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Volkswirtschaft

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Die Wachstumsschwäche ist seit Jahren ein zentrales Thema wirtschaftspolitischer Diskussionen in der Schweiz. Ein stärkeres Wirtschaftswachstum wird als entscheidend angesehen, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen und die Sozialwerke in Zukunft zu sichern. Innovationen und damit verbundene Steigerungen der Produktivität sind ein wichtiger Motor für das Wirtschaftswachstum. Entsprechend hoch ist die Bedeutung einer starken forschenden Pharmaindustrie. Dies zeigt sich auch an den Daten für den Werkplatz Schweiz. 

Die zurückliegende Wirtschaftskrise konnte der Pharmaindustrie als wichtigem Wachstumsmotor der Schweizer Volkswirtschaft nichts anhaben. Das Wachstum der realen Bruttowertschöpfung betrug während der Krisenjahre 2008 und 2009 annähernd 7 Prozent und verlangsamte sich 2010 auf etwa 4 Prozent. Auch für das laufende Jahr sind die Prognosen weiterhin optimistisch, sodass die Pharmaindustrie wieder mit einem stärkeren Wachstum als die Gesamtwirtschaft rechnen kann. Während das Wachstum der Erwerbstätigen in der Gesamtwirtschaft von 2005 bis 2010 durchschnittlich 1.5 Prozent pro Jahr betrug, war das Wachstum in der Pharmaindustrie mit 3 Prozent doppelt so hoch. Werden die Arbeitsplätze in den Vorleistungsindustrien mitgezählt, hingen im Jahr 2010 über 135 000 Arbeitsplätze von der Pharmaindustrie ab. Die Branche weist eine überdurchschnittlich hohe Produktivität auf und ist direkt und indirekt für eine Wertschöpfung von beinahe 30 Mia. Franken verantwortlich, was einem Anteil von 5.7 Prozent am nominalen Bruttoinlandsprodukt entspricht. Die Pharmabranche hat zudem ihre wertmässigen Exporte seit 1990 mehr als versiebenfacht und steuert heute mehr als 30 Prozent zu den Gesamtexporten der Schweiz bei. Lesen Sie mehr zu:

  • Wachstum in der Branche   
  • Hohe Produktivität
  • Zuwachs der Exporte
  • Innovation ist der Antrieb des Fortschritts
  • Position Interpharma

Wachstum in der Branche
Die Pharmaindustrie hat seit 1990 ihre um die Preisentwicklung korrigierte Wertschöpfung von 2.3 Mia. CHF auf 14.9 Mia. CHF gesteigert. Pro Jahr bedeutet dies ein Wachstum von knapp 10 Prozent. Mit dieser Performance hat sich die Pharmaindustrie deutlich dynamischer entwickelt als die Gesamtwirtschaft, die im selben Zeitraum lediglich ein jährliches reales Wachstum von 1.3 Prozent erzielen konnte. Mit anderen Worten ist die Pharmaindustrie in der Periode von 1990 bis 2010 für fast 12 Prozent des gesamtwirtschaftlichen realen Wachstums verantwortlich.

Vergleicht man die Entwicklung des nominalen und des realen Wachstums der Pharmaindustrie und der Gesamtwirtschaft seit 2005, kann der unterschiedliche Preisdruck, dem sich die Pharmaindustrie gegenübersieht, erkannt werden. So lag in der Gesamtwirtschaft das Wachstum des realen Bruttoinlandproduktes nur im Jahr 2010 über dem nominalen. Bei der Pharmaindustrie trat dieses Phänomen in den letzten fünf Jahren drei Mal auf. Zudem zeichneten sich auch die übrigen Jahre nur durch sehr moderate Preisentwicklungen aus. Gründe für diese im gesamtwirtschaftlichen Vergleich unterdurchschnittliche Preisentwicklung sind bei der Frankenstärke und dem international zu beobachtenden Trend zur Senkung der nationalen Gesundheitsausgaben zu suchen.


Von innovationsstarken Unternehmen hängen in der Schweizer Volkswirtschaft auch sehr viele Arbeitsplätze ab. Neben den bekannten Grossfirmen umfasst die chemisch-pharmazeutische Branche gegen 1000 kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Nur neun Unternehmen beschäftigen mehr als 1000 Personen, über 95 Prozent der Betriebe zählen weniger als 250 Mitarbeitende.

Die Pharmaindustrie hat in den letzten Jahren als Arbeitgeber weiterhin an Bedeutung gewonnen. Waren im Jahr 1990 noch weniger als 20 000 Erwerbstätige in der Pharmaindustrie beschäftigt, hat sich seither die Zahl der Pharmastellen kontinuierlich erhöht und erreichte im Jahr 2010 den bisherigen Höchststand von 36 680 Erwerbstätigen. Besonders eindrücklich ist diese Entwicklung, wenn sie im gesamtwirtschaftlichen Kontext betrachtet wird. So musste auf der gesamtwirtschaftlichen Ebene in sieben der letzten 20 Jahre ein Rückgang der Zahl der Erwerbstätigen verkraftet werden. Vor allem die Jahre zwischen 1992 und 1997 waren durch kontinuierliche Rückgänge gekennzeichnet. Ganz anders die Entwicklung der Arbeitsplätze bei der Pharmaindustrie. Einzig im Jahr 2003 lag die Zahl der Erwerbstätigen unter dem Vorjahresniveau.

