Kassenleistungen

Die hohe Zufriedenheit mit dem Status quo zeigt sich auch bei der Beurteilung des Leistungskatalogs und des Obligatoriums: 70 Prozent (+12) wollen den Leistungskatalog in der Grundversicherung auf dem heutigen Niveau belassen. Nur noch 16 Prozent (−11) sind für einen Ausbau, was der tiefste Wert seit 2009 ist. 5 Prozent (−6) sind für einen generellen Abbau.

79 Prozent (+19) wollen das Obligatorium in der Grundversicherung beibehalten. Nur noch 12 Prozent (−18) sind für eine Einschränkung, 2 Prozent (−6) für eine generelle Abschaffung des Obligatoriums.

Auch bei der Frage, ob spezifische Behandlungen von der Kasse oder von den Betroffenen selbst getragen werden sollen, zeichnen sich durchwegs steigende Anteile ab, die durch das Band der vorgestellten Leistungen hinweg eine Kassenzahlung wünschen.

Bei psychischen Beschwerden (93%, +9) oder Beschwerden durch Stress (83%, +16) steigt die Bereitschaft zur Kassenzahlung sogar erheblich und erreichen erstmals seit der Befragung ein Höchstniveau. Gleichzeitig steigt auch die Bereitschaft stärker an, bei der Vorbeugung von gesundheitlichen Schäden (69%, +15) die Kassenzahlung zu erwarten. Schliesslich wünschen sich zwei Drittel der Stimmberechtigten, dass Leistungen wegen gewichtsbedingter Beschwerden von den Kassen übernommen werden sollten. Dies sind 15 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Eher weniger steigt der Wunsch nach Kassenzahlung bei AIDS-Behandlungen (64%, +5), setzt aber den Trend seit 2016 fort. Ungewollte Kinderlosigkeit erlebt einen relativ schwachen Neuanstieg der Anteile mit dem Wunsch nach Kassenzahlung (56%, +3). Grundsätzlich zeigt sich, dass man sich bewusst ist, viel zu zahlen, und damit auch Erwartungen an eine breite Leistungspalette der Kassen verknüpft.

Relativ unverändert auf tieferem Niveau verharrt auch die Bereitschaft, bei Schäden durch Rauchen und Alkohol (39%, +2) die Kassenzahlung zu erwarten. Im Fall der ärztlich verordneten Heroinabgabe liegt sie neu bei 35 Prozent (–7) und damit auf einem ähnlich tiefen Wert wie 2013.

Bezüglich des Prämiensystems werden keine Experimente gewünscht, eine Mehrheit von 85 Prozent wünscht sich den Beibehalt des Kopfprämiensystems. Der Wunsch nach automatischen Massnahmen zur Kostenbegrenzung bei akutem Prämienanstieg ist von 61 Prozent auf 47 Prozent abgesunken und nur ein stark gesunkenes Drittel (34%, –33) kann sich aktuell einkommensabhängige Prämien vorstellen. Gut die Hälfte (52%) und damit deutlich weniger Stimmbürger als im Vorjahr (–17) sind der Meinung, die Krankenkassen sollten auch Behandlungen im Ausland bezahlen, wenn diese günstiger sind.

Die kollektive Verantwortung bei seltenen und sehr teuren Krankheiten geriet in den letzten beiden Jahren unter Druck. Diese Entwicklung ist 2018 deutlich zurückgegangen: Nur noch minderheitlich will man die Kassenzahlung in solchen Fällen vom Alter abhängig machen (34%, −21) oder eine Obergrenze für die Kosten fixieren (31%, −16). Dass die Anwendung bei sehr teuren Behandlungen in keinem Fall erfolgen soll, wurde 2016 und 2017 von über einem Viertel der Stimmberechtigten gefordert. Der Wert ist wieder deutlich zurückgegangen (4%, −24).

Die Bereitschaft, zur Kostensenkung individuelle Einschränkungen hinzunehmen, ist nach den hohen Werten im Vorjahr deutlich zurückgegangen: Dies gilt besonders für den eingeschränkten Zugang zu neuen Medikamenten (19% auf jeden Fall oder je nach Höhe der Kostensenkung, −24) und eine Kürzung des Leistungskataloges (31%, –23). Die Einschränkung der freien Arztwahl würden – abhängig von der Höhe der Kostenreduktion – nur noch 38 Prozent (–14) hinnehmen, 75 Prozent wünschen sich individuell freie Arztwahl. Eine eingeschränkte Spitalwahl würde noch von einer knappen Mehrheit hingenommen (54%, −12).

Damit scheint sich über die gesamte Palette der Kosten-Ertrags-Dimensionen das Verständnis zu verbreiten, dass man angesichts der hohen Kosten auch entsprechend viele und gute Leistungen in Anspruch nehmen will.

Für diese wachsende Anspruchshaltung spricht auch, dass nur noch 34 Prozent der Befragten und damit ein gutes Fünftel weniger als noch 2017 sehr teure Behandlungen vom Alter der Patientin oder des Patienten abhängig machen möchten. Eine Mehrheit will teure Behandlungen altersunabhängig gewährleistet sehen. Diese Haltung findet sich auch bei jenen 99 Prozent wieder, die teure Medikamente aus der Krebsforschung einkommensunabhängig allen zugänglich machen möchten.

Im Gegenzug teilen 92 Prozent (+11) die Ansicht nicht, dass die Krebsforschung das Gesundheitswesen unnötig verteuere. Schliesslich unterstützen 99 Prozent die Ansicht, dass die Krebsforschung sehr wirkungsvoll im Kampf gegen Krebs sei. Mit anderen Worten: Krebsmedikamente werden nicht als unnötige Verteuerung, sondern als sinnvolle Forschungsergebnisse gewertet. Das Vertrauen in die Krebsforschung könnte kaum grösser oder, mit Rückblick auf die zurückliegenden 10 Jahre, kaum stabiler sein.

An implizitem Vertrauen hinzugewonnen haben auch Ärzte als Entscheidungsträger für teure Behandlungen. Auch wenn in solchen Situationen nach wie vor ein gemeinsamer Entscheid unter Einbezug des Patienten im Zentrum steht, kann sich der Arzt oder die Ärztin 2018 als herausragender Einzelentscheider platzieren. Die Zunahme zu 2017 beträgt beachtliche 20 Prozentpunkte.

Selbst bezahlte Leistungen/Krankenkassenleistungen (Auswahl)
Grafik 7: Selbst bezahlte Leistungen/Krankenkassenleistungen (Auswahl)
Prämiensystem
Grafik 8: Prämiensystem
Haltung gegenüber Massnahmen zur Kostensenkung
Grafik 9: Haltung gegenüber Massnahmen zur Kostensenkung
Aussagen zu Behandlung von seltenen Krankheiten
Grafik 10: Aussagen zu Behandlung von seltenen Krankheiten
Ansichten zur Krebsforschung
Grafik 11: Ansichten zur Krebsforschung
Entscheid Übernahme von teuren Behandlungen
Grafik 12: Entscheid Übernahme von teuren Behandlungen