Das 21. Jahrhundert wird das Zeitalter der globalen Wissensgesellschaft. Individuelles und kollektives Wissen und seine Organisation wird immer stärker zur Grundlage des sozialen und ökonomischen Zusammenlebens und des Wohlstandes. Bildung, Forschung und Innovation (BFI) sind wichtige Bestandteile des Wissens und werden für jeden Einzelnen, aber auch für die Gesellschaft als sozial, kulturell und wirtschaftlich handelndes Ganzes zentrale Bedeutung erhalten.
21 Milliarden Franken geben Bund, Kantone und Gemeinden jährlich für Bildung aus. Dies zeigt das Bewusstsein in unserer Gesellschaft, dass gut ausgebildete, junge Menschen unsere wichtigste Ressource und gleichzeitig der Motor für Wirtschaftswachstum sind. Die Schweiz hat für und mit der jungen Generation vieles vor und will bezüglich BFI im internationalen Vergleich weiterhin einen Spitzenplatz belegen.
Bildung und Wissenschaft sind zentrale Bestandteile einer erfolgreichen Gesamtpolitik eines Landes. Davon hängt auch der Erfolg der schweizerischen Unternehmen bei der zunehmend wissensintensiven Weltwirtschaft ab. Sie sind auf hoch qualifizierte Arbeitskräfte mit ihrer Produktiv- und Innovationsfähigkeit angewiesen.
Die Qualität des Schweizer Hochschulsystems ist somit ein wichtiger Standortfaktor - insbesondere für die innovativen pharmazeutischen Unternehmen, die sich in einem globalen Wissens- und Innovationswettbewerb behaupten müssen. Gemäss einer Berechnung der EU-Kommission wird das künftige Wirtschaftswachstum zu 60% auf neuem oder verbessertem Wissen basieren. Lesen Sie hier mehr zu:
Hintergrund
Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in der Schweiz sind mit 16,3 Milliarden Franken in den vergangenen Jahren vor allem aufgrund der hohen Aufwendungen der Privatwirtschaft auf einen Höchststand gestiegen. Die Investitionen der privaten Unternehmen betrugen 2008 knapp 12 Milliarden. Dies bedeutet eine Zunahme von 24 Prozent gegenüber 2004. Der Hochschulsektor wendete 2008 3,9 Milliarden Franken aus. Die Aufwendungen des Bundes betrugen 120 Millionen Franken.
In der Schweiz trägt die öffentliche Hand, also der Bund und die Kantone zusammen, nur knapp einen Viertel der Forschung und Entwicklung bei. 73,5 Prozent der Investitionen in F&E Investitionen in F&E werden von der Privatindustrie getragen.
Nachdem die Investitionen des Bundes für Forschung und Entwicklung zwischen 1986 und 1992 durchschnittlich um 4,9 Prozent pro Jahr gestiegen waren, verlangsamte sich das Wachstum der direkten Ausgaben bis 1994 deutlich. In der zweiten Hälfte der neunziger Jahre gingen die direkten Ausgaben daraufhin signifikant zurück. Bis ins Jahr 2000 verringerten sie sich durchschnittlich um 3,9 Prozent pro Jahr. Zwischen 2002 und 2008 stiegen diese Aufwendungen wiederum stetig.
Für die BFI-Politik vieler europäischer Länder ist das Lissabon Ziel massgeblich. Dieses sieht vor, dass bis im Jahr 2010 drei Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP) für Forschung und Entwicklung ausgegeben werden sollen. Finnland und Schweden investieren bereits heute mehr und planen ihre Investitionen weiter zu erhöhen. Österreich, Frankreich und Deutschland wollen das Ziel im Jahr 2010 erreichen und Länder wie Grossbritannien, Italien oder Irland haben vor, mit markanten Investitionen ihren Rückstand aufzuholen. Beim Lissabon-Ziel wird erwartet, dass die Investitionen zu 1/3 von der öffentlichen Hand und zu 2/3 von Privaten getragen werden.
Botschaft im Überblick
Die Botschaft des Bundesrates über Bildung, Forschung und Innovation (BFI) ist das wichtigste Planungsinstrument des Bundes im Bildungsbereich. In der Botschaft wird unter anderem die jährliche Ausgabenhöhe im BFI-Bereich festgelegt. In der Regel legt der Bundesrat den eidgenössischen Räten alle vier Jahre eine Botschaft vor.
