Blogserie “Wer finanziert Medikamente?”, Teil 3: Keine Innovation ohne private Investitionen - Interpharma

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2. August 2022

Blogserie “Wer finanziert Medikamente?”, Teil 3: Keine Innovation ohne private Investitionen

Dank der schnellen Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen war eine starke und wirksame Antwort auf die COVID-Pandemie möglich. Kritiker argumentieren, die Gesellschaft zahle doppelt für medizinische Innovationen: Zuerst über die Steuern für die staatliche Forschung und im Anschluss über die Krankenkassenprämien für die Beschaffung dieser Innovationen – so auch bei COVID-Arzneien und -Impfstoffen. Doch welcher Anteil an den Forschungsausgaben wird tatsächlich von der Allgemeinheit finanziert? Wir machen den Faktencheck – in Teil 3 nehmen wir die Forschungsausgaben genau unter die Lupe.

Der Vorwurf wiegt schwer: Während der COVID-Pandemie ist zu hören, dass Impfstoffhersteller hohe Gewinne einfahren, während die Allgemeinheit zuvor etwa über Steuergelder die Grundlagenforschung an diesen Technologien finanziert habe und nun noch für die Beschaffung der Wirkstoffe bezahlen müsse. In Teil 2 unserer Serie haben wir gesehen, dass das im Falle von COVID-19 definitiv nicht zutrifft – öffentliche Investitionen in die Impfstoffprojekte machten einen Bruchteil des privaten Kapitals aus und waren letztlich nicht matchentscheidend. Hunderte Medikament- und Impfstoffprojekte scheiterten ausserdem bereits in einer frühen Phase. Doch wie sieht es ausserhalb von COVID aus? Aus den nachfolgenden Berechnungen des Bundesamts für Statistik lassen sich interessante Schlüsse ziehen.

Matchentscheidend sind private Investitionen

Ein Blick auf die Schweiz zeigt: Insgesamt kamen von den Gesamtausgaben für Forschung und Entwicklung in der Schweiz in Höhe von 22.9 Mrd. CHF im Jahr 2019 rund zwei Drittel aus der Privatwirtschaft. Die privaten Unternehmen beteiligen sich mit rund 4 Mrd. CHF oder einem Anteil von 44 Prozent massgeblich an der Grundlagenforschung in verschiedensten Forschungsgebieten. Damit investiert die Privatwirtschaft fast ein Drittel ihres Forschungsbudgets in die Erforschung von neuem Wissen.

Die Pharmaindustrie ist der grösste private Investor in Forschung und Entwicklung in der Schweiz und trägt allein rund einen Drittel der gesamten privaten Investitionen. Allein 2021 flossen von den pharmazeutischen Unternehmen rund 8.9 Milliarden Franken in den Schweizer Forschungsplatz. Damit investiert allein die Pharmabranche mehr Geld in die Forschung als der Bund in den gesamten Forschungsplatz (ca. 7.3 Milliarden).

 Abbildung 1: Die Pharmabranche investiert mehr als der Bund in den gesamten Forschungslatz. Quelle: BFS, GBARD (2022).

Damit kommen deutlich mehr Forschungsgelder aus der Privatwirtschaft als vom Bund. Und auch bei den öffentlichen Forschungsgeldern, die also rund einen Drittel der gesamten Investitionen ausmachen, lohnt sich ein detaillierterer Blick: Denn öffentliche Gelder sind letztlich Steuergelder, und jene stammen nicht nur von natürlichen Personen (45%), sondern mehrheitlich auch von juristischen Personen, also den Unternehmen (55%). Hier gehören Pharmaunternehmen wie Roche oder Novartis laut der Handelszeitung zu den grössten Steuerzahlern der Schweiz und kommen damit indirekt nochmals für einen bedeutenden Teil der Gelder auf, die schliesslich in den Forschungsstandort Schweiz fliessen.

Abbildung 2: Ausgaben für Forschung und Entwicklung in der Schweiz, 2019. Quelle: Bundesamt für Statistik (2021).
Abbildung 3: Ausgaben für Forschung und Entwicklung in der Privatwirtschaft, 2019. Quelle: Bundesamt für Statistik (2021).

Private gehen hohe, aber wertvolle Risiken ein

Eine Studie hat die privaten und staatlichen Ausgaben in den USA für den Zeitraum zwischen 2000 und 2020 untersucht. Sie zeigt, dass die Pharmaunternehmen der USA in diesem Zeitraum 44.2 Milliarden Dollar in die Medikamentenforschung investierten. In der gleichen Zeitspanne investierte die öffentliche Hand 670 Millionen oder gerade mal 1.5% der Forschungsausgaben der Pharmaunternehmen. Dabei spielten weder das Indikationsgebiet (vgl. Abb. 3) eine Rolle noch die Frage, ob ein Medikament auf dem Markt zugelassen wurde oder nicht (vgl. Abb. 4). Das verdeutlicht, dass pharmazeutische Innovationen ohne privates Risikokapital nicht realisierbar wären – Firmen und private Investoren gehen hohe Risiken ein, die sich aber als unschätzbar wertvoll für die Allgemeinheit erweisen können.

Abbildung 4: In allen Indikationsgebieten übertreffen private Investitionen die Gelder der öffentlichen Hand stark. Quelle: Vital Transformation; Who Develops Medicines?: An Analysis of NIH Grants (2021).

Abbildung 5: Auch bei Medikamenten, die keine Marktzulassung erhielten, überwogen private Investitionen deutlich, was das Risiko unterstreicht. Quelle: Vital Transformation; Who Develops Medicines?: An Analysis of NIH Grants (2021).

Damit wird deutlich, dass der Vorwurf, der Staat bzw. die Gesellschaft würden die Entwicklung pharmazeutischer Produkte zu grossen Teilen mitfinanzieren, falsch ist: Matchentscheidend sind und bleiben die Investitionen von Firmen und privaten Investoren. Dass überdies bedeutende Beträge aus dem Umsatz erfolgreicher pharmazeutischer Produkte an die Gesellschaft zurückfliessen, sehen wir in Teil 4 dieser Serie.


Alle Teile dieser Serie lesen:

Teil 1: COVID-19-Impfstoffe – Ein Erfolg mit Schattenseiten?

Teil 2: mRNA – älter als gedacht

Teil 3: Keine Innovation ohne private Investitionen

Teil 4: Pharmazeutische Innovationen kommen der Allgemeinheit zugute

Teil 5: Bewährte Innovationskooperation zum Wohle aller

Samuel Lanz

Mitglied der Geschäftsleitung / Leiter Kommunikation

+41 79 766 38 86

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Interpharma ist der Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen der Schweiz und wurde 1933 als Verein mit Sitz in Basel gegründet.

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