Kassenleistungen

Generell zeigt sich eine hohe Zufriedenheit mit dem Status quo. Die klare Mehrheit würde den Leistungskatalog der Grundversicherung auf dem heutigen Niveau belassen (63%, –7). Der Wunsch nach einem Ausbau hat gegenüber dem Vorjahr zugenommen (26%, +10) und liegt praktisch wieder auf dem Niveau von 2017. Der Wunsch nach einem Abbau bleibt wie in fast jeder Jahreserhebung sehr tief (5%, ±0).

73 Prozent (–6) wollen das Obligatorium in der Grundversicherung beibehalten. 20 Prozent (+8) sind für eine Einschränkung, 6 Prozent (+4) für eine generelle Abschaffung des Obligatoriums.

Uneinheitlich ist die Entwicklung bei der Frage, welche Leistungen von der Kasse bezahlt werden sollen und welche nicht. Die Stimmberechtigten sind 2019 vermehrt bereit, die Krankenkassen und damit die Allgemeinheit für Leistungen zu bezahlen, bei denen sie in den letzten Jahren zurückhaltend waren. Neben der Drogenabhängigkeit (45% Kassenzahlung, +14) gilt dies insbesondere für die ärztlich verordnete Heroinabgabe (57%, +22), bei der erstmals seit mehreren Jahren wieder eine absolute Mehrheit für die Kassenzahlung votiert. Am wenigsten sind die Befragten bereit, bei Schäden durch Rauchen und Alkohol die Versicherungen zur Kasse zu bitten (41%, +2).

Am besten akzeptiert sind Kassenzahlungen bei seltenen Krankheiten (93%, –6), behinderten Familienangehörigen (90%, –6) und psychischen Beschwerden (85%, –8). Hier ist die Bereitschaft zur Kassenzahlung leicht rückläufig, jedoch nicht so stark, dass nach dem letztjährigen, starken Anstieg wieder das Niveau von 2017 erreicht wäre.

2018 hielten wir fest, dass hinsichtlich Prämiensystem keine Experimente gewünscht werden, was sich auch im Titel des letztjährigen Berichts niederschlug. Das hat sich 2019 teilweise, aber nicht vollständig revidiert. So findet sich keine Mehrheit für eine Anpassung der minimalen und maximalen Franchisen (s. nächstes Kapitel) und auch einkommensabhängige Prämien werden nur minderheitlich goutiert (42%, +8). Zwar stieg ihre Akzeptanz binnen Jahresfrist an, konnte den deutlichen Einbruch von 2018 aber nicht ausgleichen.

Das heutige System mit Kopfprämien und Subventionen für tiefere Einkommen bleibt klar akzeptiert (86% sehr / eher einverstanden, +1).

Die Stimmberechtigen wünschen sich Systeme, von denen sie sich tiefere Prämien erhoffen: Nach einem Einbruch im letzten Jahr sind automatische Massnahmen zur Kostenbegrenzung (63%, +16) und gleichwertige, aber günstigere Behandlungen im Ausland (75%, +23) wieder beliebter. 71 Prozent würden einen Bonus gewähren, wenn Leistungen nicht genutzt wurden. Nach wie vor ist akzeptiert, dass die Krankenkassen Medikamente für Bagatellen nicht vergüten (67%, +2).

Während viele der 2018 festgestellten Veränderungen sich 2019 zumindest teilweise korrigiert haben, gilt dies nicht für die Bereitschaft bei allen individuellen Einschränkungen zur Kostensenkung (Grafik 19).

Nur noch 27 Prozent (–10) sind auf jeden Fall oder je nach Höhe der Kostensenkung bereit, individuell auf die freie Arztwahl zu verzichten. Fast gleich wenige (26%, –6) sind bereit, Kürzungen am Leistungskatalog auf sich zu nehmen. In beiden Fällen sank die Bereitschaft im Vorjahr deutlich, was sich 2019 sogar noch akzentuiert hat. Damit zeigt sich hier eine klare Veränderung auch gegenüber 2017 und den Jahren zuvor. Rückläufig ist die Bereitschaft auch bei der Einschränkung der Therapiefreiheit (47%, –8).

Kontrastiert wird dies jedoch durch die Bereitschaft, auf die freie Spitalwahl zu verzichten (58%, +4) und einen eingeschränkten Zugang zu neuen Medikamenten hinzunehmen (38%, +19). Vor allem bei Letzterem steigt die Bereitschaft zu individuellen Einschränkungen deutlich an.

Weniger klar als im Vorjahr ist, wer über die Übernahme der Kosten bei einem sehr ungünstigen Kosten-Nutzen-Verhältnis entscheiden soll (Grafik 20).

Einzig das Gespann aus Ärztin / Arzt und Patientin / Patient wird klar mehrheitlich genannt (63%, –20). Auch die Ärztinnen und Ärzte alleine (51%, –19) oder eine Kommission aus allen Beteiligten (50%, –17) könnten sich eine knappe Mehrheit der Stimmberechtigten als Entscheidungsträger vorstellen. Bei allen drei ist die Zustimmung aber klar gesunken, ebenso wie bei den Patientinnen und Patienten alleine (40%, –21), welche vor einem Jahr noch klar mehrheitlich in dieser Rolle akzeptiert waren. Vor allem bei letztgenannter Gruppe ist der 2018 gemessene Anstieg überdurchschnittlich stark kompensiert worden. Von allen anderen Gruppen wünscht sich jeweils nur eine Minderheit, dass sie sich am Entscheid beteiligen sollen.

Selbst bezahlte Leistungen / Krankenkassenleistungen
Grafik 16: Selbst bezahlte Leistungen/Krankenkassenleistungen
© gfs.bern, Gesundheitsmonitor 2019
Prämiensystem
Grafik 17: Prämiensystem
© gfs.bern, Gesundheitsmonitor 2019
Verhaltensabhängige Prämienmodelle
Grafik 18: Verhaltensabhängige Prämienmodelle
© gfs.bern, Gesundheitsmonitor 2019
Haltung gegenüber Massnahmen zur Kostensenkung
Grafik 19: Haltung gegenüber Massnahmen zur Kostensenkung
© gfs.bern, Gesundheitsmonitor 2019
Entscheid Übernahme von teuren Behandlungen
Grafik 20: Entscheid Übernahme von teuren Behandlungen
© gfs.bern, Gesundheitsmonitor 2019