Blogserie zur Jahresmedienkonferenz 2024, Teil 3: Gesundheitswesen Schweiz - Nachhaltigkeit durch Kooperation - Interpharma

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7. Februar 2024

Blogserie zur Jahresmedienkonferenz 2024, Teil 3: Gesundheitswesen Schweiz – Nachhaltigkeit durch Kooperation

Die Herausforderungen im Gesundheitswesen der Schweiz sind gross. Um Probleme zu lösen, müssen alle Akteure zusammenarbeiten. Interpharma als Akteurin im Gesundheitswesen sieht es deshalb auch als ihre Rolle und Verantwortung an, aktiv zur Weiterentwicklung des Gesundheitswesens als Ganzes in der Schweiz beizutragen. Vor diesem Hintergrund hat Interpharma sieben grundlegende Prinzipien für die Weiterentwicklung des schweizerischen Gesundheitswesens erarbeitet. Zwei dieser sieben Prinzipien möchte ich in diesem Beitrag genauer diskutieren.

René Buholzer, Geschäftsführer Interpharma und Delegierter des Vorstands

So gross wie Herausforderungen im Gesundheitswesen der Schweiz sind – Stichworte Fachkräftemangel und Kostenwachstum – so gross sind auch die Erwartungen an das neu gewählte Parlament sowie an die neue Gesundheitsministerin, Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider. Angesichts der demographischen Entwicklung, der stetig steigenden medizinischen Möglichkeiten und den damit verbundenen, zunehmenden Ansprüchen braucht es neue Lösungsansätze, um die Qualität, den Zugang und die Finanzierung des Gesundheitswesens nachhaltig sicherzustellen. 

Die Prinzipien lauten:

  • Gesamtheitliche und nachhaltige Gesundheitspolitik
  • Patientenorientiertes und qualitativ hochstehendes
    Gesundheitswesen
  • Datenbasiertes Gesundheitswesen
  • Forschungsstarkes und innovatives Gesundheitswesen
  • Schneller und gleichberechtigter Zugang
  • Verlässliche Gesundheitsversorgung
  • Eigenverantwortung und Prävention

Interpharma hat zusammen mit ihren Mitgliedern sieben grundlegende Prinzipien erarbeitet, welche uns als Kompass für die Weiterentwicklung des schweizerischen Gesundheitswesens dienen sollen. Wir sehen diese Prinzipien als Ergänzung zu unserer umfassenden Strategie «Pharmastandort Schweiz 2030», welche die übergeordneten Leitlinien für den Pharmastandort skizziert.  Die Reihenfolge dieser Prinzipien ist keine Rangierung – jedes einzelne Prinzip ist von gleichwertiger Bedeutung.

Im Folgenden werde ich die Prinzipien «Gesamtheitliche und nachhaltige Gesundheitspolitik» und «Datenbasiertes Gesundheitswesen» vertiefen.

Erstes Element: Gesamtheitliche und nachhaltige Gesundheitspolitik

Wir sind überzeugt, dass ein zukunftsfähiges Gesundheitswesen zwingend eine «gesamtheitliche und nachhaltige Perspektive einnehmen muss. Davon sind wir unseres Erachtens noch recht weit entfernt. Aktuell dominiert ein Kostenröhrenblick in den einzelnen Silos. Das bringt uns aber nicht weiter. Wir brauchen einen Perspektivenwechsel: Weg von den Kosten der einzelnen Leistungen, also vom Input in das Gesundheitssystem in den einzelnen Silos, hin zur Beurteilung und Honorierung des Outputs, also des Nutzens einer Gesundheitsleistung entlang des gesamten Behandlungspfads. 

Dazu braucht es eine effektive Kooperation und Koordination der Leistungserbringer über das eigene Fachgebiet hinaus, im Optimalfall von Prävention über die Diagnose bis hin zur Heilung.  Die verschiedenen Spezialisten und Fachrichtungen müssen als Team arbeiten, immer mit Blick auf die Optimierung des Nutzens für den Patienten. Ein solcher Ansatz dürfte zu höherer Qualität und zu weniger Doppelspurigkeiten, Fehlern und Komplikationen führen, was letztlich auch zur Kostendämpfung beitragen wird.  

Wenn wir dann noch anfangen, den Nutzen der Behandlung anstelle der konkreten Handlung des Leistungserbringen zu entschädigen, würden wir die Basis legen für einen Qualitätswettbewerb, bei dem die Bedürfnisse der Patienten zwangsläufig wirklich im Mittelpunkt der Anstrengungen der Akteure stehen würden. Die Industrie hat bereits in Preismodellen bei Medikamenten gezeigt, dass sie bereit ist, diesen Weg zu gehen und sich am Nutzen ihrer Medikamente messen zu lassen. Ein solcher Qualitätswettbewerb funktioniert aber nur auf der Basis von standardisierten, systematisch erhobenen Gesundheitsdaten. Das führt direkt zum zweiten Element.