Die unterschiedliche Entwicklung bezüglich der Arbeitsplatzentwicklung zeigt sich auch im jährlichen Trendwachstum. So wurden in der Pharmaindustrie seit 1990 jährlich 3.2 Prozent mehr neue Arbeitsplätze geschaffen. Im Vergleich dazu lag das jährliche Trendwachstum für die Gesamtwirtschaft bei 0.6 Prozent.


Die neuen Arbeitsplätze sind sowohl von grossen, etablierten Firmen geschaffen worden als auch von Jungunternehmen. Das Nebeneinander ausgezeichneter Hochschulen und weltweit führender Pharmafirmen, zum Beispiel im Arc Lémanique, im Raum Zürich oder in der Nordwestschweiz, hat zu einem eigentlichen Boom von Neugründungen biomedizinischer Firmen geführt.

Hohe Produktivität
Die Produktivität stellt als Kennzahl das Verhältnis zwischen der Zahl der Erwerbstätigen und der Wertschöpfung dar. Die Pharmaindustrie zeichnet sich seit Jahrzehnten durch eine im gesamtwirtschaftlichen Vergleich überdurchschnittliche Produktivität aus. Wie untenstehende Abbildung  zeigt, liegt die nominale Arbeitsplatzproduktivität in der Pharmaindustrie im Jahr 2010 bei rund 400'000 CHF und somit um den Faktor 3.6 über dem gesamtwirtschaftlichen Wert (112'000 CHF). Zwischen 1990 und 2010 lag das durchschnittliche jährliche Wachstum der Arbeitsplatzproduktivität bei 5.5 Prozent und übertraf dabei die jährliche Produktivitätssteigerung der Gesamtwirtschaft deutlich (1.8 Prozent p.a.).

Die Pharmaindustrie konnte somit die pro Arbeitsplatz erwirtschaftete Wertschöpfung von 137'000 CHF im Jahr 1990 auf über 400'000 CHF im Jahr 2010 steigern. Dabei erfolgte der starke Anstieg vor allem ab dem Jahr 2000. Zwischen 2000 und 2010 lag das durchschnittliche jährliche Wachstum der nominalen Arbeitsplatzproduktivität bei 6.5 Prozent. Diese erfreuliche Entwicklung dürfte nicht zuletzt auf die gegen Ende der 90er Jahr vorgenommene Fokussierung auf das Pharmakerngeschäft zurückzuführen sein.

Im vergangenen Jahr musste die Pharmaindustrie dagegen einen Rückgang der nominalen Arbeitsplatzproduktivität von zwei Prozent in Kauf nehmen. Der Grund hierfür lag im ausserordentlich starken Arbeitsplatzaufbau im Jahr 2010 und dem starken Preisdruck, der zu einer nominalen Wertschöpfungssteigerung von lediglich einem Prozent führte. Betrachtet man die um die Preisentwicklung korrigierte Arbeitsplatzproduktivität, so lag diese im Jahr 2010 gut ein Prozent über dem Vorjahreswert.


Zuwachs der Exporte
Medikamente sind technisch hoch stehende Qualitätsprodukte, die auch eine ausgezeichnete Handelsbilanz erzielten. Im Jahr 2010 erreichte das Ausfuhrvolumen mit 60.6 Mia. CHF einen neuen Höchststand. Gemessen an den Gesamtexporten machen die Pharmaexporte mit 31.4 Prozent fast einen Drittel aus. Besonders erfreulich ist, dass die Pharmaindustrie die Herausforderung der Frankenstärke der letzten beiden Jahre im gesamtwirtschaftlichen Vergleich sehr gut gemeistert hat. So brachen im Jahr 2009 die Gesamtexporte regelrecht ein und lagen fast 13 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Die Pharmaexporte dagegen konnten trotz der widrigen Umstände um über 5 Prozent gesteigert werden. Diese Entwicklung verdeutlicht einmal mehr, dass die Pharmaindustrie im Vergleich zu anderen Exportsektoren deutlich weniger konjunkturanfällig ist. Vielmehr spielen die verschiedenen gesundheitspolitischen Reformvorhaben und die politischen Rahmenbedingungen in den Exportländern eine wichtige Rolle.

Wie wichtig die Pharmaexporte für die schweizerische Volkswirtschaft geworden sind, zeigt das durchschnittliche jährliche Wachstum. So betrugen die Pharmaexporte im Jahr 1990 8 Mia. CHF und konnten jedes Jahr um durchschnittlich 10.6 Prozent auf nunmehr über 60 Mia. CHF gesteigert werden. Dieses Trendwachstum liegt dabei über die letzten gut 20 Jahre betrachtet deutlich über demjenigen der Gesamtexporte (4.4 % p.a.).


