Geringere Preisunterschiede

Bei der Diskussion um die Medikamentenpreise wird oft übersehen, dass die Preisbildung bei kassenpflichtigen Medikamenten nicht auf dem freien Markt geschieht, sondern durch komplexe staatliche Eingriffe erfolgt. Administriert und reguliert werden dabei sowohl der Herstellerabgabepreis, die Vertriebsmargen als auch Beratungsgebühren, Verwaltungskosten und Steuerbelastungen. Die Regulierung beginnt bereits, bevor ein Medikament überhaupt auf den Markt kommt. Rund 8 bis 12 Jahre dauert es, bis ein Medikament die Marktreife erlangt hat und alle für die Zulassung erforderlichen Daten zuhanden der zuständigen Behörde beigebracht und akzeptiert sind. Erst danach kann der Hersteller den Antrag auf Kassenerstattung stellen.

Preiskontrolle durch das Bundesamt für Gesundheit

In der Schweiz, wie in den meisten anderen Ländern auch, legen die Behörden die Arzneimittelpreise fest und überprüfen sie in regelmässigen Abständen. Für kassenpflichtige Medikamente besteht eine Preiskontrolle durch das Bundesamt für Gesundheit (BAG). Zur Preisermittlung zieht es in einem therapeutischen Quervergleich (TQV) zunächst die Behandlungskosten bereits zugelassener Arzneimittel für dieselbe Krankheit heran. Daraufhin wird der Auslandpreisvergleich (APV) durchgeführt. Im Preisvergleich mit dem Ausland werden Länder berücksichtigt, die mit der Schweiz im Pharmabereich wirtschaftlich vergleichbar sind. Bis Mai 2015 war der Durchschnittspreis der Länder Deutschland, Dänemark, Holland, England, Frankreich und Österreich massgebend. Seit Juni 2015 werden zusätzlich die Preise von Belgien, Finnland und Schweden miteingezogen. APV und TQV werden gleich gewichtet.

Spezialitätenliste

Krankenkassen vergüten ein vom Arzt verschriebenes Arzneimittel im Rahmen der obligatorischen Krankenversicherung nur, wenn es vom BAG auf die Spezialitätenliste (SL) gesetzt wurde. Bevor das BAG ein Arzneimittel in die SL aufnehmen kann, wird es hinsichtlich Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität geprüft. Die dafür zuständige Behörde ist das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic. Für die Aufnahme in die SL wird jedoch nicht nur beurteilt, ob das Arzneimittel wirksam und im Rahmen der sozialen Krankenversicherung zweckmässig ist, sondern ob es auch wirtschaftlich ist (sogenannte WZW-Prüfung). Darüber entscheidet das BAG auf Empfehlung der Eidgenössischen Arzneimittelkommission (EAK). Arzneimittel, die den WZW-Kriterien nicht mehr entsprechen, streicht das BAG aus der SL.

Dreijährliche Preisüberprüfung

Drei Jahre nach Aufnahme in die SL wird jedes Medikament einer erneuten Preisüberprüfung durch das BAG unterzogen. Dabei wird wiederum ein APV und ein TQV durchgeführt, die gleich gewichtet werden. Wenn der daraus resultierende neue Preis tiefer ist als der bisherige Preis, so wird eine Preissenkungen auf den 1. Dezember verfügt.

Publikationen

Themendossier 3/2011
Auswirkungen der Frankenstärke
Themendossier 3/2009
Starke Auswirkungen des Sparpakets