Prozent (–12) dieser Ansicht. Dieselbe Überlegung, mit Blick auf die minimale Franchise, teilen neu nur noch 30 Prozent und damit 23 Prozentpunkte weniger Befragte als noch vor einem Jahr. Schliesslich stimmt mit 24 Prozent nur noch ein knappes Viertel der Ansicht zu, die minimale Franchise sollte der Kostenentwicklung in der Grundversicherung angepasst werden, also steigen, wenn auch die Kosten wachsen (–23).

Mit anderen Worten: Die Kostensensibilität erreicht einen kritischen Punkt. Man wünscht sich bei der Ausgestaltung der Franchisen keine Experimente, weder in Richtung grössere Einkommensabhängigkeit noch in Richtung Deckelung der Leistungen. Neue Mehrheiten tun sich mit der quasi automatischen Anpassung der Prämien an die Kostenentwicklung und auch mit Anreizen für das eigene Sparverhalten beim Preis für die Gesundheitsleistungen schwer.

Die gefühlten Medikamentenpreise empfinden neu 76 Prozent und damit gute drei Viertel der Befragten (+7) als zu hoch. Die Zuwächse in dieser kritischen Gruppe rekrutieren sich aus jenen, die noch im letzten Jahr die Preise für Medikamente für angemessen hielten. Diese Gruppe reduziert sich aktuell auf 20 Prozent. Niemand hält im aktuellen Umfeld die Medikamentenpreise für zu tief.

Obwohl die Medikamentenpreise immer noch von einer klaren Mehrheit als zu hoch angesehen werden, stellen diese nur für Minderheiten ein Problem dar: Nur 12 Prozent (–11) erachten Arztrechnungen und Ausgaben für Medikamente als dauerhaftes oder gelegentliches Problem für den eigenen Haushalt.

In diesem Jahr ist die Problemsicht auf die Ausgabenposten grundsätzlich rückläufig. So empfinden nur noch 16 Prozent (–18) die Krankenkassenprämien als Problem für den Haushalt. Der grösste Teil (54%) stuft die Krankenkassenprämien als hoch, aber tragbar ein. Krankenkassenprämien sind überdurchschnittlich ein Problem für Haushalte im unteren bis mittleren Einkommensbereich, deren Einkommen zu hoch ist, um in den Genuss von Prämienverbilligungen zu kommen. Jedoch auch in dieser Gruppe hat sich die Problemwahrnehmung entschärft.

Zahnarztrechnungen werden am häufigsten, jedoch ebenfalls minderheitlich als Problem wahrgenommen (32%). Im Vorjahresvergleich ist die Problemwahrnehmung anders als bei den anderen Ausgabenposten nur leicht rückläufig (–2).

Jahresfranchise
Grafik 13: Jahresfranchise
Dauerhaftes oder gelegentliches Problem
Grafik 14: Dauerhaftes oder gelegentliches Problem
 
Haltung zu Medikamentenpreisen
Grafik 15: Haltung zu Medikamentenpreisen