Da die schweizerischen Pharmaunternehmen stark international ausgerichtet sind, wird der überwiegende Teil der Produkte im Ausland abgesetzt. Grösster Abnehmer der in der Schweiz hergestellten Medikamente ist 2010 Europa mit 56.8 Prozent vor den USA mit knapp 13 Prozent und Japan mit 5.5 Prozent.


Innovation ist der Antrieb des Fortschritts
Für das Wachstum der Schweizer Volkswirtschaft ist Innovation ein Schlüsselfaktor. Für Unternehmen in einem Land mit hohen Produktionskosten gehört stete Innovation zu den ausschlaggebenden Voraussetzungen, damit die notwendige Produktivität erreicht werden kann. Der Einfluss des Innovationsprozesses respektive der Innovation auf das Wachstum und somit die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft ist umso wichtiger, je stärker die Abhängigkeit vom Produktionsfaktor Wissen ist. Dies gilt in besonderem Masse für die Schweiz.

Die Pharmaindustrie gilt als Branche, in der Innovationen eine zentrale Rolle spielen. Sie ist mit ihren Innovationen zu einem grossen Teil für den medizinisch-technologischen Fortschritt der jüngeren Vergangenheit verantwortlich.

Die Schweizer Pharmaunternehmen investieren ein Vielfaches ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Sie gaben 2008 weltweit 16.4 Milliarden Franken für die Forschung und Entwicklung aus, was rund 22 Prozent ihres gesamten Pharmaumsatzes entspricht und im Branchenvergleich überdurchschnittlich hoch ist. In der Schweiz gab die forschende pharmazeutische Industrie 5,5 Milliarden Franken aus, was rund sechsmal so viel ist, wie ihr Umsatz in der Schweiz. Mit ihren Forschungs- und Entwicklungsausgaben liegt die Schweiz im internationalen Vergleich unangefochten an der Spitze und investiert anteilsmässig beispielsweise doppelt so viel in pharmazeutische Innovationen wie die USA. Vergleicht man die in der Schweiz aufgewendeten Mittel für die Forschung und Entwicklung in den verschiedenen Branchen - gemessen als Anteil an der Sektorwertschöpfung - so liegt die chemisch-pharmazeutische Industrie mit knapp 25 Prozent deutlich vor den anderen Branchen.


Position Interpharma
Die Pharmaindustrie ist eine Schlüsselbranche und ein bedeutender Wachstumsmotor der Schweizer Volkswirtschaft. Keine andere Branche ist in den letzten Jahren so stark gewachsen wie die pharmazeutische Industrie. Sie leistet einen wichtigen Beitrag zum Wohlstand unseres Landes und jedes Einzelnen.

Innovation ist ein zentraler Faktor, wenn es darum geht, Patientinnen und Patienten wirksame Therapien anbieten zu können und damit ihre Heilungs- und Überlebenschancen künftig zu verbessern. Aber auch die Wachstumsdynamik einer Region oder Volkswirtschaft hängt zu einem grossen Teil von der Innovationsfähigkeit eines Landes und der damit einhergehenden Produktivitätssteigerung ab. Die Konkurrenzfähigkeit der dem internationalen Wettbewerb ausgesetzten Exportindustrie läuft oft über die Innovation und nicht über den Preiswettbewerb.

Innovation konsequent zu fördern, ist daher ein Muss für die Schweiz, ein Land ohne natürliche Rohstoffe. Damit die Pharmabranche auch künftig ein Motor für die Wirtschaft unseres Landes bleiben kann, sind gute, die Innovation fördernde Rahmenbedingungen Voraussetzung. Zudem ist ein starker Innovationsschutz im internationalen Wettbewerb der Standorte überlebensnotwendig.

Themendossier Gesundheitspolitik
Ausgabe 3/11

Währungskrise: Auswirkungen der Frankenstärke

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Bedeutung der Pharmaindustrie für die Schweiz

Studie von Polynomics 2011

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Bruttowertschöpfung Pharmaindustrie und Gesamtwirtschaft

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Erwerbstätige Pharmaindustrie und Gesamtwirtschaft

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Nominale Arbeitsplatzproduktivität Pharmaindustrie und Gesamtwirtschaft

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Pharmaexporte als Anteil an den Gesamtexporten der Schweiz (ohne Edelmetalle)

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Entwicklung der Exporte im Branchenvergleich

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Anteil Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen

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Fakten und Statistiken
Weltmarktanteil der Interpharma-Firmen

Marktanteil ausländischer Unternehmen

Kennzahlen von Novartis, Roche, Actelion, Merck Serono, Vifor und Cilag

Umsatz, Forschung und Export der Interpharma-Firmen

Interpharma, Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen der Schweiz, Petersgraben 35, 4003 Basel