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1. Juli 2021

Mit Zusammenarbeit zum Durchbruch

Möglicherweise ist der Pharmabranche der lang ersehnte Durchbruch im Kampf gegen Alzheimer gelungen. Am Beispiel vom Pharmakonzern Biogen mit internationalem Hauptsitz in der Schweiz kann dreierlei gut gezeigt werden: wie wichtig umfangreiche Investitionen in die Forschung sind, was für einen langen Atem Forscher brauchen und wie die gesamte Gesellschaft von der engen Zusammenarbeit zwischen der akademischen Welt und der Industrie profitieren kann.


Alzheimer ist für forschende Pharmaunternehmen ein besonders schwieriger Gegner. Gefühlt gab es in drei Jahrzehnten Forschung und Entwicklung gegen die Krankheit vor allem Rückschläge zu verzeichnen – zwischen 1998 und 2017 gab es 146 erfolglose Versuche, ein Medikament gegen die häufigste Form von Demenz zu entwickeln. Gleichzeitig leiden weltweit fast 50 Millionen Menschen an Alzheimer und anderen Formen von Demenz und jährlich kommen 10 Millionen Neuerkrankte dazu. In der Schweiz leben heute rund 145’000 Menschen mit Demenz und die Zahl wird Schätzungen zu Folge bis 2050 auf bis zu 315’000 Personen ansteigen. Entsprechend hohe Wellen schlug die Nachricht von der (an Auflagen gebundenen) Zulassung eines neuen Alzheimer-Medikaments durch die US-Arzneimittelbehörde FDA. Es ist die erste neue Alzheimer-Arznei seit fast 20 Jahren und die erste und bisher einzige Behandlung, welche die der Alzheimer-Krankheit zugrunde liegenden Pathomechanismen beeinflusst.

Geduld ist alles

Im Kampf gegen Alzheimer wird es noch viele weitere Studien brauchen. Das Sammeln von Evidenz braucht viel Zeit. Überhaupt gilt: Für die Erforschung und Entwicklung von Medikamenten braucht es nicht nur umfangreiche Investitionen, sondern auch einen sehr, sehr langen Atem. Im Schnitt dauert die Entwicklung eines einzigen neuen Wirkstoffs rund 12 Jahre und führt zu Ausgaben von rund 2.5 Milliarden Franken. Gleichzeitig schafft es von 10’000 getesteten Substanzen im Durchschnitt eine einzige (!) bis zur Zulassung.

Das Beispiel Hepatitis C zeigt, dass der Weg zum Erfolg lang und schwierig ist: Erste Medikamente galten als schwer verträglich, die Behandlungsdauer betrug 48 Wochen und die Heilungsrate betrug bescheidene 41%. Erst nach 20 Jahren intensiver Forschung gelang 2011 der Durchbruch – mit Medikamenten der neusten Generation dauert eine Behandlung heute noch 8 bis 12 Wochen und die Erfolgsrate beträgt 95%.

Auch Scheitern ist Fortschritt

Wir sollten daher keine Angst vor dem Scheitern haben, denn auch ein gescheiterter Versuch bringt zusätzliche Erkenntnis: «Ever tried, ever failed, no matter, try again, fail again, fail better» (Samuel Beckett). Das ist das Mindset forschender Pharmaunternehmen und es ermöglicht bahnbrechende Innovationen. Ebenso unverzichtbar sind allerdings die finanziellen Investitionen, um Jahrzehnte der Forschung und Entwicklung zu ermöglichen. Diese Mittel können nur wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen aufbringen. Ohne Erfolg fehlen die Mittel für Investitionen, was wiederum Innovation erschwert.

Erst gute Standortbedingungen und ein guter Schutz des geistigen Eigentums ermöglichen es, Innovationen zu wagen. Der generierte Umsatz fliesst wiederum in die Entwicklung neuer Arzneimittel – und kommt damit der gesamten Gesellschaft zugute: Vielen Patientinnen und Patienten kann geholfen werden, Behandlungskosten fallen weg, Menschen können im Arbeitsmarkt verbleiben und die Sozialsysteme werden entlastet.

Erfolgreiche Schweizer Innovationszusammenarbeit

Kritiker entgegnen oft, dass die Gesellschaft über Krankenkassenprämien und über Steuern (für Forschungsausgaben an Hochschulen und Universitäten) zweimal für Medikamente zahle. Das erweist sich bei näherer Betrachtung als haltlos, wie etwa am Beispiel des neuen Biogen-Wirkstoffs gegen Alzheimer gezeigt werden kann.

Insgesamt kamen von den Ausgaben für Forschung und Entwicklung in der Schweiz in Höhe von 22.9 Mrd. CHF im Jahr 2019 rund 2/3 aus der Privatwirtschaft. Mit einem Anteil von über 40% an den Ausgaben für die Grundlagenforschung, beteiligt sich die Privatwirtschaft auch massgeblich an der Erarbeitung von neuem Wissen. Die Pharmaindustrie ist der grösste private Investor in Forschung und Entwicklung in der Schweiz und trägt rund ein Drittel der gesamten privaten Investitionen.

Der neue Wirkstoff gegen Alzheimer entstammt einem Forschungsprojekt der Universität Zürich und wurde vom Spin-off Neurimmune entwickelt. Das Biotechnologieunternehmen Biogen, welches 1978 in Genf von einer kleinen Gruppe visionärer Wissenschaftler, darunter auch der Schweizer Charles Weissmann und die späteren Nobelpreisträger Walter Gilbert und Phillip Sharp, gegründet wurde, lizenzierte die Therapie 2007 von Neurimmune und wird den Wirkstoff zukünftig im solothurnischen Luterbach produzieren. Wie der Tages Anzeiger berichtete, ist die Universität als Inhaberin eines wichtigen Patents über eine Lizenzvereinbarung prozentual am Gewinn des Herstellers Biogen beteiligt. Über solche Lizenzvereinbarungen mit Spin-offs und Pharmaunternehmen fliesst somit investiertes Geld an die öffentliche Hand zurück.

Diese Aufgabenteilung bzw. enge Zusammenarbeit zwischen Privaten und der öffentlichen Hand im Bereich Forschung und Innovation ist eine historisch gewachsene Schweizer Erfolgsgeschichte. Ist nun tatsächlich der ersehnte Durchbruch im Kampf gegen Alzheimer gelungen, ist es ein weiteres Beispiel für den erfolgreichen Transfer akademischer Forschung in die Praxis und die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und der Privatwirtschaft.

Für einen erfolgreichen und wettbewerbsfähigen Innovationsstandort Schweiz ist diese partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Akademie, Start-Ups / Spin-Offs und der forschenden Pharmaindustrie ein absolutes Schlüsselelement, weil sie die Stärken aller Akteure verbinden kann. Diese Erfolgsgeschichte gilt es weiterzuschreiben!

Samuel Lanz

Mitglied der Geschäftsleitung / Leiter Kommunikation

+41 79 766 38 86

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