Verbesserung der Standortbedingungen

Aufgrund von drei parlamentarischen Vorstössen von Luc Barthassat (CVP), Erika Forster/Felix Gutzwiller (FDP) sowie der SVP-Fraktion hat der Bundesrat einen Masterplan für die „Revitalisierung der Schweiz als Forschungs- und Pharmastandort“ erarbeitet und am 18. Dezember 2013 verabschiedet. Ziel ist es, den Standort Schweiz zu stärken oder zu revitalisieren, um ihn in führender Position zu halten, bzw. dafür zu sorgen, dass er (wieder) besser ist als die Konkurrenzstandorte. Für die Pharmaindustrie sind die Rahmenbedingungen für die Forschung in verschiedenen Breichen längst nicht mehr optimal.

Der Masterplan sieht unter anderem eine weitere Optimierung des Preisfestsetzungssystems für Medikamente bis 2015 sowie die Einrichtung einer Health Technology Assessment-Agentur (HTA) bis 2017 vor. Zudem soll er bis 2016 den Schutz vor gefälschten und illegalen Heilmitteln verbessern. Bereits in Kraft getreten sind darin vorgesehene Verordnungsänderungen, die eine Beschleunigung der Verfahren für die Bewilligung von klinischen Studien sowie die raschere Aufnahme von neuen Medikamenten auf die Spezialitätenliste (SL) vorsehen.

Standortförderung: Schnellere Zulassung und Vergütung nötig

Für die forschende pharmazeutische Industrie ergeben sich echte Probleme insbesondere aus der Verfahrensdauer für die Bewilligung von klinischen Studien, bei den Gesuchen für die Zulassung zum Markt (Swissmedic) und bei der Aufnahme in die Kassenpflicht in der obligatorischen Krankenversicherung (Bundesamt für Gesundheit). Die Zeit von der Entwicklung eines Medikaments bis zu dessen Vermarktung und Vergütung durch die obligatorische Krankenversicherung ist ein kritischer Erfolgsfaktor. Die Schweiz ist hier häufig langsamer als wichtige Konkurrenzländer. Dies ist nicht nur ein Problem für die Pharmaindustrie und damit für die Volkswirtschaft, sondern zunächst einmal für die Patientinnen und Patienten, weil sie länger als nötig und länger als anderswo auf therapeutischen Fortschritt und dessen Bezahlung durch die Kassen warten müssen. Es gibt wichtige Krebsmedikamente, die in der Schweiz mehr als ein Jahr später in die Spezialitätenliste (SL) kassenpflichtiger Medikamente aufgenommen worden sind als in vielen EU-Staaten. Dann betreffen die schwerfälligen und langwierigen behördlichen Verfahren die Schweizer Universitätsspitäler, die in der klinischen Forschung deswegen einen zusätzlichen Wettbewerbsnachteil haben.

Nachteile des starken Frankens

Schwierigkeiten bereitet dem Forschungsstandort Schweiz auch der starke Franken, verteuert er doch die Aufwendungen – also auch diejenigen für Forschung und Entwicklung – der global tätigen Pharmaindustrie in der Schweiz erheblich. Die Pharmaindustrie ist die wichtigste Exportbranche unseres Landes. Entsprechend ist sie von der ausserordentlichen Währungssituation betroffen:

  • Stagnierende Exporterlöse: Der starke Franken trifft die Pharmaindustrie mehr als die andern Exportbranchen, weil die Medikamentenpreise in praktisch allen europäischen Ländern staatlich reguliert sind und die Unternehmen nicht mit Preiserhöhungen auf die Währungssituation reagieren können.
  • Verteuerung des Standortes Schweiz: In der Schweiz erzielen die forschenden Firmen 1 bis 2 Prozent ihres Umsatzes, jedoch fallen hier 10 bis 15 Prozent ihrer globalen Kosten an. Entsprechend wirkt sich der starke Franken auf die Kosten von Forschung und Produktion in der Schweiz aus.
  • Preissenkungen: Die automatische Anpassung der Medikamentenpreise ist völlig unverhältnismässig, wenn sich ausser der Wechselkurse überhaupt nichts ändert.
  • Referenzpreis: Preissenkungen in der Schweiz wirken sich auch im Ausland zum Nachteil der Pharmaindustrie aus, weil der Schweizer Preis in vielen Ländern als Referenzpreis für die Preisgestaltung gilt.

Weiterer Nachholbedarf

Während im Masterplan die Schwierigkeiten thematisiert sind, die sich für den Pharmaforschungsstandort Schweiz aus der Verfahrensdauer ergeben, wurde auf die Problematik der Währungssituation bisher nicht eingegangen. Aber auch in andern Bereichen sind die Rahmenbedingungen zu verbessern, soll sich der Forschungsstandort Schweiz in einer Spitzenposition halten können:

  • Die Bedeutung eines attraktiven fiskalpolitischen Umfeldes kann mit Blick auf die zunehmende weltweite Konkurrenz gar nicht überschätzt werden. Entsprechend gilt es zu diesem Standortvorteil Sorge zu tragen.
  • Mit gezielten Massnahmen soll der Schutz des geistigen Eigentums gestärkt werden. Forschungsanreize sollen dort neu gesetzt werden, wo Potential oder Bedarf besteht.
  • Es braucht einen Massnahmenplan, um die Situation von Patienten mit seltenen Krankheiten zu verbessern. Die USA und die EU haben mit entsprechenden Gesetzen der Forschungstätigkeit in diesem Bereich erhebliche Impulse verliehen.