Die Wirkung von pharmazeutischen Innovationen auf die Krankheitskosten: Eine gesamtheitliche Betrachtung - Interpharma

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19. Mai 2022

Die Wirkung von pharmazeutischen Innovationen auf die Krankheitskosten: Eine gesamtheitliche Betrachtung

Die gesellschaftlichen Kosten einer Krankheit sind vielseitig und müssen differenziert betrachtet werden. Man kann zwischen direkten, indirekten und intangiblen Kosten unterscheiden. Die gesamten gesellschaftlichen Kosten einer Krankheit bestehen letztlich aus der Summe dieser Kosten. Neue und innovative Arzneimittel können sich auf alle drei Kostenarten auswirken. Eine Studie der Columbia University (Lichtenberg 2022) zeigt, dass Arzneimittelinnovationen in der Schweiz die Sterblichkeit reduzieren, Krankenhausaufenthalte senken und zu grossen Einsparungen im Gesundheitswesen führen.

Die Belastungen durch Krankheiten treffen in erster Linie die direkt erkrankten Menschen. Das Leid für die Betroffenen ist meist unvorstellbar gross und auch das persönliche Umfeld trägt die Folgen der Krankheit mit. Herausfordernd sind auch die die Auswirkungen auf das Gesundheitssystem. So entstehen für die Krankenversicherer medizinische Behandlungskosten oder für Arbeitgeber Produktivitätsverluste. Bei den Kosten einer Krankheit kann deshalb unterschieden werden zwischen den direkten Kosten (medizinische und nicht-medizinische Behandlungskosten), den indirekten Kosten (verloren gegangene Ressourcen) und den intangiblen Kosten (reduzierte Lebensqualität). Die Summe dieser drei Kostenarten ergeben schliesslich die gesamten gesellschaftlichen Kosten einer Krankheit.

Quelle: Polynomics (2020), Gesellschaftliche Betrachtung der Krankheitskosten.
 

Arzneimittelinnovationen sind eine Form von Behandlungsinnovationen und können Auswirkungen auf alle drei Kostenarten haben. Im Allgemeinen steigen bei einer Innovation die direkten Behandlungskosten, während die indirekten und die intangiblen Kosten sinken. Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht ist besonders interessant, ob die Gesamtkosten sinken. Die Entwicklung der Zusammensetzung der Gesamtkosten ist dabei zweitranging.

Quelle: Polynomics (2020), Gesellschaftliche Betrachtung der Krankheitskosten.
 

Eine im Jahr 2022 publizierte Studie der Columbia University zeigt am Beispiel der Schweiz, dass neue innovative Medikamente wohl Auswirkungen auf alle drei Kostenarten haben. Lichtenberg (2022) analysiert den Zusammenhang zwischen pharmazeutischer Innovation und der vorzeitigen Sterblichkeit durch Krankheiten sowie Hospitalisierungen. Die Resultate zeigen, dass neue und innovative Medikamente in der Schweiz negativ mit der vorzeitigen und krankheitsbedingten Sterblichkeit assoziiert sind. Auch das Verhältnis von pharmazeutischer Innovation und Krankenhausauenthalten sowie die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus hängt negativ miteinander zusammen und führt zu grossen Einsparungen im Schweizer Gesundheitswesen.

Lichtenberg (2022) analysiert den Zusammenhang zwischen pharmazeutischer Innovation und vorzeitiger Sterblichkeit im Zeitraum 1996–2018 und den Zusammenhang mit der Spitalinanspruchnahme während dem Zeitraum 2002–2019, unter dem Einbezug aller Krankheiten in der Schweiz. Es wird untersucht, ob Krankheiten, bei denen mehr innovative Medikamenten zur Verfügung stehen, eine tiefere vorzeitige Mortalität und weniger Krankenhauseinweisungen erzielen. Die pharmazeutische Innovation wird anhand der Anzahl neu verfügbarer Medikamente bestimmt, die zur Behandlung aller in der Schweiz registrierten Krankheit verwendet werden.

Die Analysen zeigen, dass die Anzahl potenziell verlorener Lebensjahre signifikant umgekehrt proportional zur Anzahl der Medikamente ist, die neu zwischen 1990 bis 2011 in der Schweiz auf den Markt gekommen sind. Diese sind mit einer Verringerung der potenziell verlorenen Lebensjahre vor dem 85., 75. und 65. Lebensjahr im Jahr 2018 um 257’000, 163’000, respektive 102’000 Lebensjahren verbunden. Konkret haben Arzneimittel, die zwischen 1990 – 2011 in der Schweiz neu auf den Markt kamen, die Mortalität bei unter 85-Jährigen um etwa ein Drittel reduziert.

Die Anzahl der Krankenhaustage ist ebenfalls stark umgekehrt proportional zur Anzahl neuer und innovativer Medikamente, die im Zeitraum von 1994 bis 2010 neu in der Schweiz registriert wurden. Diese Arzneimittel sind mit einer Reduktion der Krankhenhaustage in 2019 von 2.07 Millionen Tagen assoziiert. Dies bedeutet, dass Menschen aufgrund von neuen Arzneimitteln im Jahr 2019 etwa zwei Millionen weniger Tage im Krankenhaus verbringen mussten.

Ferner ist die durchschnittliche Dauer stationärer Krankenhausaufenthalte umgekehrt proportional zur Anzahl neuer und innovativer Medikamente, die zwischen 1999 bis 2005 neu auf den Markt gelangten. Diese sind mit einer Reduktion der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer im Krankenhaus im Jahr 2019 von 0.4 Tagen verbunden.

Die Kosten pro Lebensjahr in der Gruppe der unter 85-Jährigen wird im Jahr 2018 auf etwa € 14’310 geschätzt. Jedoch können 85% der Arzneimittelausgaben durch eine Reduktion der Ausgaben für stationäre Heil- und Rehabilitierungsbehandlungen kompensiert werden. Die Nettokosten pro Lebensjahr lassen sich deshalb auf etwa € 2’200 beziffern.

Quelle: Darstellung durch Interpharma mit Datengrundlage: Lichtenberg, Frank (2022): The association between pharmaceutical innovation and both premature mortality and hospital utilization in Switzerland, 1996–2019. Swiss Journal of Economics and Statistics (2022), 158:7.

Konkret haben Arzneimittel, die zwischen 1990 und 2011 in der Schweiz neu auf den Markt kamen, die Mortalität bei unter 85-Jährigen um etwa ein Drittel reduziert. Ferner zeigt Lichtenberg (2022), dass Arzneimittelinnovationen, die zwischen 1994 und 2010 auf den Markt gelangten, dazu geführt haben, dass Menschen zum Beispiel im Jahr 2019 über zwei Millionen Tage weniger im Krankenhaus verbringen mussten. Die Einsparungen durch weniger Krankenhausaufenthalte lassen sich im selben Jahr auf über drei Milliarden Franken beziffern. Eine grosse Entlastung, nicht nur für das Schweizer Gesundheitswesen, sondern und auch für die Patientinnen und Patienten in der Schweiz.

Samuel Lanz

Mitglied der Geschäftsleitung / Leiter Kommunikation

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