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11. Oktober 2021

Die Schweiz ist am innovativsten – aber wie lange noch?

Der Global Innovation Index 2021 zeigt: Die Schweiz bleibt auch 2021 das innovativste Land der Welt, nicht zuletzt dank der Pharmaindustrie. Ein Blick in den Report macht aber auch deutlich, dass die Schweiz intensiv an den Rahmenbedingungen arbeiten muss, damit sie Spitze bleibt.

Im Global Innovation Index 2021 grüsst die Schweiz von Platz 1 – wie jedes Jahr seit 2011. An dieser wiederholten Spitzenplatzierung hat die forschende Pharmaindustrie der Schweiz einen wesentlichen Anteil: Pharmaunternehmen arbeiten eng mit Startups und den Hochschulen zusammen und bilden damit ein eigentliches Innovationsgeflecht. Zudem investiert die Privatwirtschaft jährlich 15.5 Mrd. Franken in die Forschung in der Schweiz – mit einem Anteil von 33% an den Forschungsausgaben ist die Pharmaindustrie der grösste private Investor. Die Pharma- und Biotechbranche investiert 15.4% des Umsatzes direkt wieder in Forschung und Entwicklung neuer Produkte. Keine andere Branche erreicht dieselbe hohe Forschungsintensität.

Abbildung 1: Durchschnittliche Forschungs- und Entwicklungsintensität, 2019. Quelle: Europäische Kommission, The 2020 EU Industrial R&D Investment Scoreboard (2021).

So weit, so gut. Bei einem tiefergehenden Blick in den Report wird aber schnell deutlich, dass der Schweizer Forschungs- und Innovationsstandort den Platz an der Sonne nicht auf ewig gepachtet hat. Sich auf den Lorbeeren auszuruhen, wird rasch ein Zurückfallen der Schweiz gegenüber der internationalen Konkurrenz zur Folge haben: Staaten wie das regelmässig auf Platz 2 landende Schweden oder das aufstrebende Südkorea (von Platz 10 in 2020 vorgerückt auf Platz 5) laufen der Schweiz in verschiedenen Bereichen den Rang ab und machen unserem Land den Ruf als führender Innovationsstandort zunehmend streitig.

Schweiz ist ein «Output Overperformer»

Stark schneidet die Schweiz im internationalen Vergleich insbesondere beim Wissens- und Technologieoutput (Rang 1) ab. Betrachtet man den Durchschnitt der «Top 10»-Staaten in Europa, sticht die Schweiz insbesondere outputseitig heraus – also bei jenen Indikatoren, die das Ergebnis innovativer Aktivitäten in der Wirtschaft messen (z.B. Patente). Etwas überdurchschnittlich erweist sich die Schweiz auch bei wirtschaftlichen Rahmenbedingungen oder der Infrastruktur («Input-Faktoren der Innovation»).

In den Bereichen «Institutionen» und «Humankapital und Forschung» liegt die Schweiz aber «nur» im Durchschnitt der «europäischen Top 10». Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Schweiz ein «Output Overperformer» ist – sie schafft also aus den zur Verfügung stehenden Rahmenbedingungen überdurchschnittlich grossen Mehrwert in Form von Innovationen. Sie tut das seit Jahren so gut wie kein anderes Land. Allerdings hat die Schweiz Input-seitig, also bezogen auf die (wirtschaftlichen oder institutionellen) Rahmenbedingungen, welche Innovation ermöglichen oder erleichtern sollen, im Vergleich zu den Vorjahren verloren und ist auf Rang 4 abgerutscht. Dafür gibt es verschiedene Gründe.

Abbildung 2: Rangierung der Schweiz in den verschiedenen untersuchten Bereichen.
Quelle: Global Innovation Index 2021.

Schweiz muss bei Rahmenbedingungen besser werden

Erstens zeigen Indikatoren zum Regulierungsumfeld, dass Bürokratie zunehmend zum Problem wird. Dieser institutionelle Bereich ist denn auch die grösste Schwäche der Schweiz (Platz 13). Der Handlungsbedarf ist seit Jahren bekannt und nimmt stetig zu.

Zweitens gehört die Schweiz im Bereich Infrastruktur mit Platz 2 zwar zur Weltspitze. Auf den zweiten Blick entspricht insbesondere Rang 36 beim E-Government aber nicht den Erwartungen an eine Innovations-Leaderin – Gesundheitsdatenökosystem und Co. lassen grüssen. Und mit Rang 6 gäbe es auch im Bereich «Humankapital und Forschung» Luft nach oben – dies gilt besonders bei den MINT-Fächern.

Der Anspruch der Schweiz sollte in all diesen Bereichen die Nummer 1 sein. Denn ein hohes Bildungsniveau, günstige Rahmenbedingungen und die daraus resultierende Innovationskraft sind der eigentliche «unique selling point», den unser Standort zu bieten hat. Wenn die innovativen Köpfe dieser Welt sich für ihre Forschung, ihre Projekte und ihre Startups nicht mehr unser kleines Land aussuchen, sondern abwandern, ist die wertvollste Ressource der Schweiz schlagartig gefährdet. Wenn die Schweiz auch in den kommenden Jahren an der Spitze des Rankings bleiben will, muss sie entsprechend hart daran arbeiten, ihre Rahmenbedingungen besser zu machen.

Ein Bild, das Licht, Verkehr, schließen enthält.

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Abbildung 3: Global innovation index, 2013-2020. Quelle:  WIPO et al. (2020), Global Innovation Index 2020.

Dr. René P. Buholzer

Geschäftsführer

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