Zur besseren Abstimmung der grossen, mehrjährigen Finanzbotschaften mit der Legislaturplanung ist für das Jahr 2012 der Einschub einer einjährigen Botschaft vorgesehen. Danach folgt wieder eine vierjährige Botschaft für die Jahre 2013-2016.
Es handelt sich hierbei um folgende Botschaften:
Angesichts der Bedeutung von Bildung, Forschung und Innovation für die Zukunft der Schweiz hatte der Bundesrat in der Botschaft zur BFI-Politik 2008 - 2011 vorgeschlagen, diesen Politikbereich nach Massgabe des Bundesfinanzhaushalts prioritär zu behandeln. Basierend auf dem Finanzplan 2007 sollte das Gesamtkreditvolumen aller BFI-Fördermittel in den Jahren 2008-2011 jährlich um durchschnittlich 6 Prozent wachsen.
In der Botschaft formulierte der Bundesrat zuhanden der eidgenössischen Räte die Leitlinien, Ziele und Massnahmen zur Förderung von Bildung, Forschung und Innovation (BFI) in der Kreditperiode 2008-2011. Die vom Bundesrat vorgeschlagene BFI-Politik basierte auf dem Willen, im Sinne der von Volk und Ständen am 21. Mai 2006 angenommenen neuen Verfassungsbestimmungen zum «Bildungsraum Schweiz» in Zusammenarbeit mit den Kantonen die Entwicklung eines international wettbewerbsfähigen Forschungs- und Bildungssystems weiterzuführen und zu verstärken.
Stand des Geschäftes
In der Wintersession 2011 haben die eidgenössischen Räte die Vorlage zur Förderung von Bildung, Forschung und Innovation im Jahr 2012 abgeschlossen. Die Einigungskonferenz beschloss in einer letzten Differenz den Rahmenkredit für Berufsbildung um 82 statt nur um 36 Millionen Franken aufzustocken. Damit werden der Rahmenkredit für Berufsbildung auf 757,6 Millionen Franken und die Zahlungskredite auf 88 Millionen Franken angehoben. Das sind 82 respektive 18 Millionen mehr, als der Bundesrat beantragt hatte. Dank der Aufstockung steigt der Bundesanteil an den Berufsbildungsausgaben nun auf die gesetzlich vorgesehenen 25 Prozent. Insgesamt beläuft sich der BFI-Kredit auf knapp 5,3 Milliarden Franken.
In der Herbstsession 2011 waren sich die eidgenössischen Räte in einer letzten Differenz nicht einig geworden. Der Ständerat sprach sich erneut dafür aus, den Rahmenkredit für die Berufsbildung und die Zahlungskredite nicht so stark zu aufzustocken, wie es der Nationalrat wünschte.
Während der Sommersession 2011 hat der Nationalrat die Vorlage zur Förderung von Bildung, Forschung und Innovation im Jahr 2012 als Zweitrat beraten. Er wollte die BFI-Ausgaben auf 5,3 Milliarden Franken aufstocken. Das sind 114 Millionen mehr als der Bundesrat vorgeschlagen hatte.
In der Frühjahrssession 2011 hatte der Ständerat als Erstrat eine Aufstockung von 5,2 Milliarden Franken beantragt, 63 Millionen Franken mehr als der Bundesrat. Die gesetzliche Beteiligung des Bundes sieht bei der Berufsbildung 25 Prozent vor.
Anfangs Dezember 2010 hatte der Bundesrat die BFI-Botschaft 2012 dem Parlament überweisen. Er beantragt Fördermittel im Umfang von 5,185 Milliarden Franken. Da die Botschaft auf die einjährige Verlängerung der Förderperiode 2008-2011 ausgerichtet ist, sollen die Ziele und Massnahmen der BFI-Botschaft 2008-2011 im Wesentlichen fortgeschrieben werden.
