Tierversuche

Eigentlich sind alle Menschen gegen Tierversuche. Aber ebenso möchten alle Menschen, wenn sie krank sind, die besten und sichersten Medikamente und Therapien erhalten. Ohne Tierversuche geht das nicht. Wie gehen Sie mit diesem Dilemma um?

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Der Mensch hat ein zwiespältiges Verhältnis zum Tier: Einerseits pflegt er enge Beziehungen zu Tieren, insbesondere zu Haustieren wie Hunden, Katzen oder Pferden. Hunde helfen Blinden und werden oft als beste Freunde des Menschen bezeichnet, Katzen füllen eine einsame Wohnung mit Leben, auf dem Rücken der Pferde liegt bekanntlich das Glück der Erde. Der Mensch betrachtet seine Haustiere oft als Freunde und Teil der Familie.

Andererseits sind Tiere auch Nutztiere. 3,56 Millionen Schweine, Ziegen, Schafe, Rinder und Pferde, sowie 50 Millionen Hühner werden in der Schweiz jährlich geschlachtet. Auch für Tierversuche werden sie benützt, in der Schweiz sind das jedes Jahr rund 500'000 Tiere, meist Mäuse und Ratten. Dass wir Menschen Tiere schlachten, um deren Fleisch zu essen, gehört zu unserer Kultur. Doch einige Ethiker, wie der Amerikaner Peter Singer, lehnen dies grundsätzlich ab, weil wir nicht auf das Fleisch der Tiere zwingend angewiesen sind und uns ebenso gut mit Pflanzen und Ergänzungsmitteln ernähren könnten.

Auch mit Tierversuchen können sich nicht alle Menschen einverstanden erklären. Weshalb werden überhaupt Tierversuche durchgeführt? Hier einige Antworten:

Pro Tierversuche

  • um die Vorgänge in unserem Körper besser verstehen zu lernen, welche bei Tieren gleich sind. Das ist vor allem wichtig für Grundlagenforscher, welche an Schweizer Universitäten arbeiten.
  • um Krankheitsursachen und Behandlungsmöglichkeiten zu finden. Hier spricht man von angewandter Forschung, also Forschung, welche in Biotech- und Pharmafirmen, aber auch an Universitäten durchgeführt wird.
  • um die Wirksamkeit und die Sicherheit von Medikamenten und Lebensmitteln zu gewährleisten. Medikamente müssen von Gesetzes wegen an Tieren auf ihre Sicherheit getestet werden, bevor sie zugelassen werden, um das Risiko für den Menschen zu verringern.
  • weil es für viele Fragestellungen keine Alternative zum Tierversuch gibt. Forscher versuchen, wenn immer möglich, eine Alternative zum Tierversuch zu finden. Nicht immer ist das möglich.
  • um Vorgänge in Tieren besser verstehen zu lernen und Medikamente für Tiere an Tieren zu testen

Hier einige Argumente gegen Tierversuche:

Contra Tierversuche

  • Tierische Krankheitsmodelle haben für den Menschen nur eine bedingte Aussagekraft. Menschen und Mäuse sind sich zwar ähnlich, aber sie sind nicht gleich.
  • Die Tiere können in der Versuchstierhaltung und im Versuch selbst oft nicht arttypisch gehalten werden. Sie entwickeln dann Stress- und Verhaltensstörungen.
  • Um ein bis zwei transgene Tiere zu erzeugen, sind hundert Versuchstiere notwendig, welche anschliessend «entsorgt» werden.
  • Geheimniskrämerei: Tierversuche unterliegen aufgrund von Forschungsinteressen der Geheimhaltung.
Ein Grossteil der Tierversuche wird mit Mäusen und Ratten durchgeführt.

Was ist ein Tierversuch?
Nicht alle Versuche mit einem Tier gelten gemäss Tierschutzverordnung als Tierversuch. Der Geltungsbereich dieser Verordnung erstreckt sich auf alle Wirbeltiere, auf die Zehnfusskrebse (Decapoda) und Kopffüssler (Cephalopoda). Ein Versuch mit einem Regenwurm oder einer Taufliege ist demnach kein Tierversuch.

Tierversuche ermöglichen Wissen

Ohne Tierversuche wären wir von unserem heutigen Verständnis der Biologie noch weit entfernt. Wichtige Erkenntnisse konnten nur mit Hilfe von Tierversuchen gewonnen werden. Sie waren zum Beispiel entscheidend in folgenden Bereichen: den grundlegenden Vorgängen im Auge beim Sehen, im Gehirn und in den Nerven beim Denken, Antibiotika, Diabetes, Impfungen gegen Diptherie, Gelbfieber und Kinderlähmung, Tollwut, Organverpflanzung, Krebsforschung, Herz-Lungen-Maschine und vielen mehr.

In den letzten 25 Jahren - seit der Einführung des Tierschutzgesetzes - hat sich das Gebiet der Tierversuche grundlegend gewandelt. Nicht nur die Zahl der Versuchstiere hat sich um 75 Prozent verringert, auch die Methoden zur Durchführung wurden verfeinert.

Mehrere Faktoren waren für diese Verbesserungen bei den Tierversuchen verantwortlich: das zunehmende Wissen über die Vorgänge im menschlichen und tierischen Körper hat den Forschern neue Möglichkeiten eröffnet, gewisse Abläufe ausserhalb des Körpers zu betrachten, zum Beispiel anhand einzelner Zellen. Ein muskelentspannendes Arzneimittel kann heute mit Hilfe einzelner Muskelzellen untersucht werden anstatt am ganzen Tier. Dadurch konnte die Anzahl Tierversuche verringert werden. Auch in der Gesellschaft hat in den vergangenen Jahrzehnten ein Umdenken stattgefunden: Das Tier geniesst heute einen höheren Stellenwert. Ethische Richtlinien im Umgang mit Versuchstieren wurden entworfen, um unnötige Tierversuche zu vermeiden. Und der Druck von Seiten der Tierschützer hat die Einführung von Alternativmethoden und neuen Richtlinien vorangetrieben.

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