Produktivität

In der Arbeitsproduktivität spiegelt sich das Verhältnis von Wertschöpfung und Arbeitseinsatz wider, womit diese Grösse einen wichtigen Indikator für die Beurteilung der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit darstellt. Im Jahr 2016 betrug die Arbeitsproduktivität in der Pharmaindustrie circa 669 000 Schweizer Franken pro Vollzeitbeschäftigten (FTE) bzw. 350 Franken pro eingesetzter Arbeitsstunde. Damit wird pro Arbeitsplatz in der Pharmaindustrie rund 4-mal so viel Wertschöpfung erzielt wie in der restlichen Industrie.

Die überragend hohe Produktivität der Pharmaunternehmen ist das Ergebnis einer hohen Kapitalausstattung, hoher Qualifikation der Mitarbeitenden sowie intensiver Innovationstätigkeit und hoher Effizienz. Die hohe Wertschöpfung pro Arbeitsplatz ist nicht nur die Grundlage für ein überdurchschnittliches Lohnniveau, sondern auch die Voraussetzung für die hohen finanziellen Investitionen, welche die Pharmaunternehmen tätigen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Einerseits reinvestieren viele Unternehmen bis zu einem Drittel des Umsatzes in die Forschung und Entwicklung. Andererseits müssen mit Risiko behaftete Investitionen getätigt werden, um beispielsweise neue Produktionsanlagen zu bauen, selbst wenn das herzustellende Produkt noch die klinische Testphase durchläuft. Die hohe Arbeitsproduktivität ist deshalb für die Fortführung des Pharmazyklus zwingend notwendig.

Wachstum der Arbeitsproduktivität

Gemessen am Produktivitätsniveau von 1980 war die reale Wertschöpfung pro Arbeitsplatz (Vollzeitstelle) in der Pharmaindustrie im Jahr 2016 rund 10.5-mal so hoch. Zum Vergleich: Die gesamte Wirtschaft konnte die Arbeitsplatzproduktivität in diesem Zeitraum lediglich um den Faktor 1.4 steigern.

In nominalen Werten fällt die Wachstumsdivergenz nicht ganz so hoch aus. Hier macht sich der Preiszerfall in der Pharmabranche bemerkbar. Seit der Finanzkrise sank die nominale Arbeitsproduktivität um jährlich 1.2 Prozent. In den vergangenen beiden Jahren kam es allerdings wieder zu einer Stabilisierung.

Wenngleich andere Branchen in den vergangenen Jahren in Bezug auf die nominale Produktivität etwas aufholen konnten, weist die Pharmaindustrie in der längerfristigen Betrachtung immer noch ein deutliches Wachstumsplus auf. Der nominale Produktivitätsindex lag 2016 bei 710, d.h., die Produktivität war rund 7-mal höher als im Basisjahr 1980. Im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt ergibt sich für 2016 ein Indexwert von etwa 250.

Beitrag zum gesamtwirtschaftlichen Produktivitätswachstum

Die Pharmaindustrie ist der wichtigste Treiber der Schweizer Industrieentwicklung und hat durch die überdurchschnittliche Zunahme der Produktivität auch substanziell zur Steigerung der gesamtwirtschaftlichen Produktivität beigetragen. So lassen sich zwischen 2000 und 2016 rund 40 Prozent des gesamtwirtschaftlichen Produktivitätswachstums auf Produktivitätssteigerungen in der Pharmaindustrie zurückführen.

Dies veranschaulicht Abbildung 3.3, in welcher der Beitrag zum gesamtwirtschaftlichen Produktivitätswachstum mit der Grösse der Kreise dargestellt wird. Branchen mit positivem Wachstumsbeitrag sind orange, jene mit negativem Beitrag sind grau gekennzeichnet. Mit grossem Abstand den höchsten Beitrag leisteten der Grosshandel und die Pharmaindustrie mit jeweils rund 5 Prozentpunkten.

Die Pharmaindustrie weist nicht nur einen besonders hohen Wachstumsbeitrag auf, sondern hebt sich von anderen Branchen zusätzlich dadurch ab, dass mit dem Produktivitätswachstum gleichzeitig ein überdurchschnittlich starker Aufbau von Arbeitsplätzen verbunden war. Dieser Aspekt wird durch die Zerlegung des Wachstumsbeitrags in zwei verschiedene Komponenten verdeutlicht. Neben dem reinen Produktivitätseffekt (abgetragen auf der horizontalen Achse) wirkt sich auch die Veränderung des Beschäftigungsanteils einer Branche auf die Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Produktivität aus. Letzterer Effekt ist auf der vertikalen Achse abgetragen.

Die Dekomposition der Wachstumsbeiträge verdeutlicht, dass die Pharmaindustrie auch durch den Beschäftigungsaufbau substanziell zur Steigerung der gesamtwirtschaftlichen Produktivität beigetragen hat, und zwar mehr als alle anderen Branchen. Im Grosshandel fällt dieser Effekt negativ aus. Dort dominiert der reine Produktivitätseffekt, der durch den steilen Aufstieg des Transithandels zustande kam und von einem unterdurchschnittlichen Aufbau von Arbeitsplätzen begleitet wurde. Noch akzentuierter fällt der Unterschied der beiden Komponenten bei der Versicherungswirtschaft aus, in der es in der Periode zwischen 2000 und 2016 sogar zu einem Arbeitsplatzrückgang kam.
 

Arbeitsproduktivität
Arbeitsproduktivität
Entwicklung der Arbeitsplatzproduktivität
Entwicklung der Arbeitsplatzproduktivität
Branchenbeiträge zum kumulierten Produktivitätswachstum der Schweizer Wirtschaft
Branchenbeiträge zum kumulierten realen Produktivitätswachstum der Schweizer Wirtschaft