Blogserie Gesundheitsmonitor – Teil 8: Nach der Pandemie ist vor der Pandemie. - Interpharma

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19. August 2022

Blogserie Gesundheitsmonitor – Teil 8: Nach der Pandemie ist vor der Pandemie.

In den vorherigen Teilen dieser Blogserie haben wir Ihnen einzelne Aspekte und Standpunkte zum Schweizer Gesundheitswesen vorgestellt. Die Pandemie war das bestimmende Thema der vergangenen beiden Jahre. Jetzt gilt es den Blick nach vorne zu richten und keine Zeit zu verschlafen: Das Gesundheitswesen muss für die Zukunft fit gemacht werden.

Vor über zwei Jahren kam das Coronavirus SARS-CoV-2 in die Schweiz. Seitdem bestimmte die Corona-Pandemie nicht nur die Gesundheitspolitik, sondern war – mal mehr, mal weniger stark – durch die diversen Massnahmen sichtbar Bestandteil des Alltags und nahm grosse Teile der medialen Berichterstattung ein. Die letztjährige Befragung fand direkt nach einer der Hochphasen der Pandemie statt: Die Infektionszahlen waren hoch, ebenso die Hospitalisationen und die Anzahl

Todesfälle, während die Impfkampagne erst langsam anlief. Die Wahrnehmung des Schweizer Gesundheitswesens hat sich durch diese Gesundheitskrise jedoch nicht generell gewandelt. Rund ein Jahr später ist das Coronavirus – gemessen an den Fallzahlen – deutlich stärker verbreitet. Es hat jedoch auch seinen Schrecken verloren. Fast 70 Prozent der Bevölkerung sind vollständig geimpft, rund 43 Prozent sogar mit Auffrischimpfung. Ausserdem scheint die aktuell in der Schweiz dominierende Omikron-Variante im Vergleich zu den früheren Varianten (v.a. Alpha und Delta) milder4 zu sein. Durch die beiden Effekte sind heute trotz hoher Infektionszahlen weniger Hospitalisationen und Todesfälle zu verzeichnen als Anfang 2021.

Das Schweizer Gesundheitswesen hat die COVID-19-Krise aus Sicht der Stimmberechtigten gemeistert.

In der Rückschau gibt die Mehrheit der Befragten an, dass sich ihr Eindruck des Gesundheitswesens durch die Pandemie verbessert hat, was sich auch in der Gesamtbewertung des Gesundheitswesens zeigt: Dieses wird wieder (auf tiefem Niveau) vermehrt als sehr gut bezeichnet. Wie im Vorjahr wird mehrheitlich gefordert, in die Infrastruktur zu investieren, anstatt stärker zu sparen. Der (minderheitliche) Wunsch eines Ausbaus des Leistungskatalogs ist leicht rückläufig, aber weiterhin erhöht. Es soll in der Tendenz mehr Geld in die Medikamenten- und Impfstoffforschung fliessen, wenngleich die Brisanz nicht mehr dieselbe ist wie vor Jahresfrist.

Zufrieden mit dem Status quo im Gesundheitswesen

Auch innerhalb dieser hohen Dynamik erscheint aber zentral: Die Gesamtzufriedenheit mit dem Gesundheitswesen ist und bleibt sehr hoch. Diese kann – trotz der hohen Kosten – durch die hohe Qualität gerechtfertigt werden. Durch die hohe Zufriedenheit besteht aus Sicht der Stimmberechtigten wenig Spielraum für grössere Reformen. Beispielsweise werden Zielvorgaben für einzelne medizinische Leistungsträger als grosses Risiko mit einer unsicheren Chance auf niedrigere Prämien gesehen.

Die Wunschvorstellungen sind gegenüber 2021 stabil.

Die Stimmberechtigten wünschen ungebrochen die freie Arztwahl und gewichten den Zugang zu Medikamenten, die Qualität und die Quantität höher als die Kostenüberlegungen. In der Tendenz soll das Prinzip der Gemeinschaftsverantwortung gelten und die Grundversicherung nicht nur die finanziellen Risiken abdecken. 2022 schlägt das Pendel wieder leicht in Richtung Bund (vs. Kanton) und mehr Staat (vs. Markt). Abgenommen hat die Bereitschaft, zwecks genereller Prämiensenkungen individuelle Kürzungen und Einschränkungen auf sich zu nehmen.

Normalisierungstendenzen nach der Pandemie

Der unter dem Eindruck von COVID-19 im Vorjahr festgestellte kompromisslose Wunsch nach Ausbau, Erhöhung der Qualität und mehr Forschung ist höher als vor der Pandemie, hat aber bereits überraschend schnell wieder abgenommen. Das ist ein Hinweis dafür, dass diese Einstellungsänderungen nur situativ und nicht nachhaltig waren; die Wunschbilder pendeln sich mit dem gefühlten Verschwinden der Pandemie wieder auf dem Vorkrisenniveau ein.

Es gibt verschiedene Lösungen für ein nachhaltig finanzierbares Gesundheitswesen.

Die Stimmberechtigten gehen weiterhin von klar zunehmenden Gesundheitskosten und Krankenkassenprämien aus. Grundsätzlich ist man mit der Verteilung der Finanzen einverstanden, will aber (neben der Medikamenten- und Impfforschung) tendenziell Finanzen im Bereich von öffentlichen Spitälern, Intensivmedizin und dem Leistungsangebot der Krankenkassen verorten. Sparziele sind am ehesten die Verwaltungen der Krankenkassen, Privatspitäler, die Suchtprävention und die Spitex.

Medikamente haben in der Pandemie eine entscheidende Rolle gespielt.

Durch die COVID-19-Krise hatte 2021 die Einschätzung, dass die Medikamentenpreise in der Schweiz zu hoch sind, deutlich an Zustimmung eingebüsst. Das bestätigt sich weitgehend auch in diesem Jahr. Wenn sich zwar immer noch Mehrheiten in diesem Sinne äussern, beurteilen doch wesentliche Gruppen diese Frage, aufgrund des entscheidenden Beitrags von Medikamenten und Impfungen zur Entschärfung der COVD-19-Krise, neu stärker zugunsten der Leistung und weniger stark zugunsten tiefer Kosten. Trotz vermehrt kritischer Untertöne ist das Image der Pharmaindustrie insgesamt immer noch sehr positiv.

Es braucht eine klare Rollenverteilung zwischen Staat und Markt.

In der Summe zeigen die Schweizer Stimmberechtigten eine sehr klare Vorstellung davon, welche Aufgabe dem Staat und welche dem Markt zukommen soll: Mit Bezug auf die Kosten ist der Staat aus Sicht der Stimmberechtigten eine wichtige Kontroll- und Steuerinstanz gegen überhöhte Preise. Bei Leistungsberechtigungen soll er sich aber sichtbar raushalten und den Entscheid medizinischem Fachpersonal und den Patientinnen und Patienten überlassen. Augenscheinlich traut man den Tarifpartnern keinen konsumentenfreundlichen Preis zu, wohl aber konsumentenfreundlich ausgestaltete Leistungserbringung.

Dieser Beitrag ist der letzte Teil einer mehrteiligen Blogserie über das Gesundheitswesen in der Schweiz. Erfahren Sie mehr dazu im diesjährigen Gesundheitsmonitor, der von Interpharma jährlich bei gfs.bern in Auftrag gegeben wird.

Samuel Lanz

Mitglied der Geschäftsleitung / Leiter Kommunikation

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