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4. Juli 2019

Ein möglicher Hebel gegen Parkinson

Anhäufungen bestimmter Eiweisse (Proteine) spielen eine Rolle für Parkinson und weitere neurodegenerative Erkrankungen. Ein Forscherteam unter Zürcher Leitung hat einen Mechanismus entdeckt, der längerfristig neue Behandlungsoptionen eröffnen könnte.

Im Fokus der jüngsten Untersuchung stehen Anhäufungen des Proteins Alpha-Synuclein. Nach heutigem Wissen können diese Anhäufungen von Gehirnzelle zu Gehirnzelle wandern und damit zum Fortschreiten von Parkinson und weiteren neurodegenerativen Erkrankungen beitragen. Diese Anhäufungen haben Ähnlichkeit zu den Plaques, die für die Alzheimer-Krankheit mit verantwortlich gemacht werden, wie Paola Picotti, Professorin für die Biologie von Proteinnetzwerken an der ETH Zürich, sagt: «Die von uns bei Parkinson untersuchten Anhäufungen und die Alzheimer-Plaques haben physikochemische und strukturelle Ähnlichkeiten. Sie unterschieden sich aber im Aufenthaltsort und im Inhalt: Alpha-Synuclein ist der Hauptbestandteil der Lewy-Körperchen, die man in krankhaften Gehirnzellen findet. Dagegen bestehen die Alzheimer-Plaques hauptsächlich aus Tau-und Beta-Amyloid-Proteinen.»

Abbau der gefährlichen Anhäufungen

Das Forscherteam um Prof. Picotti hat nun in Zellkulturen genauer untersucht, wie die Anhäufungen von Alpha-Synuclein in Nervenzellen entstehen und sich von Zelle zu Zelle fortbewegen. Darüber hinaus haben die Wissenschaftler einen natürlichen Zellmechanismus entdeckt, der die Protein-Anhäufungen abbaut. Dieser Abbauprozess erfolgt über den Proteinkomplex SCF und könnte künftig eine zentrale Bedeutung für die Entwicklung neuer Therapieansätze einnehmen, weil damit die Anhäufungen von Alpha-Synuclein aufgelöst und so deren Gefährlichkeit möglicherweise entschärft werden kann. In seiner normalen, nicht-angehäuften Form ist das Protein nämlich nicht nur nicht krankmachend, sondern von zentraler Bedeutung für das Funktionieren des Gehirns. Über ihre Erkenntnisse haben die Forscher von ETH Zürich, Universitätsspital Zürich und der Universität San Diego (Kalifornien) kürzlich in der Fachzeitschrift ‹Science Translational Medicine› berichtet.

Potenzial für neue Therapie

Die jüngster Erkenntnisse ermöglichen nicht unmittelbar die Entwicklung einer neuen Behandlung für Gehirnkrankheiten wie Parkinson, sie könnten aber langfristig neue Therapien hervorbringen, wie ETH-Professorin Paola Picotti ausführt: «Mit dem SCF-Proteinkomplex haben wir einen Faktor entdeckt, der die Anhäufungen von Alpha-Synuclein innerhalb der Nervenzellen verhindert. Damit wird auch die Ausbreitung dieser gefährlichen Anhäufungen über die Nervenzellen reduziert. Der nächste Schritt in Richtung neuer therapeutischer Optionen wäre nun die Suche nach Wegen, um die Menge bzw. die Aktivität dieses Faktors zu erhöhen oder in den Gehirnzellen zumindest zu stabilisieren.» Zur Zeit sei man noch weit von einer Therapie für Patientinnen und Patienten entfernt, sagt Prof. Picotti. So müsse die Forschung erst noch zeigen, ob sich mit SCF die Parkinson-Krankheit tatsächlich zurückdrängen lässt. «Doch die Entdeckung jedes Faktors, mit dem wir pathologische Zustände beeinflussen können, hat das Potenzial, neue Therapiewege zu eröffnen», sagt Picotti.

Sabrina Rossi

Public Policy & Project Manager

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