Globaler Standortwettbewerb

Der Global Competitiveness Report 2014-2015 des World Economic Forums sieht die Schweiz weiterhin an der Spitze. In Bezug auf den globalen Brain Gain, die Qualität des Bildungssystems und der wissenschaftlichen Forschungsinstitutionen, die Patentapplikationen und die Forschungsaufwendungen der Privatwirtschaft führt die Schweiz, während sie bezüglich der Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Privatwirtschaft auf Rang 3 liegt. In der klinischen Medizin dagegen reicht die Leistung nicht für einen Spitzenplatz. In einer Untersuchung, welche vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation 2014 rapportiert wurde, findet sich die Schweiz hinter den USA, den Niederlanden, Kanada, Belgien, Finnland und Dänemark auf Rang 7.

Rückläufige klinische Forschung

Die Schweiz hat eine lange Tradition in der klinischen Forschung und verfügt über hervorragende universitäre Kliniken. Sie kämpft jedoch mit verschiedenen Nachteilen wie kleinen Patientenzahlen, dezentralne, teils langwierigen Verfahren bei den Ethikkommissionen sowie einer zu geringen Bedeutung der klinischen Forschung in der medizinischen  Ausbildung. Diese Faktoren insgesamt sind mitverantwortlich für den Rückgang klinischer Studien in den letzten Jahren: Ihre Zahl ging von 2004 bis 2013 von rund 400 auf nur noch 205 zurück. Dabei ist es ein schwacher Trost, dass Europa generell mit diesem Phänomen kämpft. Verantwortlich dafür ist nicht zuletzt die wachsende Konkurrenz. Länder im Osten Europas, aber auch in Asien bemühen sich zunehmend um attraktive Bedingungen für klinische Forschung.

Verschiebungen im globalen Pharmamarkt

Die aufstrebenden Volkswirtschaften, darunter namentlich die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China), haben eine wachsende Bedeutung im globalen Pharmamarkt. Während der Marktanteil der aufstrebenden Staaten 2011 18,6% betrug, wird ihr Anteil am Pharmamarkt-Wachstum für 2014 auf 49% geschätzt. Der europäische Markt wird sich dagegen tendenziell seitwärts bewegen. Diesen Verschiebungen bei den Absatzmärkten folgen die Forschungsaktivitäten – wenn auch nicht zwingend im gleichen Ausmass, aber für den „alten Standort“ Europa doch spürbar.

Klinische Forschung stärken

Es gibt gute Gründe, weshalb sich der Forschungsplatz Schweiz dieser Entwicklung nicht einfach beugen muss. Im Bereich Chemie und Biologie sind die führenden Schweizer Universitäten weltweit mit an der Spitze. In der klinischen Forschung jedoch ist dies nicht mehr der Fall und der Rückgang ist zum Teil selbstverschuldet. Die Qualität der Ausbildung klinischer Forscherinnen und Forscher genügt höchsten Ansprüchen nicht mehr. Es bedarf der gemeinsamen Anstrengung von Medizinischen Fakultäten, Universitätsspitälern und der Clinical Trial Units zur Verbesserung der Ausbildung klinischer Forscher und der  Ressourcen-Ausstattung der öffentlichen klinischen Forschung. Neben der Unterstützung der Grundlagenforschung ist eine vermehrte Projektfinanzierung der translationalen Forschung in der Medizin durch den Nationalfonds zu prüfen. Public Private Partnerships in diesem Bereich sind durch geeignete Massnahmen zu fördern.

Konkurrenz der Steuersysteme

Die internationale Konkurrenz der Forschungsstandorte spielt aber nicht nur auf der Ebene der Hochschulen und Spitäler, sondern auch über die Steuerpolitik im Bereich von Forschung und Entwicklung sowie Schutz des geistigen Eigentums. Verschiedene europäische Länder wie Belgien, England, die Niederlande und Spanien haben spezifische Regelungen für die Besteuerung von Einkommen eingeführt, die durch Patente generiert werden. Im Rahmen dieser sogenannten Patent Boxes kommt in den genannten Ländern ein Steuersatz von noch zwischen 5 und 10% zur Anwendung. Frankreich wiederum gewährt auf Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen generell eine Steuergutschrift von 30 Prozent, und ausserhalb Europas bemüht sich namentlich Singapur erfolgreich um eine attraktive Fiskalpolitik.