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28. Oktober 2020

Serie Gesundheitswesen Schweiz 1/3: Wie die Qualität unseres Gesundheitswesens durch Forschung laufend noch weiter gesteigert wird

Das Schweizer Gesundheitswesen wird geschätzt: Über 80 Prozent der Bevölkerung haben einen sehr oder eher positiven Eindruck von der Gesamtsituation. Trotzdem sind Kostendiskussionen immer wieder ein Auslöser für Unmut. Warum Sparmassnahmen oft kontraproduktiv sind – und ein verstärkter Fokus auf Qualität und Forschung die Lösung sein kann.

Das Gesundheitsmonitoring 2019 war in seine Aussage eindeutig: Die Zufriedenheit mit dem Schweizer Gesundheitssystem bleibt sehr hoch. 86 Prozent der Befragten waren sehr oder eher zufrieden – und das trotz starkem medialem Fokus auf die hohen Gesundheitskosten. Die Schweizer Stimmberechtigen scheinen Qualität und Quantität des Gesundheitswesens höher zu gewichten als Kostenüberlegungen. Klar abgelehnt wurden daher gemäss der Studie Einschränkungen oder Experimente zur Kostendämpfung, die eine Minderung der Qualität im Gesundheitssystem zur Folge hätten.

Hohe Zufriedenheit trotz emotionaler Kostendebatte

Der grosse Zuspruch zum Gesundheitssystem scheint widersprüchlich zur aktuellen politischen Debatte rund um die Gesundheitsausgaben. Denn Fakt ist auch, dass die Zunahme der Gesundheitskosten in Form von höheren Krankenversicherungsprämien für viele Familien ein reelles Problem darstellen. Wenn von Kosten in Milliardenhöhe die Rede ist, führt das schnell zu Unverständnis. In Folge wird die Debatte emotional und mit hoher medialer Aufmerksamkeit geführt.

Bei allen berechtigten Sorgen um die Kosten darf aber die Zufriedenheit mit der Qualität des Gesundheitswesens nicht ignoriert werden. Statt diese mit voreiligen Sparprogrammen zu torpedieren, sollte die Debatte versachlicht werden. Nicht die blossen Zahlen sind für die Diskussion relevant, sondern die Wirkung dieser Investitionen und deren Beitrag zu einer gesunden Schweiz.

Statt abstrakter Summen sollte über die Effizienz diskutiert werden

Health Technology Assessments (HTAs), prüfen genau diese Wirkung und helfen damit die Kostendiskussion zu versachlichen. Sie bezeichnen die systematische Bewertung von Gesundheitstechnologien und Organisationsstrukturen, in denen medizinische Leistungen erbracht werden. HTAs können auf der Ebene des Gesundheitssystems eine wichtige Kosten-Nutzen-Abwägung leisten, die die Kosten aus einer gesamt-gesellschaftlichen Sicht betrachten und neben medizinischen und ökonomischen Themen auch ethisch-moralische und volkswirtschaftliche Fragestellungen miteinbeziehen. Damit können sie helfen, die teils abstrakten Summen, die oft genannt werden, in ein besseres Verhältnis zu stellen und zu erklären.

Auch das Bundesamt für Gesundheit führt HTAs durch, berücksichtigt den gesamt-gesellschaftlichen Blickwinkel jedoch oft zu wenig. Denn der Fokus liegt derzeit hauptsächlich auf Arzneimittelkosten, obwohl diese nur 12.1 Prozent der Gesundheitskosten ausmachen und eine Prüfung auf Wirtschaftlichkeit bereits Teil der Preis- und Tarifsetzungen ist. Es wäre daher wünschenswert, wenn bei HTAs ein breiterer und ausgeglichener Themenfokus berücksichtigt werden würde und auch volkswirtschaftliche Fragestellungen konsequent miteinbezogen werden.