2007 hatte das Parlament den Vierjahreskredit für Bildung, Forschung und Innovation (BFI) für die Jahre 2008 bis 2011 gutgeheissen und sich dabei für ein Wachstum von sechs Prozent ausgesprochen. Die vorgängige Botschaft des Bundesrates für Bildung, Forschung und Technologie (BFT) für die Jahre 2004 bis 2007 wurde im Jahr 2003 verabschiedet. Sie sah ursprünglich ein jährliches Wachstum der Gesamtressourcen von 6 Prozent vor. Das Entlastungsprogramm für die Bundesfinanzen führte jedoch dazu, dass die Kreditsperre zum Tragen kam und das jährliche Wachstum von 6 Prozent auf 5 Prozent gekürzt wurde. Sowohl der National- als auch der Ständerat hatten sich im Herbst 2003 für eine jährliche Zuwachsrate von 5 Prozent ausgesprochen.
Nachwuchsförderung
Als Wissens- und Wissenschaftsnation und geniesst die Schweiz in Forschungsfeldern wie den Biowissenschaften (Life Sciences), Physik, Chemie und der klinische Medizin einen hohen Beachtungsgrad. In einem Land ohne natürliche Rohstoffe haben Bildung, Forschung und Innovation eine hohe volkswirtschaftliche Bedeutung. So tragen die Life-Sciences zu rund 37 Prozent der gesamtschweizerischen Wertschöpfung bei. Paradoxerweise scheint jedoch das Interesse an naturwissenschaftlichen Fächern in der Gesellschaft und an den Schulen abzunehmen, obwohl diese Gebiete entscheiden zum Wohlstand der Gesellschaft beigetragen haben. So sank etwa die Zahl der ETH-Diplome in Chemie seit 1990 von 60 auf 30 Prozent. In der Folge fehlt der Wirtschaft der benötigte gut qualifizierte Nachwuchs.
Wie die Pisa-Studie 2007 zeigte, besteht zudem beim Wissensstand fünfzehnjähriger Jugendlicher in den Naturwissenschaften erhebliches Verbesserungspotenzial. Das Interesse junger Schweizerinnen und Schweizer an den Naturwissenschaften ist eher mässig und der Anteil derjenigen, die eine naturwissenschaftliche Laufbahn einschlagen wollen, liegt unter dem OECD-Durchschnitt. Die meisten 15-Jährigen in der Schweiz finden die naturwissenschaftliche Forschung zwar generell wichtig. Der Anteil jener, für welche die Naturwissenschaften persönlich wichtig sind, ist jedoch niedriger als im OECD-Durchschnitt. Die Förderung der Naturwissenschaften im schweizerischen Bildungswesen ist deshalb umso wichtiger.
Im schweizerischen Schulsystem muss deshalb naturwissenschaftlichen Fächern besondere Beachtung geschenkt und der Nachwuchs in den Naturwissenschaften gezielt gefördert wird. Auch das hohe Niveau der schweizerischen Hochschulen - gerade im naturwissenschaftlichen Bereich - muss gepflegt werden. Mit der Aus- und Weiterbildung der Lehrerschaft, interessanten Lehrmitteln und einem methodisch attraktiven Unterricht können die Naturwissenschaften unterstützt und die Jugendlichen für Fächer wie Chemie, Biologie und Physik gewonnen werden.
Interpharma setzt sich auf verschiedenen Bildungsstufen für die Förderung der Naturwissenschaften ein. Mit gezielten Projekten sollen die Jugendlichen erreicht und ihr Interesse an den Naturwissenschaften gewonnen werden. Zudem will Interpharma die beruflichen Perspektiven in den Life Sciences aufzeigen.
Position Interpharma
In Forschungsgebieten wie Chemie und biomedizinische Wissenschaften war die Schweiz lange Zeit weltweit führend. In den letzten zehn Jahren hat die öffentliche Hand die Ausgaben für Forschung und Entwicklung jedoch plafoniert und damit ein Abrutschen ins Mittelmass verursacht. Damit die Schweiz konkurrenzfähig bleibt, sind Investitionen in die Bildung und Forschung notwendig. Insbesondere die Universitäten bedürfen einer grundlegenden Reform, wenn sie im internationalen Wettbewerb noch eine Rolle spielen wollen. In einem Land, in dem Bildung und Forschung die einzige Ressource ist, kann die Qualität von Ausbildung und Forschung gar nicht hoch genug eingestuft werden.