Geringere Preisunterschiede

Die Meinung, Medikamentenpreise seien in der Schweiz viel höher als im Ausland, ist weit verbreitet. Tatsache ist aber, dass sie heute in der Regel nicht viel höher sind als in vergleichbaren europäischen Ländern. Die rund 200 umsatzstärksten patentgeschützten Originalpräparate der Spezialitätenliste waren im September 2015 gemäss dem von Pharmaindustrie und Krankenkassen durchgeführten Auslandpreisvergleich bei einem vom BAG angewendeten Wechselkurs von CHF/EUR 1.20 10% teurer als im vergleichbaren Ausland (AT, BE, DE, DK, FI, FR, NL, SE und UK). Damit liegt das Schweizer Preisniveau auf jenem von Deutschland und Dänemark. Beim letzten Preisvergleich mit den Preisen vom November 2014 und dem damaligen Länderkorb von nur sechs Ländern (AT, DE, DK, FR, NL und UK) waren die patentgeschützten Medikamente in der Schweiz bei einem Wechselkurs von 1.29 CHF/EUR gleich teuer wie im Durchschnitt der Vergleichsländer. Mit der Aufhebung der Frankenuntergrenze durch die Schweizerische Nationalbank im Januar 2015 wird sich der Preisunterschied zum Ausland rein wechselkursbedingt wieder vergrössern.

Medikamentenpreise sind gesunken

Die Preise kassenpflichtiger Medikamente werden in der Schweiz staatlich festgelegt und dreijährlich überprüft, wobei seit Juni 2015 der Vergleich mit den Preisen in neun europäischen Ländern (AT, BE, DE, DK, FI, FR, NL, SE und UK) herangezogen wird. Zuvor wurden die Preise in sechs Ländern (AT, DE, DK, FR, NL und UK) berücksichtigt. Dieser Auslandpreisvergleich hat zu zahlreichen Preissenkungen bei allen kassenpflichtigen Produkten geführt und dafür gesorgt, dass die Schweiz heute europäisch vergleichbare Preise für neue Medikamente hat. Die Schweiz ist im Arzneimittelmarkt keine Hochpreisinsel mehr. Betrachtet man den Verbraucherpreisindex, so sieht man, dass die Medikamentenpreise in der Schweiz seit 2005 um über 30% gesunken sind, während sie etwa in Deutschland, Österreich und England um über 10% angestiegen sind.

Überschätzte Medikamentenpreise

In der Kostendiskussion erhalten in der Regel vor allem die Arzneimittel überproportionale Aufmerksamkeit. Der Anteil der Medikamente (selbstdispensierende Ärzte, Apotheken und Drogerien, ohne Spitäler, da diese Kosten von der amtlichen Statistik nicht ausgewiesen werden) an den Gesundheitskosten hat sich 2014 mit 8.8 Prozent auf tiefem Niveau stabilisiert. Seit 1960 ist der Anteil der Ausgaben für Gesundheitsgüter (mehrheitlich Medikamente) an den gesamten Gesundheitsausgaben um über die Hälfte zurückgegangen. In fast allen OECD-Ländern fliessen deutlich mehr als 10 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben in den Arzneimittelbereich, in der Schweiz waren es 2013 gemäss OECD (deren Berechnungsmethodologie sich von derjenigen der Schweiz leicht unterscheidet), 10.5 Prozent. In Italien waren es 18.6 Prozent, in Frankreich 14.5 Prozent. In der Schweiz wird pro Kopf weniger Geld für Medikamente ausgegeben als in Ländern wie Deutschland, den USA oder Kanada. Mit 2.2 Prozent des Nettoeinkommens sind die Medikamentenausgaben im Vergleich mit anderen Ausgabenposten der privaten Haushalte gering.

Publikationen

Themendossier 3/2011
Auswirkungen der Frankenstärke
Themendossier 3/2009
Starke Auswirkungen des Sparpakets