Die Thesen

Der Gesundheitsmonitor 2018 war geprägt durch grössere, kurzfristige Verschiebungen. Aus der Erfahrung vermuteten wir, dass es sich um eine leichte Überreaktion auf die politische Diskussion handelte, welche sich 2019 wieder korrigieren würde.

Mit Blick auf die diesjährigen Resultate lässt sich festhalten, dass diese Korrektur für sehr viele der letztmals beobachteten Veränderungen eingetroffen ist. Die grössten kurzfristigen Veränderungen 2019 sind fast ausschliesslich auf diese Korrekturen zurückzuführen, welche teilweise sogar noch über den Stand von 2017 hinausgehen.

So beklagen die Stimmberechtigten wieder verstärkt die individuelle Belastung durch die Krankenkassenprämien und sind offener gegenüber einzelnen potenziell kostensenkenden Massnahmen wie günstigen Behandlungen im Ausland.

Einige letztmals festgestellte Veränderungen haben sich indes nicht oder nur wenig korrigiert beziehungsweise sogar fortgesetzt: Die Stimmberechtigten sind noch weniger bereit, individuell auf die freie Arztwahl zu verzichten oder einen eingeschränkten Leistungskatalog hinzunehmen. Die Experimentierfreude bei Minimal- und Maximalfranchise oder einem einkommensabhängigen Prämiensystem bleibt minderheitlich und die Kritik an einem Festbetragssystem für Medikamente hat weiter zugenommen.

Alle weiteren Erkenntnisse des diesjährigen Gesundheitsmonitors präsentieren wir in Thesenform:

• Die Gesamtzufriedenheit mit dem Gesundheitswesen bleibt sehr hoch. Diese kann – trotz der hohen Kosten – durch die hohe Qualität gerechtfertigt werden. Die wahrgenommene Qualität des Gesundheitswesens ist jedoch abnehmend, wobei es sich um eine graduelle Verschiebung von einer «guten» zu einer «eher guten» Qualität handelt.

• Die Stimmberechtigten wünschen die freie Arztwahl und gewichten den freien Zugang zu Medikamenten, die Qualität und die Quantität höher als die Kostenüberlegungen. Sie präferieren leicht das Prinzip der Gemeinschafts- statt der Eigenverantwortung und neigen dazu, dass die Krankenkassen alle Leistungen statt nur die finanziellen Risiken bezahlt. Bezüglich Bund vs. Kanton sowie Markt vs. Staat herrscht ein Patt.

• Wie im Vorjahr gelten die Ärztinnen und Ärzte vor der Pharmaindustrie als die kompetentesten Akteure im Gesundheitswesen. Das Image der Pharmaindustrie ist mit einer Ausnahme stabil hoch. Vermehrt wird in Zweifel gezogen, dass die hohen Gewinne der Pharmafirmen nötig seien, um die Forschung zu finanzieren.

• Die Stimmberechtigten gehen auch weiterhin von klar zunehmenden Gesundheitskosten und Krankenkassenprämien aus. Grundsätzlich ist man mit der Verteilung der Finanzen einverstanden. Am ehesten würde man mehr Geld in die Medikamentenforschung stecken und bei der Verwaltung der Krankenkassen Mittel einsparen.

• Stabil hält die klare Mehrheit der Stimmberechtigten die Medikamentenpreise für zu hoch. Aktuell verordnete Preissenkungen werden kaum noch wahrgenommen. Sobald es aber um mehr als Bagatellen geht, stehen Wirkung und bestmögliche Behandlung für Mehrheiten im Vordergrund. Praktisch ungeteilt wird auch der wertvolle Beitrag der Medikamentenforschung und der Pharmaindustrie insbesondere zur Bekämpfung von Krebs attestiert. Für die Medikamentenforschung soll namentlich aus Sicht der Jungen sogar mehr Geld investiert werden.

• Die Stimmberechtigten sind mit dem aktuellen Leistungskatalog grundsätzlich zufrieden. Eher würde ein Aus- als ein Abbau gewünscht. Man ist nicht bereit, individuell eine Kürzung des Leistungskataloges oder eine eingeschränkte Ärztewahl in Kauf zu nehmen.

• Das heutige System mit Kopfprämien ist akzeptiert. Vermehrt könnte man sich mit automatischen Massnahmen zur Kostenbegrenzung, günstigeren Behandlungen im Ausland oder Boni auf nichtbezogene Leistungen anfreunden. Einkommensabhängige Prämien scheinen derzeit aber nicht opportun.

Krankenkassenprämien sind noch vor den Steuern das grösste finanzielle Problem für einen Haushalt. Man ist nicht bereit, sich auf Experimente bei den Minimal- und Maximalfranchisen einzulassen. Auch einkommensabhängige Prämien sind derzeit kein Thema.

Publikationen

gfs Gesundheitsmonitor 2019