Zweites Element: das datenbasierte Gesundheitswesen

Ein zentraler Bestandteil für die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens in der Schweiz liegt im Aufbau einer landesweiten digitalen Infrastruktur. Erst eine solche Infrastruktur ermöglicht die nahtlose Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen allen Leistungserbringern sowie den Patientinnen und Patienten.  

Heute haben wir drei konkrete Digitalisierungs-Baustellen im Schweizer Gesundheitssystem:

(1) Die systematische und standardisierte Datenerhebung,

(2) die Regeln für die Sekundärnutzung von Daten und

(3) die Governance des Prozesses von der Erhebung und der Sekundärnutzung von Daten. 

Das Programm DigiSanté des Bundesrates, welches gerade in der parlamentarischen Beratung ist, geht diese drei konkreten Herausforderungen an und legt so die Grundlage für das Gesundheitsdatenökosystem. Interpharma unterstützt deshalb den Verpflichtungskredit für DigiSanté. Denn: Die digitale Transformation trägt dazu bei, Bürokratie abzubauen, Effizienzen zu steigern, die Qualität zu verbessern und nachhaltig die Kosten einzudämmen. Das kommt der Bevölkerung und allen Akteuren im Gesundheitswesen zugute.  

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens ebnet aber auch den Weg für Innovation in der Forschung. Die Sekundärnutzung von Gesundheitsdaten ermöglicht zum Beispiel, bisher wenig erforschte Krankheiten besser zu verstehen. Dieses Wissen aus Daten unterstützt die Entwicklung neuer innovativer Therapien. Damit dies möglich ist, braucht es einheitliche Standards sowie effiziente und sichere Schnittstellen für die erfassten Daten und einen klaren rechtlichen Rahmen, wie diese Daten weiterverwendet werden dürfen. 

In Bezug auf DigiSanté fordern wir eine zügige Umsetzung, starke Koordination und politische Führung durch den Bund und den Einbezug von Erfahrungen aus bestehenden Projekten.  Im Zentrum steht für die forschende Pharmaindustrie die Sekundärnutzung von Daten, die in Paket 4 von DigiSanté angegangen werden soll. Hierfür braucht es einen klaren rechtlichen Rahmen, wie er mit dem Rahmengesetz für die Sekundärnutzung von Daten geschaffen werden soll. Denn: Der aktuelle Rechtsrahmen gleicht einem Flickenteppich. Dazu haben wir uns in den vergangenen Jahren an verschiedener Stelle geäussert, unter anderem ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben und gemeinsam mit der akademischen Sozialforschung ein Inputpapier zum Rahmengesetz für die Sekundärnutzung von Daten vorgelegt.

Wichtig ist festzuhalten, dass Verwaltung und Politik mindestens ein gleich grosses Interesse daran haben sollten, Daten sekundär nutzen zu können. Mit Hilfe dieser Daten können rasch bessere, d.h. faktenbasierte, Entscheide getroffen werden. Besonders für die Steuerung in Krisen ist das wichtig, wie wir während COVID lernen mussten.  Vor diesem Hintergrund muss das Humanforschungsgesetz rasch revidiert werden. Denn aktuell trägt es der Digitalisierung nicht Rechnung. Das Humanforschungsgesetz sollte aber die Forschung mit Gesundheitsdaten ermöglichen und Rechtssicherheit schaffen.  

Leider liegt die Schweiz in punkto Digitalisierung im internationalen Vergleich auf den hinteren Rängen. Um den Rückstand aufzuholen, muss die Schweiz die digitale Transformation des Gesundheitswesens rasch vorantreiben und in den Aufbau eines vernetzten Gesundheitsdatenökosystems investieren. Es ist höchste Zeit für ein Aufbrechen der Silo-Strukturen. Damit machen wir das Schweizer Gesundheitswesen fit für die Zukunft und können den Patientinnen und Patienten eine gute Versorgung bieten. 

Als bedeutende und erfahrene Akteurin im Gesundheitswesen – Interpharma feierte 2023 das 90-Jahre-Jubiläum – sehen wir es als unsere Rolle und Verantwortung, aktiv zur Weiterentwicklung des Gesundheitswesens in der Schweiz beizutragen. Nun gilt es nach vorne zu schauen und nicht sich zurückzulehnen. Alle Akteure des Gesundheitswesens sind gefordert. Wir hoffen, dass unsere Prinzipien die eine oder andere Diskussion in diese Richtung anstossen.

Georg Därendinger

Mitglied der Geschäftsleitung / Leiter Kommunikation

+41 79 590 98 77

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Interpharma ist der Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen der Schweiz und wurde 1933 als Verein mit Sitz in Basel gegründet.

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