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6. Juli 2020

Pharmaforschung zur Bewältigung der COVID-Krise (2/5): Urs Vögeli, Managing Director Janssen Schweiz, VP Johnson & Johnson Schweiz

Weltweit leistet die Pharmaindustrie einen beispiellosen Effort zur Krisenbewältigung, sei es in der Forschung und Entwicklung oder in der Produktion und der Sicherstellung der Versorgung der Bevölkerung mit Diagnostika und Medikamenten. Die forschenden Pharmaunternehmen in der Schweiz verfolgen seit Beginn der Corona-Krise die folgenden drei Hauptziele:

  • Die Forschungskapazitäten im Bereich der Impfstoffe, der Diagnostik und der Behandlungsmethoden mobilisieren, um das Coronavirus zu bekämpfen
  • Unterstützung der Behörden und des Gesundheitssystems
  • Die Versorgungssicherheit der Medikamente und die Sicherheit der Patienten gewährleisten.

Auch wenn die Pandemie noch nicht vorbei ist, so haben wir in Europa die heikelste Phase für den Moment überstanden. Diese Krise hat die Stärke der forschenden Schweizer Pharmaindustrie dargelegt und legitime politische Fragen aufgeworfen. Aus Sicht der Pharmaindustrie ist es bei allem Fokus auf die Pandemiebekämpfung wichtig zu betonen, dass der laufende Kampf gegen die Pandemie keine Folge auf die Behandlung von Patienten mit anderen Erkrankungen hat. Auch nach der Krise müssen die Stärken des Forschungsstandortes Schweiz aufrecht erhalten bleiben, wenn unser Land ein führender internationaler Pharmastandort bleiben soll. Wann hat die Pharmaforschung ein wirksames Medikament oder einen Impfstoff gegen COVID-19 entwickelt? Wie ist der Stand der diesbezüglichen Arbeiten? Wie will die Pharmaindustrie sicherstellen, dass die Impfstoffe und Therapien dann rasch für alle Patientinnen und Patienten zugänglich sind? Solche und weitere Fragen beantworten Schweizer CEOs von 5 global führenden Pharmaunternehmen in der Serie «Pharmaforschung zur Bewältigung der COVID-Krise». Heute mit Urs Vögeli, Managing Director Janssen Schweiz, VP Johnson & Johnson Schweiz:

  • Johnson & Johnson ist seit 1958 in der Schweiz aktiv (Cilag Schaffhausen). Heute beschäftig Johnson & Johnson 4’300 Mitarbeitende in acht Kantonen, in den Geschäftssparten Pharma, Medizinaltechik und Consumer.
  • Bei Janssen, der Pharmasparte von Johnson & Johnson , haben wir es uns zum Ziel gesetzt, mit einem 100% Fokus auf innovative Therapien, Krankheiten zu heilen oder zumindest das Leben von Patientinnen und Patienten qualitativ besser zu machen und zu verlängern. Für Forschung und Innovation gibt Johnson & Johnson jährlich weltweit rund 11 Mia aus.
  • Bei Janssen Vaccines in Bern forschen und entwickeln wir in enger Zusammenarbeit mit Forschern aus der ganze Welt an neuartigen Impfstoffen. Wir konzentrieren uns dabei auf Impfstoffe u.a. gegen Ebola, Zika oder Covid-19
  • Bei den aktuellen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für einen Covid-19 Impfstoff können wir auf die Erfahrung der Entwicklung des Ebola Impfstoffes zurückgreifen, welcher bei rund 60k Personen angewandt & kürzlich von der EMA zugelassen wurde. Beim Covid-19 Impfstoff arbeiten wir mit der gleichen Plattform.

Die Forschungsarbeiten für den neuen Covid-19 Impfstoff haben bei Johnson & Johnson am 13. Januar 2020 begonnen, dies nachdem am 10. Januar die genetische Sequenz des neuartigen Virus (SARS-CoV-2) kommuniziert wurde. Wir arbeiten mit einem beschleunigten Zeitplan auf den Start einer klinischen Phase1-Studie am Menschen bis Mitte Juli hin. Während wir den Impfstoffkandidaten testen, stocken wir parallel dazu unsere weltweiten Produktionskapazitäten auf. Wir gehen davon aus, dass klinische Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit des Impfstoffs bis Ende des Jahres verfügbar sein werden. Dadurch könnte die Impfung für den Notfallgebrauch in der ersten Jahreshälfte 2021 zur Verfügung stehen.

  • Janssen Vaccine Bern spielt in der aktuellen Phase der Impfstoffforschung und -entwicklung eine zentrale Rolle innerhalb des JnJ- Netzwerkes für die COVID-19 Impfstoff-Bereitstellung.
    • Herstellung der Zelllinien-Konzentrate, die weltweit an alle Hersteller von Impfstoff versendet werden, die die Johnson & Johnson Zelllinie als Startbasis zur JnJ Impfstoffherstellung verwenden.
    • Abfüllen des Impfstoffes für die klinischen Tests und Organisation eines raschen und sicheren Versandesin einer geschlossenen Kühlkette
    • Strategie-Festlegung und Koordination der weltweiten Behörden-Briefing Dossiers (Scientific advice / briefing books) in Zusammenarbeit mit den regulatorischen Behördengremien. Gemeinsames Festlegen der klinischen und CMC (Chemistry, Manufacturing and Controls) Bedingungen um zu sehen, wo und wie Dinge beschleunigt werden können.  

Und wenn Sie mich jetzt fragen, was Johnson & Johnson braucht, um vom Standort Schweiz diese wichtige Rolle spielen zu können, dann antworte ich gerne mit folgenden Punkten.

  • Eine Impfstoffentwicklung ist ein hochkomplexer Prozess an dem unzählige Experten auf der ganze Welt beteiligt sind. Deshalb ist die globale Zusammenarbeit so wichtig, es geht darum, Zugang zu den besten Fachkenntnissen in einem bestimmten Bereich zu haben. Wissenschaft und Innovation kennen keine nationalen Grenzen.
  • Die beste Prävention für zukünftige Pandemien besteht darin, dafür zu sorgen, dass die Schweiz Innovationen unterstützt und belohnt und dass der freie Waren- und Personenverkehr auch in Zukunft möglich ist.

Zum Schluss: Johnson & Johnson konnte in der Schweiz während der Covid-19-Krise jederzeit sämtliche Nachfragen von Patientinnen und Patienten erfüllen. Dies, weil wir rasch auf alternative Lieferanten zurück greifen konnten, genügend Flexibilität bei Produktion und Vertriebswegen hatten & eng mit allen Partnern im Schweizer Gesundheitswesen zusammengearbeitet haben.

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Interpharma ist der Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen der Schweiz und wurde 1933 als Verein mit Sitz in Basel gegründet.

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