Die Schweiz ist heute dank dem Nebeneinander von grossen multinationalen Unternehmen, KMUs, Start-up-Firmen und den Hochschulen ein erfolgreicher Forschungsstandort. Die forschenden pharmazeutischen Firmen leisten mit ihrer Forschung einen wesentlichen Beitrag zum Forschungsstandort. In der Schweiz sind rund 6'000 Forscherinnen und Forscher im Bereich der Pharmaforschung beschäftigt. Sie arbeiten an der Entwicklung neuer, besserer und sicherer Medikamente. Um die Stärke des Forschungsstandorts Schweiz zu erhalten und auszubauen, muss seine Attraktivität mit verschiedenen Massnahmen gesichert werden. Lesen Sie hier mehr zu:
Standortattraktivität sichern
Die Pharmaindustrie war auch in der zurückliegenden Wirtschaftskrise eine der wichtigsten Konjunkturstützen der Schweizer Volkswirtschaft. Die Fortsetzung dieser für den Wohlstand in der Schweiz wichtigen Erfolgsgeschichte ist angesichts der gegenwärtigen Schulden- und Währungskrise in keiner Weise gesichert. Die Schweiz braucht deshalb eine unabhängige Standortpolitik zur Stärkung des Forschungsplatzes mit dem Ziel, besser zu sein als die Konkurrenzstandorte.
In der Herbstsession 2011 sind verschiedene politische Vorstösse zum Forschungs- und Pharmastandort eingereicht worden. Sie verlangen, dass in einem Masterplan aufgezeigt wird, wie und bis wann die Rahmenbedingungen für die Wirtschaftlichkeitsprüfungen medizinischer Leistungen, für die Verfahren zur Beurteilung von klinischen Studien, zur Zulassung und Vergütung von Arzneimitteln sowie für den Schutz des geistigen Eigentums verbessert werden können.
Zur Revitalisierung des Forschungsplatzes ist in vier Bereichen eine Verbesserung der Prozesse besonders nötig:
Investition in Innovationen nötig
Mit der demographischen Entwicklung gibt es immer mehr ältere Personen. Gleichzeitig werden chronische Erkrankungen wie Asthma, Diabetes oder Krebs weiter zunehmen. Zudem werden Patientinnen und Patienten in Zukunft sogar häufiger mit mehreren Krankheiten gleichzeitig leben müssen. Innovationen zur Steigerung der Qualität und Kosteneffizienz von medizinischen Leistungen sind deshalb gefragter denn je.
Als Konsequenz dürfen Gesundheitsausgaben nicht mehr allein als Kostenkomponente verstanden werden, sondern sind als Investition in die Volkswirtschaft zu erkennen. Führt eine medizinische Behandlung nämlich dazu, dass ein Patient schneller gesund wird und früher wieder arbeiten kann, reduzieren sich beispielsweise die indirekten Kosten aus Produktivitätsverlusten am Arbeitsplatz oder aus der informellen Pflege durch Familienangehörige oder Freunde.
Wenn der Nutzen aus den Gesundheitsausgaben also höher ist und die Krankheitskosten insgesamt trotz der höheren Gesundheitsausgaben niedriger ausfallen und somit der Rückgang bei den indirekten Kosten grösser ist als die Erhöhung der Gesundheitsausgaben, sind steigende Gesundheitsausgaben gerechtfertigt. Von den Innovationen im Gesundheitswesen in den Bereichen Prävention, Früherkennung und Therapie von Krankheiten profitiert die ganze Schweizer Volkswirtschaft (siehe Gesundheitsausgaben und Krankheitskosten).
Bedeutung der Pharmaindustrie
Selbst die konjunkturellen Einbrüche von 2008 und 2009 konnten der Pharmaindustrie als wichtiger Wachstumsmotor der Schweizer Volkswirtschaft wenig anhaben. So hat die Branche ihre wertmässigen Exporte seit 1990 mehr als versiebenfacht und steuert heute mehr als 30 Prozent zu den Gesamtexporten der Schweiz bei.
Die reale Bruttowertschöpfung der pharmazeutischen Industrie wuchs sowohl in den Krisenjahren als auch danach stärker als diejenige der Gesamtwirtschaft. Die Pharmaindustrie weist auch eine überdurchschnittlich hohe Produktivität auf und ist direkt und indirekt für eine Wertschöpfung von beinahe 30 Mia. Franken verantwortlich, was einem Anteil von 5.7 Prozent am nominalen Bruttoinlandsprodukt entspricht. Die Zahl der Erwerbstätigen ist in der Pharmaindustrie von 2005 bis 2010 doppelt so schnell gewachsen wie in der Gesamtwirtschaft.
Diese gute Position der Schweiz ist allerdings gefährdet, wenn sich die Politik zunehmend an europäischen Ländern orientiert, statt eigene Massstäbe zu setzen. Es drohen Abwanderung von Unternehmenseinheiten aus der Schweiz - nicht vor allem nach Europa, sondern in die USA oder in die grossen Schwellenländer und künftigen wirtschaftlichen Schwergewichte wie China, Indien oder Brasilien. Dem gilt es rechtzeitig und mit klaren Strategien entgegenzutreten.
Position Interpharma
Die forschende pharmazeutische Industrie unterstützt Forderungen nach einer Revitalisierung des Gesundheits- und Forschungsstandorts Schweiz, damit das Gesundheitswesen auch in Zukunft höchsten Ansprüchen genügen und die Gesundheitswirtschaft international konkurrenzfähig bleiben kann. Die SVP-Fraktion, FDP-Ständerätin Erika Forster und CVP-Nationalrat Luc Barthassat haben in der Herbstsession drei Motionen eingereicht*. Sie verlangen, dass in einem Masterplan aufgezeigt wird, wie und bis wann die Rahmenbedingungen für die Wirtschaftlichkeitsprüfungen medizinischer Leistungen, für die Verfahren zur Beurteilung von klinischen Studien, zur Zulassung und Vergütung von Arzneimitteln sowie für den Schutz des geistigen Eigentums verbessert werden können.
* Der Vorstoss von Forster wurde mittlerweile von Felix Gutzwiller (FDP) übernommen.