Blogserie Patientenzugang, Teil 1: Kosten und Nutzen innovativer Medikamente – ganzheitlich betrachtet - Interpharma

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28. April 2022

Blogserie Patientenzugang, Teil 1: Kosten und Nutzen innovativer Medikamente – ganzheitlich betrachtet

Die gesellschaftlichen Kosten einer Krankheit haben vielseitige Aspekte – genauso wie der Nutzen innovativer Medikamente und Therapien. Bei der Diskussion um Medikamenten- und Gesundheitskosten ist es daher wichtig, das Gesamtbild zu betrachten. Obschon viele Innovationen auf den ersten Blick «teuer» daherkommen, können sie unter dem Strich nicht nur Leben retten, sondern auch die gesellschaftlichen Gesamtkosten einer Krankheit massiv senken – sofern der Patientenzugang gewährleistet ist.

Das Leben aller Patientinnen und Patienten zu verbessern, ist ein grosser Motivationstreiber von Forschenden in der pharmazeutischen Industrie. Auch wenn noch viel zu tun bleibt: Die Forschung hat in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht. Das bedeutet aber auch, dass Medikamente und Therapien immer komplexer werden. Das schlägt sich in den Kosten für Forschung und Entwicklung (F&E) nieder: Vom Labor bis zum marktreifen Medikament dauert es im Schnitt 12 Jahre und die durchschnittlichen Kosten betragen 2.5 Milliarden Dollar. Zudem ist die Forschung mit grossen Risiken verbunden: nur einer von zehn Wirkstoffen, welcher die Phase der klinischen Studien erreicht, gelangt letztendlich auf den Markt.  Weil die Pharmabranche zu den mit Abstand forschungsintensivsten Bereichen gehört, müssen innovative Medikamente die nötigen Einnahmen generieren, um die hohen Ausgaben für F&E sowie für Investitionen in nicht erfolgreiche Moleküle auszugleichen. Daher führt der Preis von sehr komplexen und innovativen Arzneimitteln immer wieder zu grossen medialen und politischen Diskussionen. Das ist legitim. Wichtig ist allerdings, nicht nur isolierte Teilaspekte zu betrachten, sondern das ganze Bild anzuschauen und in der Rechnung abzubilden.

Wie berechnen sich die Kosten einer Krankheit?

Die Belastungen durch Krankheiten treffen in erster Linie die direkt erkrankten Menschen: Das Leid für die Betroffenen ist meist sehr gross und auch das persönliche Umfeld trägt die Folgen einer Krankheit mit. Herausfordernd sind auch die die Auswirkungen auf das Gesundheitssystem. So entstehen für die Krankenversicherer medizinische Behandlungskosten oder für Arbeitgeber Produktivitätsverluste, weil Arbeitnehmende krankheitsbedingt ausfallen. Bei den Kosten einer Krankheit kann deshalb unterschieden werden zwischen den direkten Kosten (medizinische und nicht-medizinische Behandlungskosten), den indirekten Kosten (aufgrund verlorengegangener Ressourcen bei Patienten und Angehörigen, z.B. Arbeitszeit) und den intangiblen Kosten (reduzierte Lebensqualität). Die Summe dieser drei Kostenarten ergibt schliesslich die gesamten gesellschaftlichen Kosten einer Krankheit.

Quelle: Polynomics (2020), Gesellschaftliche Betrachtung der Krankheitskosten.

Innovative Arzneimittel sind eine Form von Behandlungsinnovationen und können entsprechende Auswirkungen auf alle drei Kostenarten haben: Im Allgemeinen steigen bei der Markteinführung einer Innovation die direkten Behandlungskosten, während die beiden anderen Kostenarten sinken. Aus gesellschaftlicher Sicht ist schlussendlich die Entwicklung der totalen Kosten entscheidend. Die konkrete Zusammensetzung dieser Gesamtkosten ist dabei zweitranging: Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht können pharmazeutische Innovationen die Gesamtkosten einer Krankheit senken, selbst wenn die direkten Behandlungskosten aufgrund es Preises eines neuen Medikaments steigen – wenn etwa gleichzeitig die indirekten und die intangiblen Kosten massiv sinken; die Patienten erhalten etwa deutlich mehr Lebensqualität, sind nicht mehr pflegebedürftig oder können sogar wieder einer Arbeit nachgehen. Wissenschaftliche Studien belegen denn auch für die Schweiz, dass mehr Innovationen zu sinkender Sterblichkeit und weniger Hospitalisationen führen.[1] Das resultiert wiederum in grossen Einsparungen für das Gesundheitssystem.

Quelle: Polynomics (2020), Gesellschaftliche Betrachtung der Krankheitskosten.

Der Nutzen innovativer Medikamente

Damit wird offensichtlich, welchen Nutzen innovative Therapien haben. Hier lassen sich ebenfalls mehrere Ebenen unterscheiden: Erstens profitieren Patientinnen und Patienten direkt von der Chance auf Heilung, einer rascheren Genesung oder einer besseren Lebensqualität, die innovative Medikamente im Vergleich zu herkömmlichen Behandlungen mit sich bringen. Zweitens profitiert die Gesellschaft von solchen Innovationen: Verkürzte und verbesserte Heilungsprozesse reduzieren die Behandlungs- sowie Pflegekosten und die Patientinnen und Patienten können rascher an den Arbeitsplatz zurückkehren. Anstatt dauerhaft auf Betreuung angewiesen und im Alltag stark eingeschränkt zu sein, können viele Patientinnen und Patienten wieder von voller Lebensqualität profitieren und sich wieder in den Arbeitsmarkt integrieren. Die Sozialwerke werden damit entlastet. Letztlich profitiert auch die Volkswirtschaft, da neue Medikamente Reinvestitionen in Forschung und Entwicklung ermöglichen. Das schafft Arbeitsplätze, generiert Wertschöpfung und höhere Steuereinnahmen.

Tatsache ist aber auch, dass ein innovatives Medikament einer betroffenen Person nur dann etwas bringen kann, wenn sie auch Zugang dazu hat – sprich, wenn das Medikament nicht nur geprüft und zugelassen ist, sondern über die Obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) vergütet wird. Wie wir im nächsten Teil der Serie sehen werden, bestehen hier aber ernsthafte Probleme.


[1] Quelle: Lichtenberg, Frank (2022): The association between pharmaceutical innovation and both premature mortality and hospital utilization in Switzerland, 1996–2019. Swiss Journal of Economics and Statistics (2022), 158:7.

Dr. René P. Buholzer

Geschäftsführer

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