Mehr Effizienz durch konsequenten Fokus auf Qualität

Einen stärkeren Fokus auf Qualität fordert auch die «allianz q». Der Think Tank fordert, dass konsequent Qualitätsverbesserungen angestrebt werden, statt kurzfristige Sparmassnahmen ins Zentrum der Bemühungen zu stellen. Denn das könnte die Schweiz einmal teuer zu stehen kommen.

Interdisziplinäre Fachgruppen leisten zudem einen wichtigen Beitrag zur Effizienz- und Qualitätssteigerung. Denn eine verstärkte Zusammenarbeit im Gesundheitswesen sorgt dafür, dass Gelder effizienter investiert werden und die Qualität gesteigert wird. Aus diesem Grund engagiert sich Interpharma zum Beispiel gemeinsam mit andern Gesundheitsakteuren im sogenannten «Do-Tank» santeneXt. Er treibt interdisziplinäre Innovationen voran und setzt sich dafür ein, dass die Schweizer Bevölkerung möglichst schnell davon profitieren kann.

Pharmazeutische Forschung als Innovationstreiber für Qualität

Ein wichtiger Innovationstreiber ist auch die pharmazeutische Forschung. Sie trägt massgeblich dazu bei, dass das Gesundheitswesen effizienter wird und die Qualität noch weiter gesteigert werden kann. In letzter Zeit haben es beispielswese viele hochwirksame Arzneimittel bis zur Marktreife geschafft und konnten damit beachtliche Fortschritte bei der Behandlung verschiedener Krankheiten erzielen. Exemplarisch stehen dafür zum Beispiel die Zell- und Gentherapien.

Diese Innovationen helfen damit in hohem Masse dabei, Kosten zu senken. Sie verkürzen den Heilungsprozess und verursachen weniger Nebenwirkungen. Patienten werden so schneller wieder gesund und können schneller wieder ihrem Erwerbsalltag nachgehen. Auch wenn ein qualitativ hochwertiges Gesundheitssystem also zunächst teurer erscheint, hilft es, Pflegeaufwand und Aufenthaltsdauer zu reduzieren und schliesslich gesamtgesellschaftlich Kosten zu sparen. Daher ist es wichtig, dass Investitionen in ein qualitativ hochwertiges Gesundheitssystem als effiziente Kostensenkungsstrategien verstanden werden.

Unüberlegte Sparrunden blockieren die Wirkung von Innovation

Innovative Entwicklungen können jedoch erst dann ihre effizienzsteigernde Wirkung entfalten, wenn sie allen zur Verfügung stehen. Eine einseitige Kostenfokussierung ist daher gefährlich. Denn sie führt zwangsläufig zu einer Zweiklassenmedizin, in der nur jene Patienten von Innovationen profitieren, die sich Zusatzleistungen finanzieren können. Das verhindert jedoch, dass das gesellschaftliche Potential von medizinischen Innovationen wirklich genutzt werden kann.

Die Qualität der Gesundheitsversorgung muss im Zentrum stehen

Angesichts der zunehmenden Alterung der Bevölkerung und der technologischen Durchbrüche ist eine Kostendiskussion im Schweizer Gesundheitswesen unausweichlich. Doch ein unreflektierter Fokus auf Sparrunden im Gesundheitswesen wird dem Bedürfnis der Gesellschaft nicht gerecht. Stattdessen muss eine gesellschaftliche Diskussion unter Einbezug wissenschaftlicher, ökonomischer, sozialer und ethischer Aspekte geführt werden, die langfristige Lösungen liefert.

Deutlich wird dabei, dass die Qualität der Gesundheitsversorgung und der Patientennutzen im Zentrum stehen muss. Denn Investitionen in die qualitative Weiterentwicklung hilft nicht nur der Gesundheit von Patienten, sondern am Ende auch beim Senken der Kosten im Gesundheitswesen.

Markus A. Ziegler

Mitglied der Geschäftsleitung / Innovation

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Interpharma ist der Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen der Schweiz und wurde 1933 als Verein mit Sitz in Basel gegründet.

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